MACNOTES

Veröffentlicht am  16.11.10, 12:57 Uhr von  rj

Apple, Gefahr für das freie Internet? Tim Wu über Netzneutralität und Medienmogule

The Master SwitchSein Buch heisst “The Master Switch”, und die These, die der Rechtsprofessor der Columbia-Universität Tim Wu darin vertritt, lautet, dass das Internet zunehmend einer monopolisierten Kontrolle unterworfen wird. Als Hauptakteur dieses Prozesses befürchtet er Apple. Wie AT&T Anfang des vergangenen Jahrhunderts seine Stellung als “wohlwollender Monopolist” missbrauchte, wird auch das Internet möglicherweise in kommenden Entwicklungszyklen zum immer geschlosseneren System mutieren.

Irgendein Jurist ist Wu beileibe nicht – auch wenn er den inzwischen auch in der deutschen Debatte angekommenen begriff der “Netzneutralität” geprägt hat. Wu lehrt Urheber- und Medienrecht und analsysierte in seinem Titel “The Master Switch. The Rise and Fall of Information Empires” die Entwicklung von Medien und Medienmonopolen in den USA. Seine These: Die Freiheit dieser Medien und ihrer Nutzung ist auch in den liberal-kapitalistischen USA mitnichten selbstverständlich, sondern historisch vom Aufkommen und Niedergehen verschiedener Monopole geprägt. Einen solchen Zyklus befürchtet bzw. erwartet er auch mit dem Internet. Einer der Hauptprotagonisten sei Apple, Steve Jobs wiederum entspräche dem klassischen “Medienmogul”, der dazu tendiere, sein eigenes, persönliches Königreich aufzubauen.

Er wolle “zuviel Kontrolle”, so Wu über Jobs, und als Antwort auf die Frage, welche Unternehmen er am meisten fürchte, antwortet er ein klares “Im Augenblick muss ich sagen, Apple.” Konkreter:

“Ich weiß, dass das Internet mit einer Architektur ausgestattet wurde, die der Integration und zentralisierter Kontrolle widerstehen sollte, und dieses Design besiegte Unternehmen wie AOL und Time Warner. Aber heutige Unteernehmen wie Apple machen es unklar, ob das Internet etwas bleibendes ist oder nur ein weiterer Zyklus.”

Nun ist Apple durch seine Strategie der “Appisierung des Internet” auch bei Macnotes ausführlich kritisierter Protagonist des Trends hin zum geschlossenen System. Die Apps als Symbol geschlossener Systeme auf geschlossenen Plattformen, die (noch) marktbeherrschende Stellung von iTunes und der Trend weg vom Universalgerät Computer zum spezialisierten Gadget als Internet-Endgerät wird im Interview mit Wu jedoch nirgends konkret erwähnt.

Auch Veranschaulichungen, wie ein solcher “Zyklenwechsel” aussehen soll, fehlen – meint Wu vielleicht einen ähnlichen Niedergang “des Internets” gegenüber neuen, app-basierten Medienstrukturen wie seinerzeit der des Usenet gegenüber dem WWW? Selbst beim Vergleich mit der Monopolisierung der Telefonie durch AT&T um 1910 muss Wu zum Vergleich des Versprechens “verantwortungsvollen Handelns” von AT&T das googlesche “do no evil” heranziehen. Man hätte sich gerade bei diesen historischen Vergleichen und Parallelen einige konkrete Begründungen der Apple-Kritik gewünscht.

Im Tim Wu-Feature der NYT finden sich indessen in erster Linie vages Unbehagen und – wenngleich zutreffend erscheinende – Persönlichkeitsanalysen von Medienmogulen unter besonderer Berücksichtigung von Steve Jobs. Sucht man die konkreten Argumente, wird man wohl das ganze Buch lesen müssen. Clever, Mr Wu. (Amazon)

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 16 Kommentar(e) bisher

  •  Gähn sagte am 16. November 2010:

    Soll er sein Buch verkaufen…
    und bei FB anheuern.
    Kann mir gut vorstellen, das Tim Wu dort schon auf der Payroll steht…

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  •  DRAGONFLY sagte am 16. November 2010:

    RJ, der letzte Absatz ist unverständlich. Kritisierst du nun die Aussagen als PR für das Buch oder leistest du Amazon Hilfestellung..?

    Jedenfalls in der Sache meint Wu – und das tun noch einige andere – in Jobs’ Persönlihckeit und Charakter ein Argument für diese Thesen zu sehen. So wie etwa mit Murdoch und Zuckerberg das Gebahren ihrer Unternehmen zu großem Teil erklärt werden könnte.

