Veröffentlicht am 19.01.11, 17:41 Uhr von rj
Erst für kurze Zeit ist der Mac App Store nun im Netz, Erfolgsmeldungen gibt es jedoch bereits zur Genüge. Auch die Skeptiker stellten inzwischen fest, dass weder Welt noch unabhängige Softwareentwicklung zugrunde gingen. Praktische Apps, zivile Preise, alles gut demnach?
…generierte der Mac App Store auch schon – dass die Kindle-App schon die Toplisten stürmt, bevor eine überfällige iBooks-Portierung die eBooks auf den Desktop bringt, ist eher von anekdotischer Bedeutung. Aber sprechen wir vom Geld. Apertures drastische Preissenkung ist für sich genommen erfreulich für Neukäufer, nimmt aber darüber hinaus möglicherweise einen allgemeinen Trend zur günstigeren Mac-Software vorweg. App Store-Millionäre auch über den Desktop – die Erfolgsgeschichten mit dem 79-Cent-Programm werden auch im Mac App Store nur wenige schreiben. Die Chancen sind jedoch deutlich gestiegen, verglichen mit derselben App, die irgendwo im Netz irgendwie verkauft wird.
Der erfolgreiche Mac App Store-Launch war erwartbar, erstaunlich sind die recht schnell entstandenen Reviews und Bewertungen – viel Synthetik ist dabei, aber um sich ein Bild zu machen, reichen die Nutzerkommentare in der Regel bereits durchaus. Kostenlos ist ebenso vieles – schnell eingerichtet und auch wieder schnell deinstalliert verführt der Shop zum Ausprobieren, und wenn das bei den teureren Programmen noch nicht geht – die Lite-Versionen werden kommen.
Vor lauter “iPhone-Programme” und “Widget”-Gerede hat man gelegentlich aus den Augen verloren, dass “Apps” nichts anderes als ausgewachsene Programme, eben “Applikationen” sind. Der App Store auf iPhone, iPad und Co. gab dem Software-Markt im einstelligen Eurobereich einen massiven Schub. Noch wichtiger: Er zeigte einen gangbaren Weg für die “vorsichtigen Anwender”, die bislang mit Rechner-Grundausstattung und den Installationen ihrer Helfer arbeiteten und um alles, was wie Download oder Softwareinstallation aussah, einen großen Bogen machten. Hier sind Potentiale zu erschließen.
Dass der Rechner eine Universalmaschine ist, die prinzipiell zur Lösung eines weiten Spektrums von Aufgaben nach Belieben modifiziert werden kann – bei vielen Anwendern scheitert diese Metapher an der ominösen “Modifikation”. Viele kleine verschiedene Tools anzubieten, die jeweils auf spezifische Aufgaben sehr gut abgestimmt sind und gegebenenfalls über Schnittstellen kommunizieren, ist absolut nichts neues. Apple hat ironischerweise einmal mehr ein altbekanntes, schon vielerorts eingesetztes Prinzip – einen Distributionskanal für Mac-Software – genommen und auf eine Art und Weise umgesetzt, mit der auf einen Schlag der leichte und sichere Zugriff auf eine schnell wachsende Zahl von Apps geschaffen wird, die ihrerseits einfach, klar und für meist sehr spezifische, leicht verständliche Aufgaben geeignet sind. Am Horizont dämmern darüber hinaus noch Touchscreen-Macs herauf – womit eine ganze Reihe von iPad-Apps auf einen Schlag auch Mac-Weihen erhalten können.
Streitbarer sind die Thesen, geht es um die “professionellere” Anwenderschar. Exemplarisch möglicherwiese die Diskussion um den potentiell segensreichen Effekt des Mac App Store für Musiker. Dieser
Fazit? Zu früh für speziellere Prognosen, aber mit einem “Mehr App-Käufer, mehr App-Coder, vielfältigeres Angebot” wird man definitiv auf der sicheren Seite sein. Und wenn die Apps erst einmal bei den Anwendern sind, werden sie diese auch nutzen. Kurzgefasst: Mehr Leute werden mehr Spaß an mehr Geräten haben.
Der Tritt in Richtung iTunes (es kommt aus der Hölle!) darf nicht fehlen: mehr als für alles andere sollte man Apple dafür danken, den App Store nicht auch noch in das aufgeblasene Ungetüm iTunes integriert zu haben. Statt der eierlegenden Wollmilchsau mit jahrelangen Verfettungserscheinungen iTunes noch eine Funktionalität zu implantieren, bekam der App Store sein eigenes Programm. Hoffen kann man vielleicht gar auf weitere Vereinfachungen nach iOS-Beispiel – separate Videothek, separater App Store und vielleicht gar eine separate Sync/Backup-Verwaltung für die iDevices. Aber an sich geht es unter der Überschrift um eine andere Komplexität – der in Sachen Technik, Rechner und Internet generell.
