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Veröffentlicht am  1.02.11, 10:50 Uhr von  

Verbrechen-App, rottenneighbor.com revisited? Geodienste zu Gewalt und Kriminalität

Verbrechen geolocationWo befinde ich mich, was ist das für ein Viertel, was passiert hier möglicherweise? Geolocation-Dienste und der allgemeine Sicherheitswahn passen an sich bestens zusammen und die “Verbrechen”-App, die auf dem iPhone die Straftaten der Region anzeigt, ist nicht der erste Dienst seiner Art, wenngleich wohl noch einer der “unproblematischeren” Varianten.

2008 führte die (bis heute nicht mehr neu gestartete) Seite rottenneighbor.com zu einem Rauschen im Blätterwald: Als Dienst zur “Nachbarschaftsdenunzation” wurde die Site nicht zu Unrecht kritisiert, auf der die “rotten neighbors”, unliebsame Nachbarschaften eingetragen und “zur Warnung” potentieller Zuzügler veröffentlicht wurden. Die Site sorgte für Kontroverse in in den USA wie in Deutschland, der Dienst wurde eingestellt, ohne wiederzukommen.

[singlepic id=11501 w=200 float=left] “Verbrechen” zielt in eine ähnliche Richtung und verlässt sich statt auf möglicherweise unzuverlässige oder von reiner Missgunst motivierte Usereinträge auf die Polizeiberichte: mit der App (1,59, App Store) können ortsbezogen gemeldete Straftaten plus Hintergrundinfo aus den veröffentlichten Polizeiberichten abgerufen werden. “Was ist los auf dem Kiez”, diese Frage soll die App ebenso beantworten wie eine Hilfestellung für ängstlichere Zeitgenossen sein, die “gefährlichere” Gegenden meiden möchten.

[singlepic id=11500 w=200 float=right] Selbstbeschränkung auf ohnehin öffentliche Polizeidaten – die App bewegt sich so auf der sicheren Seite zwischen Informationsbedürfnis und Denunzianten- und Prangertum. Auf die Idee sind auch schon andere gekommen – in Großbritannien wird zu eben demselben Zweck eine Web-Infoseite gelauncht, in der ebenso regional die entsprechend angezeigten und veröffentlichten Fälle von Straftaten eingesehen werden können.

Wie sieht es mit weiteren Diensten dieser Art aus? Safe-T-Informant ist bisher “nur” für GPS-Navis erhältlich, aber schreit nach einer Smartphone-Umsetzung, die Warnmeldungen vor “High Crime Areas” auch auf iOS, Android und Co. bringt. Das Safe-T-Team sammelt “aus verschiedenen Quellen” seine Informationen, die zur Warnungsgenerierung dienen. Noch “ungefilterter” die Initiative “Hollaback!”, die sich gegen sexuelle Belästigungen von Frauen in der Öffentlichkeit wendet.
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Weltweit können entsprechende Berichte eingereicht und anschließend per Geolocation Orten und Gegenden zugeordnet werden – neben der Webseite gibt es auch eine App, die den “einfachen Submit” verschiedener Formen der Belästigung auch zeitnah und mobil erlaubt. [singlepic id=11502 w=200 float=left] Die iPhone-App ist aktuell nur via US-Store zu haben und kostet 99 Cent.

Ebenfalls “sehr offen”: Streetadvisor. Vom Konzept her erinnert die nur via Website und Widget verfügbare Ortsteil-Kritik am ehesten noch an Rottenneighbor, ist im Gegensatz zur umstrittenen Vorgängerapp jedoch nicht auf Denunzation und Pranger gebürstet, sondern versucht auf durchaus sympathische Weise Vorzüge, Nachteile und Eignung verschiedener Gegenden für verschiedene Zielgruppen und Interessenten darzustellen.

Auch Streetadvisor ist bislang angebotstechnisch auf die USA begrenzt, aber es wird eine reine Frage der Zeit sein, bis ähnliche Dienste in neuer Auflage über den großen Teich schwappen – ob nun als Site, App, Facebook-Zusatzdienst, Google Map-Addon usw.
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Ungeachtet dessen, was man davon hält: die Geolocation-Dienste werden in nicht allzu ferner Zukunft weit mehr über unsere Umgegend angeben können als nur den Kumpel, der sich vor einer Viertelstunde in der Kneipe um die Ecke eingebucht hat. Die “Verbrechen”-App ist nur einer der neuen Dienste, und ob uns diese mehr Freiheiten, Informationen und Möglichkeiten verschaffen oder uns auch schlechten Leumund verschaffen, Angst machen oder einschränken, wird ganz von der Nutzung abhängen.

Unvermeidliche persönliche Nachbemerkung und -frage: wer wird solche Apps nutzen und wozu? Selbst sehe ich alle hier als Beispiele aufgeführten Apps und Dienste eher entspannt bis positiv, habe aber den Eindruck, dass hier nach rottenneighbor-Vorbild noch einiges Potential für hässlichere Varianten schlummert und gehoben werden wird. Was denkt ihr?

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

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        1. Verbrechen lohnt sich (für Softwareentwickler) | Criminologia am 10. Februar 2011
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