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Veröffentlicht am  3.02.11, 12:23 Uhr von  

The Daily: Die Vergangenheit der Zeitung, jetzt für iPad

The DailyWas gestern im Internet stand, jetzt auch als e-Zeitung fürs iPad: The Daily, the day after hinterlässt trotz schöner Tablet-Optimierung auf den zweiten Blick insbesondere einen seltsamen Retro-Charme. Was bei iBooks funktioniert – wie Buch, nur iPad – passt nicht zur Tageszeitung. Die ist auch in erster Linie “wie Zeitung, nur iPad”. Via US-iTunes-Store kann man sich 14 Tage lang kostenlos sein Bild machen.

[singlepic id=11550 w=425] “Aktuelles Wetter auf dem iPad! Man stelle sich das mal vor!” – es gibt einigen naheliegenden Spott zur nun in bereits zwei Ausgaben erschienenen iPad-Zeitung “The Daily”, aber zwei grundsätzliche Enttäuschungen nach dem zweiten Blick wiegen schwer: zum einen bleibt eine “Zeitung”, die in einer täglichen Ausgabe erscheint, im webbasierten News-Umfeld hoffnungslos angestaubt. Zum anderen sind trotz einiger schöner und praktischer Ansätze die “Interaktivitäten”, netzbasierte und soziale Potentiale der iPad-Zeitung einfach nicht ausgeschöpft worden.
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Es blättert sich schön durch das eher wie ein Magazin als eine Tageszeitung daherkommende “Daily” (US-iTunes). Darüber, ob der Wechsel zwischen großformatigem Bild und Bild/Textberichterstattung mit einer Gerätedrehung die intelligenteste Bedienungsoption ist, lässt sich streiten – aber die Device-Möglichkeiten wurden ausgenutzt.

[singlepic id=11547 w=200 float=right] Über die Inhalte selbst will man sich nicht streiten – Murdochs Medien stehen nicht im Verdacht allzu großer Progressivität, manche mögen gar den Begriff “reaktionär” in Zusammenhang mit seinen Publikationen verwenden. Dass Sport, Gossip, Promiklatsch und Unterhaltung gut funktionieren, steht außer Frage – auch auf dem iPad.

Viel “iPad-Portierung” wirkt aber allenfalls gewollt. Multimediale Inhalte sind da – wirken aber oft schlicht “aufgepfropft”.
– Landrover wirbt mit einer “Tap the Globe”-Ad – der Tipp auf die Weltkugel startet ein Quicktime-Video, das wars.
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– beim Blättern landet man auf einem Werbefilm für den Animationsfilm “Rio” – will man mehr wissen, ist man aufgeschmissen, denn einen Link zur Film-Website etc. gibts nicht, der Tipp aufs Video oder das Hochkant-Standbild blättert nur vor und zurück.
[singlepic id=11548 w=200 float=left] – Bilderstrecken, Audio- und Video-Addons zu Artikeln etc. funktionieren – sobald es aber etwas “vernetzter” werden könnte, ist in der Regel Schluss. Selbst eine Vorstellung von iPhone-Lieblingsapps öffnet nur Kommentarblasen, wenn man auf die App-Icons tippt. Ein Rhiannha-Artikel hat eine Twitterbox spendiert bekommen – mit Stunden alten Inhalten.

Das gleiche bei den “Social”-Features. Man kann einen Artikel tweeten – der gezwitscherte Link verweist allerdings auf eine als reine Grafik dargestellte Webseite des so getweeteten Artikels. Kommentieren kann man immerhin beim Artikel per Text oder Mikro (!) – nette Idee, und es bleibt abzuwarten, wie viel und wie lebhafte Diskussionen entstehen und wie weit sie zugelassen werden.
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Ansonsten wurde das Konzept der “gedruckten Zeitung” auf dem iPad weitgehend konsequent durchgehalten – vom “Seiten umblättern” über das tägliche Sudoku und Kreuzworträtsel (für diese Features braucht es eine Game Center-Anmeldung) bis hin zum täglichen Horoskop (wofür man sein Sternzeichen unter den ansonsten mageren App-Einstellungen angeben kann). Eine Ansicht bisheriger Ausgaben war bislang keines zu finden, Seiten können jedoch per Lesezeichen gesichert werden.
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Bugs, anyone? Zwei unmotivierte Abstürze und ein dreimaliges “Eine neue Ausgabe wird geladen” während einer starken Stunde Nutzung, andere Erfahrungen sind höchst erwünscht, denn die genannten Vorfälle sind angesichts jailbroken iPad, recht intensiver Synchronisiererei beim Testen und der parallelen Verwendung der gestern schon vorgestellten Zagg mate with Keyboard-USB-Tastatur zum einen wenig aussagekräftig und weiter nicht unbedingt der The Daily-App geschuldet.

