MACNOTES

Veröffentlicht am  15.02.11, 11:44 Uhr von  

Apple-Zuliefererbericht: 127 Prüfungen, verdoppelte Verstoßzahl gegen Richtlinien

Immerhin: Apple prüft die Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern stärker und zieht im Fall massiver Verstöße gegen die eigenen Richtlinien die Konsequenzen. Von Zwangs- und Kinderarbeit, Vergiftungsfällen, Aktenfälschungen und unzulässig langen Arbeitszeiten wurde berichtet. Neben Apples eigenen Untersuchungen ist nun mit Prüfungen durch unabhängige Institutionen zu rechnen.

Apple steht oft in der Kritik, was die Bedingungen für die Arbeitnehmer bei den typischerweise chinesischen Zulieferfirmen angeht. Während die Missstände dort in der Regel auch bei Herstellern für andere westliche IT-Firmen zu beobachten sind, steht Apple und seine Zulieferer in der Regel stärker im Rampenlicht – wobei sich Apple sowohl in Sachen Umweltschutz als auch bei den Arbeitsschutzbedingungen zur Einhaltung “höchster Standards der Verantwortlichkeit” bekennt und verpflichtet.
[singlepic id=11634 w=435]
Kinderarbeit wurde in 9 Firmen diagnostiziert – wobei ein Unternehmen für 42 der insgesamt 49 minderjährigen Arbeiter verantwortlich war, Apple terminierte daraufhin die Zusammenarbeit. Als Zwangsarbeit wurde die Erhebung von Anstellungsgebühren von Arbeitern betrachtet, die erhebliche Lohnanteile an Vermittlungsagenturen abgeben mussten – eine Rückzahlung wurde seitens Apple angeordnet.

Die Vergiftungsfälle mit N-Hexan wurden schon von anderen Organisationen kritisiert, Apple vermeldet nun, dass das Lösungs- und Reinigungsmittel nicht mehr eingesetzt wird sowie die Belüftung bei den entsprechenden Arbeitsplätzen verbessert wurde. Den Selbstmordfällen bei Foxconn wird ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem weitere Verbesserungen der Arbeitsbedingungen benannt werden. Tim Cook hat laut Bericht die Foxconn-Produktionsstätten in Shenzen zusammen mit anderen Apple-Managern selbst besichtigt. Der Zulieferer erhält im Audit gute Noten: die ergriffenen Maßnahmen hätten Apple zufolge definitiv “Leben gerettet”.

[singlepic id=11632 w=250 float=left] Zugute halten muss man Apple auf jeden Fall die seit Start der Audits permanent wachsende Zahl der Überprüfungen. 39 Checks der Arbeitsverhältnisse wurden 2007 vorgenommen, auf 127 Prüfungen stieg diese Zahl bis 2010 an, wobei 30 Audits bei bereits geprüften Betrieben vorgenommen wurden – nicht nur bedingt durch die wachsende Zahl der Zulieferfirmen nehmen die Prüfungen damit zu, auch die “Repeated Audits” steigen an. Inzwischen habe man über 300.000 Arbeiter geschult und mehr als 6.000 Leiter und Manager zur verantwortungsvollen Beschäftigung und Arbeitssicherheit angeleitet. Von 59 auf 93% sei die Zahl der Befragten angestiegen, die in Apples Zulieferfirmen angstfrei über ihre Arbeitsbedingungen berichten konnten – dabei ist zu berücksichtigen, dass im Audit auch zwei Fälle benannt werden, in denen Arbeitern die Antworten für die Apple-Auditoren vorgegeben worden seien. Mehrfach wurde die Kooperation angesichts massiver Verstöße gegen Apples Richtlinien beendet, in den anderen Fällen benennt Apple ergriffene Maßnahmen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen.
[singlepic id=11633 w=425]
Im Bericht genannt sind auch die “conflict minerals”, die zur Herstellung der Apple-Geräte benötigt werden und oft in Bürgerkriegsgegenden oder unter dem Regime von Warlords gewonnen werden. Genannt werden Tantal, Zinn, Wolfram und Gold und die Zahl von insgesamt 109 Unternehmen, von denen die Stoffe geliefert werden. Zusammen mit der “Global e-Sustainability Initiative” (GeSI) will man die Nutzung von ausschließlich “conflict-free” gewonnener Ressourcen vorantreiben. Dies nebenbei auch die Forderung der Aktionskünstler The Yes Men, die mit dem “iPhone CF” eine Fake-Seite zum “konfliktfreien iPhone” launchten, die Apple kurz darauf sperren ließ.