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  •  rj sagte am 16. November 2010:

    Deinem zweiten Absatz stimme ich durchaus auch zu. An sich kommt mir aber die Aussage meinerseits klar vor: Im interview äußert er sich extrem vage, weil Persönlichkeit und das Aushebeln grundlegender Prinzipien technischer Protokolle sind zwei Paar Stiefel und konkrete belege für seine Thesen bleibt Wu hier schuldig. Die Belege gibts, das wissen wir alle, aber ich finds schon amüsant, dass die so konsequent vermieden wurden.

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  •  Karl sagte am 16. November 2010:

    Ich denke er betrachtet das einfach statistisch. Nur das Internet wirklich beherrschen kann nur jemand der die Root Server und das DNS kontrolliert und das ist im Moment die USA Und die wollen das auch nicht hergeben

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  •  DRAGONFLY sagte am 16. November 2010:

    Schon… Nur, Techniken und Protokolle sind menschengemacht und hier spielt er auf die Menschen an, die Konzepte für Technik und das, was & wofür Technik demnächst tun wird, vorantreiben. Wenn man die “amüsante” Gerüchteküche um das nächste Gerät mal weglässt, kann man Apples Treiben im Wesentlichen durch Jobs’ Persönlichkeit und Charakter erklären, ohne weitere Belege technischer oder sonstiger Natur zu benötigen. (Ob man dieses Treiben nun gut heißt oder nicht, mag dahinstehen…) Wus Aussagen in dem NYT-Interview sind plausibel.

    Bis auf die letzte, wonach Apple in Kontinuität agieren wird, wenn Jobs weg ist. Ich meine, es verhält sich umgekehrt. Apples Zukunft ist mit Jobs eine natürliche Grenze gesetzt und danach kommt etwas Neues oder bloß eine Zerfaserung. Denn auf breiter Flur ist niemand da, der seine Ideen und Visionen verfolgt (um es positiv zu formulieren) oder seinen Fanatismus hat (um es negativ zu sagen).

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  •  @superglide sagte am 16. November 2010:

    RT @Macnotes: Apple, Gefahr für das freie Internet? Tim Wu über Netzneutralität und Medienmogule http://macnot.es/52655

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  •  brian sagte am 16. November 2010:

    was ich bei solchen “professoren” immer am schlimmsten finde ist definitiv das solche leute für soviel geistigen dünschiss und wagen zukunftsängsten noch geld bekommen! solche thesen in den raum werfen kann wirklich jeder und das schöne dabei ist, dass es alles nur mutmasungen sind und es niemand später interessiert wie es wirklich gekommen ist. denn dann stellt sich dieser professor wieder hin und verfährt andersherum und begründet dann, was wirklich eingetreten ist mit irgendwelchen schaluen theorien und schreibt darüber wieder ein buch. um dann danach gleich wieder ein neues über vermeindlich neue gefahren und entwicklungen herauszubringen!
    ich sehe das nur so abwertend, weil ich aus edem standpunkt eines ingenieures darauf schaue, also leute die wirklich was leisten! denn bei deren leistung merkt man ganz schnell ob die maschine funktioniert bzw das teil den maßen und anforderungen entspricht. wogegen bei solchen schwätzern es nur darum geht seine eigene komischen ansichten auf intellektuelle art und weise in ein buch oder eine vorlesung zu bringen, was nur beachtet wird, da solche leute durch ihre ausbildung sich etwas intellektueller artikulieren können wie der stammtischprolet!! nur leider mit dem riesenunterschied, dass er dafür richtig viel geld jeden monat bekommt!!!

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  •  DRAGONFLY sagte am 16. November 2010:

    Hmm… Und alle Fragen, bei den es nicht drum geht, ob das Maschinchen auf Anhieb anspringt, sind also unstatthaft? Deine Kritik widerlegt sich selbst.

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  •  rj sagte am 16. November 2010:

    Insbesondere, weil Wu durchaus die richtigen Fragen stellt (und es ja nicht mal gesagt ist, dass er keine vernuenftigen, konkreten Antworten geben kann). Ich diss auch gerne den einen oder anderen Technikpessimisten daher, aber meinem Eindruck nach ist Wu keiner.

    Im uebrigen sind alle Verallgemeinerungen von Uebel. Ich bin z.B. ziemlich sicher, dass es durchaus auch Ingenieure gibt, die sich einigermassen vernuenftig artikulieren koennen, auch wenn ich grade eher das Gegenteil im Beispiel lese.

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  •  Gähn sagte am 16. November 2010:

    Ja ja, deutsche Sprache schwäääre Sprache…;-))

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  •  brian sagte am 16. November 2010:

    erstmal vorweg…vllt habe ich heute auch nur einen schlechten tag ;)
    @dragonfly
    von unstatthaft war gar nicht die rede. ich wollte her zum ausdruck bringen, wie bequem manche als professor mit solchen allgemeinen thesen über komplett ungewisse dinge ihr geld verdienen!
    ich habe es auch eher umgekehrt geschrieben, dass technische bzw wirklich wissenschliche fragen viel mehr gefragt sind als solche sozio-irgendwas fragen! damit sage ich aber nicht, dass man solche fragen nicht stelen sollte, mich ärgert nur wenn man dann solche professoren zb in der uni sieht, die dafür 5000euro bekommen!