[singlepic id=11541 w=200 float=right] Ein Fazit? Die Zeitung der Zukunft hat man mit dem “The Daily” definitiv nicht zu sehen bekommen. eher eben die Zeitung von gestern, nur eben auf dem iPad. was sehr negativ klingt, hat auch seine positiven Aspekte – Murdoch versucht augenscheinlich, eine Klientel fürs iPad zu gewinnen, die eben das gewohnte “Zeitungsfeeling” plus gelegentlichem Mehrwert auch auf ihrem neuen elektronischen Gadget nutzen möchten. Berührungsängste zum neuen Medium bzw. der neuen Plattform gar nicht erst aufkommen zu lassen, auch bei einer konservativeren Leserschaft und niedrigem “Early Adopter”-Anteil – wenn das das Ziel war, könnte “The Daily” auf einem guten Weg sein.

“This is just the beginning, and our readers’ input will shape the future of The Daily.” schreibt es in der Willkommensmail des The Daily nach der Registrierung. Das lässt Raum für Verbesserungen, und ambitionierte Projekte sind selten vom Start weg vollkommen überzeugend. Murdoch scheint gewillt, Ressourcen in die Geschichte zu stecken – Luft nach oben hat er bislang noch genug.

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 4 Kommentar(e) bisher

  •  bono01 sagte am 3. Februar 2011:

    Was bei iBooks funktioniert – wie Buch, nur iPad – passt nicht zur Tageszeitung. Die ist auch in erster Linie “wie Zeitung, nur iPad”.

    Also diesen Satz hab ich auch nach mehrmaligem lesen nicht verstanden. Was soll damit bitte gemeint sein?

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  •  kg sagte am 3. Februar 2011:

    @bono01 schon mal die Größe einer Zeitung mit dem iPad verglichen? ;) Im Ernst: Buch und Magazin lasse ich mir auf einem iPad gefallen, das Tageszeitungsfeeling kann kein iPad ersetzen.

    Antworten 
  •  rj sagte am 3. Februar 2011:

    Hm, kurz ist offenbar nicht immer gut. Ich meine eigentlich, dass man mit dem mehr oder weniger schnörkellosen Übertragen des “Buchformats” aufs iPad alles richtig gemacht hat – es funktioniert. Es ist “wie ein Buch, nur eben iPad” – man blättert (erstaunlich “papierig”, btw.), macht sich seine Eelsohren, hat ein Inhaltsverzeichnis usw. – man ist nicht weit weg vom “Medium Buch”, das Lese- und Benutzungsgefühl ist ähnlich wie mit dem Papierbuch, und vor allem: das ist gut so und macht Spass. Mehr Spass als z.B. ein Endlostext, kapitelweise Scrollorgien usw. -

    Das analoge gilt aber nicht für die Übertragung der Print-Zeitung aufs iPad. Auch hier ist viel einfach auf dem iPad nachgebildet – dass man immer noch nach “Seiten” und nicht nach Artikeln strukturiert, dass das “tägliche Erscheinen” auch auf dem “dynamischeren” Medium beibehalten wurde usw., man hat sich bewusst für viele “papierzeitungs”-typische Formen, Konzepte und UI-Elemente entschieden, bis hin zur ganzseitigen Printanzeige mitten im Artikel. Nur: es funktioniert eben nicht so gut, wie es beim Buch der Fall ist. Das Buch eignet sich zum weitgehend 1:1-migrieren, aus der Zeitung müsste meinem Empfinden nach auf dem iPad was anderes werden als auf dem Papier, und das sollte über das Einbinden von Audio/Video und einem Tweet-This.Button hinausgehen.

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  •  Michael sagte am 4. Februar 2011:

    Volltreffer! Genau mein Eindruck. Ein Buch ist zeitlos – eine “Zeit”ung nicht. Genau hier ist durch das Internet viel passiert, was in der Daily nicht stattfindet. Das iPad ist ja nicht nur ein neues Interface… Sie haben einfach nie darüber nachgedacht “warum” immer weniger Leute Zeitung lesen und was das für so ein Projekt bedeutet.

    Ein globaler, lokaler und persönlicher Best Of des Tages – zum Zeitgewinn – das wäre es gewesen.

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