Die lässt sich noch leichter meiden. Mit lockerem Drag’n Drop der App gab es schon vor Mac App Store-Zeiten ausreichend Anlass zum Belächeln software-installierender (und deinstallierender) Windowsnutzer. Alles noch einfacher nun – und auch über die Frage nach der vertrauenswürdigen Quelle, aus der das DMG hoffentlich kommt, muss man sich in den heutigen Zeiten am Mac nicht mehr stellen. An sich kann man das knappe Fazit ziehen, dass Apple hier in Sachen Programme das umsetzt, was im Musikbereich schon ihr größter Verdienst war: eine DAU-taugliche, praktische, einfache Art, online digitale Güter einzukaufen.
(Alltime-App Charts Deutschland. Pic: Webciety.)
Das böse Wort von den DAUs ist nun gefallen, um das sich der Kollege Trust wacker gedrückt hat. Seine Kritik insbesondere in Richtung der App Store-Kunden im Spielesektor trifft durchaus: Wer in der Vergangenheit nicht die Herstellerseiten fleißig durchstöberte, wird sich mit dem App Store plötzlich im Software-Schlaraffenland wähnen und entsprechend loben, preisen und bewerten. Dass dabei vieles recycled wird, was “alten Hasen” schon seit geraumer Zeit bekannt ist, Diskussionen über Features und Inhalte nochmal von vorn geführt werden müssen, Ansprüche, die von den Hardcore-Usern hartnäckig eingefordert/durchgesetzt wurden, plötzlich wieder unter den Tisch fallen können – (hoffentlich) Kinderkrankheiten.
Dennoch: möglicherweise der größte Verdienst des App Store ist, dass er eine Distributionsplattform geschaffen hat, die es dem Kunden so leicht wie möglich macht, ans Programm der Wahl zu kommen – legal, schnell, einfach. Ärger mit Lizenzcodes, Freischaltungen, Online-Registrierung, vergessenen Schlüsseln usw. ist schlicht Geschichte. Man fragt sich allenfalls, warum es dafür bis 2011 gebraucht hat.
Vielleicht, weil es dann doch ein wenig abschreckt, dem Hardware/OS-Anbieter auch noch die Vollmacht zu geben, Applikationen zuzulassen, abzulehnen und die entsprechenden Kriterien nach Belieben zu definieren? Klar, bei hunderttausenden von Apps geht das nicht ohne Streit und gelegentliche Kollateralschäden, aber die Kritik am Apple-Regime über den App Store ist nicht unbegründet.
Schwerer noch wiegt der “normalisierende” Effekt: letzten Endes definiert Apple, was die “seriösen Weihen” des Stores bekommt und was in die Schmuddelecken verbannt wird. Denn Hand aufs Herz: wer wird den weniger technikaffinen Eltern nicht irgendwann ein “Schau bei dem dunkelblauen A-Icon nach, da ist alles sicher” an die Hand geben und sich ein “…und dann noch Sourceforge” ersparen?
Die “neue Normalität” wird der App Store sein, und neben den allfälligen Fragen in Sachen Sex, Gewalt und Jugendschutz, der oft genug zum Erwachsenenschutz mutiert (ok, auf der Apple-Plattform nur bedingt), ist höchst fraglich, ob man dort ein Tor Browser Bundle findet oder einen Freenet-Client für Mac OS X. Und was ist eigentlich angesichts der kommenden weiteren Fälle von inkompatiblen Lizenzen?
Es wird keiner gezwungen. In der Theorie richtig, praktisch hat der Mac App Store das Zeug dazu, eben Quasistandard zu werden. Auf dem iPhone wird von Cydia regelmäßig behauptet, dass der alternative App Store auf ca. 10% der Geräte installiert sei. Gefühlt kommt mir das zu hoch vor, auch hier ist der App Store schlicht das maß der Dinge, der Rest nach wie vor Randerscheinung. Der Mac wird einfach noch ein Stück weit einfacher zu bedienen, die Apps noch leichter zu finden und zu installieren – jedenfalls diejenigen mit App Store-Weihen. Die neue Installations-Normalität ist übersichtlich, sicher und bequem und deshalb wird sie sich durchsetzen. Das “Aussperren” der Alternativen braucht es gar nicht, die Vorteile für den Normalanwender reichen völlig für einen Siegeszug des App Store aus.