    @rj
    sind meine “artikulationen” so schlecht? lol
    der erste teil deiner antwort war wirklich sehr gut und neutral geschrieben! sowas geht mir leider total ab..
    natürlich bezog meine kritik sich auch nur auf die hier genannten auschnitte des buches! über seine vermeintlichen lösungen und überhaupt den großteil des inhaltes des buches kann ich daraus nichts sagen.
    aber zb dieser satz:
    “Aber heutige Unternehmen wie Apple machen es unklar, ob das Internet etwas bleibendes ist oder nur ein weiterer Zyklus.”
    ist doch absolut schwammig und nichts sagend. sowas kann echt jeder!!!

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  •  Gähn sagte am 16. November 2010:

    und tschüss!

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  •  brian sagte am 16. November 2010:

    noch ein kleiner nachtrag! der artikel an sich ist wirklich gut geschrieben. vorallem der letzte absatz ist mit einem gewissen witz aber durchaus seriös gut gelungen!!!

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  •  rj sagte am 16. November 2010:

    brian, das was sehr “allgemein” wird, wenn mans von nem Buch auf ein Interview in eine These runterbricht, das ist klar. Dass es aber um sehr konkrete Fragen geht, die unter anderem höchst technische Ursachen und Möglichkeiten haben/auftun, hatte ich in dem verlinkten kommentar ausgiebiger diskutiert und wird wohl auch Wu tun. was ich ihm vorwerfe ist, dass ers eben nicht im interview tut, im Buch wird ers wohl machen :)

    Zum “Zyklus” – ich denke schon, dass es nicht ganz trivial ist, die These aufzumachen, dass das “offene Netz” nichts naturgegebenes ist, sondern vielleicht ebenso eine Übergangsphase wie die vom Usenet zum WWW. Dass dadurch möglicherweise nicht ganz mühelos erkämpfte Öffentlichkeiten wieder plattgemacht werden, kommunikationsmöglichkeiten wieder eingeschränkt und reguliert werden, die jetzt noch recht selbstverständlich offen stehen – das ist ein imo kaum zu unterschätzendes thema.

    Und um mal ganz gezielt angriffslustig zu werden: da sagen mir – wenns zum Beispiel um den ePa geht und die jüngst wieder gern in der Politik geäußerte Forderung nach der Abschaffung der Anonymität im Netz geht – viel zu selten auch kompetente Ingenieure und Techniker was dazu. Es wär gelegentlich durchaus notwendig.

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  •  brian sagte am 16. November 2010:

    trivial von der relevanz ist es eigtl nicht. aber trivial so eine these aufzustellen als große geistige leistung schon!
    er sagt, dass es durch die apps wieder geschlossener werden könnte. D.h. er weiß es nicht und kann es auch nicht wissen! das ist in etwa so, als veruchte ich anhand des bauernkalendars für morgen das wetter vorherzusagen! um dann morgen festzustellen, dass nach meinen messungen es anders gekommen ist und begründe welche wolkenkonstellationen und welche windrichtung verantwortlich dafür waren!
    d.h. auch nicht das die wettervorhersage nicht relevant ist, aber wenn ich dafür aus dem bauernkalendar recherchiere und dafür 5000eus und mehr bekomme regt mich das auf!

    ja mit dem epass ist auch so eine sache! das die politik immer versucht alles zu kontrollieren, siehe den paranoisierten schäuble damals, ist nichts neues!
    ingenieure sind da gelassen würde ich behaupten, weil es ganz einfach nicht deren aufgabe ist, sowas zu entscheiden! sondern deren aufgabe ist etwas zu entwickeln und auf “kommando” es zu implementieren und maximal noch vor risiken auf anfrage hinzuweisen.
    man könnte ja auch natürlich argumentieren, dass wenn ingenieure über risiken bescheid wissen, dass es zu deren verantwortung gehört, dies in die öffentlichkeit zu tragen! darüber kann man aber philosophieren, was leider auch schon von ethik-professoren für 5000eus im monat an unis getan wird :(

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  •  Michael sagte am 16. November 2010:

    Ich würde jedem empfehlen diesbezüglich die Beiträge auf daringfireball zu lesen. Gruber sagt, dass Apple mit seinem iOS eine dünne Hülle um das Internet zieht und nicht versucht das Internet zu verbauen, sondern nur andere Zugangswege (durch Apps) zu schaffen. Der Weg über Browser bleibt nach wie vor offen.

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