Der Report für 2011 liegt als 25-seitiges PDF vor.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 7 Kommentar(e) bisher

  •  @ApfelTechnikYT sagte am 15. Februar 2011:

    Apple-Zuliefererbericht: 127 Prüfungen, verdoppelte Verstoßzahl gegen Richtlinien http://macnot.es/57498

    Antworten 
  •  brian sagte am 15. Februar 2011:

    “Als Zwangsarbeit wurde die Erhebung von Anstellungsgebühren von Arbeitern betrachtet, die erhebliche Lohnanteile an Vermittlungsagenturen abgeben mussten – eine Rückzahlung wurde seitens Apple angeordnet.” …das klingt doch irgendwie nach zeitarbeit… ;)

    “Die Vergiftungsfälle mit N-Hexan wurden schon von anderen Organisationen kritisiert, Apple vermeldet nun, dass das Lösungs- und Reinigungsmittel nicht mehr eingesetzt wird sowie die Belüftung bei den entsprechenden Arbeitsplätzen verbessert wurde.”
    ..was ich immer erstaunlich finde ist, nachdem irgednwas passiert ist oder druck ausgeübt wurde, wie schnell firmen so etwas abstellen können. sowas sollte man dann im kopf haben, wenn irgendwelche vertreter irgendeiner großindustrie sich wiedermal hinstellen und behaupten es gibt keinen anderen weg…oder es tut ihnen leid, obwohl man davon ausgehen muss, dass die risken völlig klar waren und nur die einsparung von kosten im vordergrund stand!

    Antworten 
  •  rj sagte am 15. Februar 2011:

    Ich nehm es Apple in dem Fall durchaus ab, dass sie solche Sachen einfach nicht immer mitbekommen. Wenn sies denn tun, dann haben sie natürlich auch etwas andere Daumenschrauben als andere, denn klar wissen alle Hersteller, dass die Konkurrenz in den Startlöchern steht, wenn Apple dann – durchaus medienwirklsam – die Verträge kündigt.

    Was mich an der Geschichte eher stört ist eben die enorme Marge, die Apple da eben mal einfährt und die natürlich auch dadurch zustandekommt, dass eben die zulieferer kurz gehalten werden. Dass die angesichts des Kostendrucks nicht als erstes an die Installation ordentlicher Belüftungsanlagen denken, ist kaum überraschend. Eben die Effekte hat man ja auch an anderen Fronten – wenn die Frage die nach Job oder kein Job ist, dann fragen auch viele nicht mehr nach ihrer Arbeitssicherheit. Bzw. kriegen dann zur Antwort, dass andere den Job mit Handkuss machen.

    Antworten 
  •  brian sagte am 15. Februar 2011:

    @rj
    stimmt und wenn man sich dann noch in der sonderwirtschaftszone shenzen befindet, die quasi nur dafür eingerichtet wurde um noch die schon geringen rechte der arbeiter in china auch noch auszusetzen, dann geht sowas noch besser!
    kann man lange darüber reden und wird dann wohl eher philosophisch aber es ist schon krass dass da in shenzen apple und alle anderen techunternehmen schon etwas abartiges geschaffen haben!
    aber apple wird reich und wir stellen uns aller paar jahre hin und tun geschockt über die zustände die manchmal ans tageslicht kommen! ..muss wohl reichen fürs gewissen!

    Antworten 
  •  brian sagte am 15. Februar 2011:

    @rj
    eben, wieviel kann man denn apple verantwortlich machen, wenn sie bewusst schon ertmal zuliefer verwenden um sich nicht selber die handy unter dem namen apple schmutzig zu machen und dann, dass sie die zulieferer so kurz halten und wohl schon abschätzen können, wie das dann in den werken läuft!

    Antworten 
  •  brian sagte am 15. Februar 2011:

    hande nicht handy…

    Antworten 
  •  brian sagte am 15. Februar 2011:

    dann ist auch noch interessant, dass man 300000 arbeiter geschult hat…
    mich würde mal interessieren, wieviel ein iphone kosten würde, wenn man es in den usa herstellt! reine produktionskosten… das wirtschaftssystem jetzt ist schon interessant, auf der einen seite hat ein land massig arbeitslosenzahlen und muss auch noch geld dafür ausgeben und auf der anderen seite importiert man immernoch alles aus china und fährt riesige schulden ein, plus apple und co fahren in den usa milliarden gewinne ein, die sie wieder in china investieren, was den usa wieder geld gibt zum konsumieren?????!!! sollte es sich nicht irgendwann so entwickeln, dass es sich eigtl wieder lohnt im land zu produzieren. auch wie bei nike…ein schuh kostet 100dollar! das kann man auch mit geringerer marge in den usa produzieren! ich bin mir sicher ich verstehe die krassen wirtschaftlichen systeme dahiner nicht, aber irgendwie läuft das alles massiv falsch gerade…

    Antworten 

Kommentar verfassen

 0  Tweets und Re-Tweets
       0  Likes auf Facebook
        Werbung
        © 2006-2013 MACNOTES.DE. Made with insanely great for all things Mac. Apple.de