News & Rumors: 2. Februar 2011,

PlayStation 3 – Jailbreak und geknackter Kopierschutz – selber Schuld, Sony!

Wie kann man nur? Wie kann man nur DERART viel falsch machen? Die PS 3 war nicht nur die letzte der relevanten NextGen-Konsolen, sondern ist auch noch die einzige, die im Laufe ihrer Entwicklung „dümmer“ wurde. Nach und nach wurden Features aus der Hardware wegrationalisiert oder per Software deaktiviert. Ein Kommentar, warum Sony nun bekommt, was es verdient.

Ach ja, Sony, warum nur? Die ersten
beiden PlayStations haben sich wie warme Semmeln verkauft, was vermutlich
verstärkt auch an der Konkurrenz lag, doch die dritte hat seit jeher mit
Problemen zu kämpfen. Nicht etwa technischer Natur, wie die Kollegin aus
Redmond, sondern mit ihrer Verbreitung.

Eingeläutet wurde NextGen durch
Microsoft, das Ende 2005 mit der Xbox 360 eine HD-fähige Konsole auf den Markt
warf – und zwar innerhalb von 4 Wochen in Japan, den USA und Europa. Ein Jahr
später folgte die Wii, und wer nicht gerade in Europa wohnte, konnte zu dem
Zeitpunkt sogar schon mit der PlayStation 3 spielen. Ein halbes Jahr ließ Sony
sich dafür Zeit (Fehler #1), Ende März konnten dann auch Europäer mit dem
Cell-Prozessor ihre Wohnung heizen.

PlayStation 3

Die Bewegungssteuerung der Wii wurde
schnell als Casual abgetan, für alle Fälle war der PS3-Controller aber dennoch
mit Lagesensoren ausgestattet, man kann ja nie wissen. Dafür – Achtung Sony –
fehlte der Vibrationsmotor (Fehler #2). Aber wer will denn meckern: Als
Blu-ray-Player war die Konsole günstiger als ein Standalone-Abspieler, man konnte
damit zocken (im Gegensatz zur Xbox sogar kostenlos online), durch die
weitreichende Medienunterstützung (per Kartenleser, USB-Sticks und die
USB-Anschlüsse) sogar Medien an den Fernseher streamen und – Vorsicht
Nerd-Alarm – Linux auf der Konsole installieren. Die allerersten
Gerätegenerationen hatten dazu eine PS2 in Form ihrer Hardware im Gepäck,
sodass die PS3 mit allen ihren Vorgängern kompatibel war; bei der ersten
europäischen Ausgabe war es schon nur noch eine Software-Emulation und alles,
was danach kam, kann nur noch PS1- und PS3-Spiele abspielen (und das, Sony, war
Fehler #3). Außerdem wurden im Laufe der Zeit USB-Ports und der Kartenleser
entfernt.{BREAK}

Eines aber konnte man der
PlayStation 3 nicht vorwerfen: Sie war bis Mitte 2010 tatsächlich ungeknackt.
Während es bei Nintendo und Microsoft nicht allzu lange dauerte, bis die
Konsolen „Backups“ abspielen konnten, war die PS3 einfach nicht davon zu
überzeugen, fremde Programme abzuspielen. Das Blu-ray-Laufwerk war der perfekte
Kopierschutz, denn selbst heute noch (Januar 2011) sind Blu-ray-Brenner und vor
allem Rohlinge unvernünftig teuer, sodass sich das Unterfangen gar nicht erst
gelohnt hätte.

Linux

Doch kommen wir zurück zu Linux: Es
ging, ja. Über Sinn oder Unsinn möchte ich an der Stelle nicht spekulieren,
denn der Grafikprozessor war nicht zu erreichen und Arbeitsspeicher hat die PS3
auch nur 256 MB – gefühlt macht ein solches Linux für Heimanwender (ggf. als
Desktopersatz) eher wenig Sinn. Offiziell war der Grafikprozessor übrigens gesperrt,
damit man sich mit Linux-Spielen (die nach wie vor sehr rar sind und wegen der
PS3 sicher auch nicht wie Pilze aus dem Boden gesprossen wären) keine
Konkurrenz zum PlayStation Store macht.

Geohot und Other OS

Einem jungen Mann aus den USA, von
dem wir im Anschluss öfter in den Medien lesen durften, George Hotz, auch
bekannt unter seinem Spitznamen Geohot, gelang es dann trotzdem, direkt den
Grafikchip der Konsole anzusprechen und damit eine echte
Hardware-Beschleunigung zu erreichen. Sony passte das gar nicht und man entfernte
mit Firmware-Version 3.21 die „Other OS“-Funktion, die Linux auf der PS3
ermöglichte. Und *DAS* Sony, war meiner Meinung nach der entscheidendste
Fehler. Warum ist das so? Weil, so komisch es klingt, eine Funktion, die in der
Praxis aufgrund der begrenzten Ressourcen kaum Relevanz hat, anscheinend für
die Nerds wichtig genug ist, ihre Energien zu bündeln, um wieder an Funktionen
zu kommen, mit denen sie die Konsole gekauft haben.

Jedenfalls war recht bald danach von
einem Hack zu lesen, der die Other-OS-Funktion wieder bereitstellte, trotz der
neuen Firmware. Nicht lang darauf machte der PS3-Hack-USB-Stick die Runde und
die Hacker machten Sony eine lange Nase, denn durch die Hintertür hat man es
dann doch auf die Konsole geschafft. Die Raubkopien laufen zwar nicht via
gebrannter Blu-ray, dafür aber von der Festplatte – Vorteil für Jailbreaker
sind kürzere Ladezeiten.{BREAK}

Das Krönchen wird dem ganzen kurz
nach Weihnachten 2010 in Berlin aufgesetzt, als die Gruppe fail0verflow auf dem
Chaos Communication Congress berichtet, dass sie die digitale Signatur der
Konsole geknackt hat, womit sich beliebige Programme signieren lassen.

Also Sony… Warum seid ihr so oft
ins Fettnäpfchen getreten? Ihr habt viele Fehler gemacht, aber das Fass lief
über, als ihr die Linux-Unterstützung entfernt habt. Hättet ihr sie drin
gelassen, hätte ein Bruchteil derer, die Linux überhaupt auf der PS3
installiert haben (was sowieso nur sehr wenige waren) eine
hardwarebeschleunigte Grafik gehabt; dadurch aber noch lange keine Spiele, die
eine Konkurrenz zum PSN dargestellt hätten. Aber was ihr nun erreicht habt, ist
ein weitaus größerer Schaden: Ihr habt die Hacker motiviert, die Konsole zu
knacken, mit Erfolg. Und das, wo vorher damit kein Blödsinn zu treiben war. Und
so viel muss man auch erst mal falsch machen, Respekt.



PlayStation 3 – Jailbreak und geknackter Kopierschutz – selber Schuld, Sony!
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