Womit ein weiterer Softwarebereich ganz ohne großen Zwang der Regulierungs- und Zulassungsmacht Apples unterworfen ist. Dass es im Apple-Appiversum dann eben allenfalls verhaltene Erotik gibt, politische Inhalte notfalls weichgespült werden, die Vierbuchstabenwörter ausgesternt werden – hey, es ist Apples Shop. Draußen im Netz ist das alles ja nach wie vor zu haben. Alles nicht schlimm – sondern normal. Im guten wie im schlechten Sinn.
Und wie ist deine Meinung? Schreib uns einfach!
Tags: App Store, Apple, GPL, Mac App Store
10 Kommentar(e) bisher
RT @macnotes: Mac App Store: Zweite Eindrücke und Ausblicke http://macnot.es/56213
RT @Macnotes: Mac App Store: Zweite Eindrücke und Ausblicke http://macnot.es/56213
Habe eine Live-Statistik gefunden, die euren Eindruck der Preisgestaltung untermauert: applounge.de/de/stats/
Wäre interessant den Preisverlauf irgendwie über die Zeit zu verfolgen, da viele Sachen momentan ja noch zu Startpreisen angeboten werden.
Netter Inhalt, aber zu viel drum herumgeschrieben. Weniger ist oft mehr, anstrengend zu lesen.
Dem Fazit kann ich mich nur anschließen: Für die große Masse an “Standardanwendern” wird der Mac App-Store absolut ausreichen, auch wenn hier und da Programme den Weg in den Mac App-Store vielleicht nicht finden werden. (übrigens schreibt man nicht nach jedem Doppelpunkt klein *g*)
Lang schreiben nur die Leute, die keine Zeit dafür haben, sich kurz zu fassen :) Stimm ich zu, war ein wenig auch das Problem, wenn was länger und länger wird und man aber bei allem denkt, das ist ein Aspekt, der anders nicht wirklich rauskommt.
Bei der ganzen Geschichte um “Normalität” und wie sie hergestellt wird, bin ich auch noch ein wenig in der Rumgrübelphase. Schwarzweiss ist fast gar nichts, und insbesondere im Netz ist viel Grauton, und mir fällts schwer, da den Finger drauf zu kriegen. Das “Ausreichen” des App Store ist eben gar nicht so der Punkt, sondern dass sich eben so gesellschaftlich akzeptierte Standards bilden, die immense Beharrungskraft und breit geteilte Ansichten entwickelt/fördern, wie etwas “sein muss”, und was als “anders” und nicht unbedingt “normal” gilt.
Aber jetzt hör ich besser auf, sonst fang ich noch mit Focault-Exkursen an :)
…ich finde enttaeuschend, dass nirgendwo im App Store auf Hardwarespec’s eingegangen wird. Insbesondere beim grossen Markt der Spiele wuenschte ich mir, dass ein Abgleich mit der Hardware moeglich ist, oder wenigstens entsprechende Angaben seitens der Produzenten moeglich sind… Ich bin Besitzer eines Late 2006er iMacs mit der guten alten Geforce 7300GT, und demzufolge aus vielen Steam-Spielen ausgeschlossen. Wird nicht lange dauern, bis die Publisher anfangen, gaengige Titel anzubieten (Civ: Colonization gibts ja schon…), und spaetestends dann wird der blinde Kauf fuer den Dau zum Gau….
wer aufmerksam die Kommentare liest, bekommt schon mit auf welchen Macs Spiele laufen und wo nicht. Bei den großen 3d-Spielen stehen zumal die Vorraussetzungen dabei: http://www.applounge.de/de/spiele/sid-meiers-civilization-iv.html
@Lizardking: Naja, im beschreibenden Text unterzubringen ist zwar zulaessig, bedingt aber immer noch User, die wissen, welchen Grafikchip sie haben, oder welche CPU oder (schreck lass nach!) wie ihre Partition formatiert ist… Ein (optionaler) Check von vorgegebenen Mindestvorraussetungen gegen die Systeminfo waere gut. Klappt ja bei Steam auch. Aber was ja nicht ist, kann ja noch werden… Uebrigends laeuft meine Steam Variante von Colonization astrein, obwohl meine GraKa nicht gelistet ist…
@Marc: Stimmt auch wieder. Ich denke solche Sachen werden sicher mit der integrierten Version in Lion abgedeckt. Momentan gibt es ja eh nicht allzu viele Funktionen. Wenn man es ganz simpel betrachtet, ist der Store ja im Prinzip nur eine Webseite in einem Programm mit Shop- und Bewertungsfunktion :)
Hey, schaut mal hier rein: http://www.youtube.com/watch?v=2PqhZ0ztzHo
da gibe es alle mac apps umsonst
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