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Veröffentlicht am  18.02.11, 11:03 Uhr von  

App Store Abos: Kartellbehörden in USA und EU beobachten aufmerksam

iPad Sowohl Justizministerium und FTD in den USA sowie das EU-Kartellamt beobachten die Entwicklung um die neuen Abo-Modelle Apples im iTunes-Store genau, wollen sich jedoch nicht zu konkreten Ermittlungsplänen äußern. Auch Apple schweigt still – klugerweise, denn wenn sich jemand mit Monopolvorwürfen öffentlich blamieren will, dann dürfen das ruhig die Verlage sein.

Die hatten bereits im Fall der Google News-Debatte bewiesen, dass Fakten allenfalls störender Einwurf sind, wenn es darum geht, Unternehmen zu melken, die im Unterschied zu den Publishern die digitale Revolution nicht verschlafen haben. Auch im Fall der Apple-Abos für iPad und Co., für die Apple 30% Provision bei gleichzeitigem Umgehungsverbot der iTunes-Kaufplattform fordert, dürfte die Realität nur eine untergeordnete Rolle spielen, sollte es zur kartellrechtlichen Diskussion kommen.

Insbesondere das Verbot, aus einer Abo-App heraus zu eigenen Kauf- und Aboangeboten zu verlinken, weckt das Misstrauen der Wettbewerbshüter. Das WSJ zitiert den Juristen Eric Goldman von der Universität Santa Clara mit den Worten, dass Apple eine “recht aggressive Position vertrete” und es “rein in den Interessen Apples begründet liegt, Transaktionen zu verhindern, bei denen sie keinen Schnitt machen können.” In der EU sind die Töne noch aggressiver, der Chef des französischen Musikabodienstes Deezer wird mit dem Satz angeführt, dass Apples Vorgehen “dermaßen wettbewerbswidrig ist, dass es niemals in Europa überleben kann”.

“Wettbewerbswidrig”, “monolopistisch”, “restriktiv” – man könnte meinen, es gäbe keinen Browser auf dem iPad, kein WWW, in dem seit Jahren kostenpflichtige Dienste angeboten und (erfolgreich) verkauft werden. Vor lauter App-Hype übersehen die Kritiker, dass es ein Netz jenseits des App Store gibt, in dem sie sich in jeder Beziehung austoben, Angebote machen und in Wettbewerb treten können. Die “restriktive” Plattform App Store Abo auszustechen, sollte dann kein Problem mehr sein – insbesondere, wenn die Wettbewerber dort 30% Apple-Steuer abdrücken müssen. Fakt ist: von monopolistischen Medienkanälen und Vertriebsstrukturen auf einem Gerät zu sprechen, das über einen modernen Browser verfügt, ist lächerlich, sonst nichts.

Die blutige Nase, die man sich in der peinlichen Streiterei um Google News geholt hat, reicht aber offenbar noch nicht aus, was schmerzhafte, aber lehrreiche Lerneffekte angeht. Die Lektion, dass man nicht Trends verschlafen und anschließend die Verdienste anderer abgreifen kann oder alternativ zu eigenen Bedingungen Zugang in die von anderen gebauten Nester fordern kann, müssen manche Branchen offenbar noch weiter eingebläut bekommen.

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 7 Kommentar(e) bisher

  •  @superquadric sagte am 18. Februar 2011:

    RT @Macnotes: App Store Abos: Kartellbehörden in USA und EU beobachten aufmerksam http://macnot.es/57620

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  •  Martin sagte am 18. Februar 2011:

    Sie scheinen nicht das Kartellrecht zu verstehen, oder?
    Wenn Sie einen Anbieter, der bei Ihnen im Geschäft Schokolade verkauft, dazu zwingen woanders den gleichen oder höheren Preis anbieten zu müssen, dann haben Sie eine unlautere Wettbewerbsverzerrung die geahndet wird.
    Kassieren Sie 30% Umsatz an einer Dienstleistung, die Sie nicht erbringen (Apple hostet die Medien von Zeitschriften, Büchern, Video-streaming etc. NICHT!) und verbieten sie den Händlern einen anderen Preis ausserhalb Ihres Einflussbereiches, dann wäre Don Corleone ein kleiner Schuljunge im Vergleich. Apple kassiert die Kundendaten (ohne die ein Verlag keine Marktinformationen hat, die er braucht um sein Werbung in den Zeitschriften zielgerecht zu vermarkten) und übernimmt das komplette Geschäft der Verlage, die nur noch den Content an der Hintertür abliefern dürfen.
    Zudem ein 30% Marge höher ist als der reine Profit bei Amazon eBooks und Hulu Video-Streaming. Apple wickelt ja nur die Zahlungsdaten ab, so wie Visa (die 2.5% nehmen), alles weitere läuft über die Server der Content-Anbieter.
    Auf Deutsch: Apple kassiert “Money for Nothing”.
    Capisce?

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  •  @superglide sagte am 18. Februar 2011:

    RT @Macnotes: App Store Abos: Kartellbehörden in USA und EU beobachten aufmerksam http://macnot.es/57620

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  •  rj sagte am 18. Februar 2011:

    Mir ist das schon klar, dass man über Apples “Leistung” in der Sache streiten kann. Um aber beim Beispiel zu bleiben: Die Verleger können die ganze lange Strasse lang Schokoladenstände aufstellen mit Angebotspreisen, wie es ihnen beliebt. Nur wollen sie exakt dort exakt ihre Schokolade anbieten, wo Apple vor nem Jahr nen Sonnenschirm hingestellt hat, weil da mehr Leute sind, weil sie da bequem im Schatten stehen. Wenn dann Apple sagt “Kohle oder selber nen Schirm aufstellen, Platz ist genug”, dann seh ich da alles mögliche, aber keine Wettbewerbsverzerrung.

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  •  DRAGONFLY sagte am 18. Februar 2011:

    @Martin:
    Die Überlegungen über Kartellrecht sind zwar sehr feinsinnig, sollten aber vielleicht damit starten, dass Kartelle den Tatbestand eines Zusammenschlusses mehrerer Marktteilnehmer erfordern, der hier schon mal nicht vorliegt… Und nach vielen anderen Gedankenschritten, solltest du erklären, seit wann es wettbewerbverzerrend ist, wenn ein Händler sagt: “In meinem Laden darfst du auch verkaufen, aber nicht billiger als woanders.”

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  •  Jaype sagte am 19. Februar 2011:

    Non Capisce

    In jedem Ausflugslokal steht “Der Verzehr von mitgebrachten Speisen und Getränken ist verboten.” Wenn man eine Gaststätte mietet und seine eigene Verpflegung mitbringt, zahlt man Korkgeld. Wenn man nicht die Regeln des App. Store befolgen will, muss man seinen eigenen aufmachen. Ach das ist nicht so schön? Ich will mich ins gemachte Bett legen…und dann verpiss dich Apple du störst. Lass mich raten. Die Verleger Hymne ist das Pippi Langstrumpf Lied. ” ich mach mir die Welt widewide wie sie mir gefällt…tirili” schlaft weiter Dumbos.

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  •  zottel sagte am 21. Februar 2011:

    Ich finde es ziemlich unglaublich, wie auf verschiedenen Mac- und iPhone-Seiten dieser Schritt Apples auch noch verteidigt wird. Denn eines ist klar, völlig unabhängig davon, wie das Vorgehen rechtlich zu bewerten ist:
    Der Verlierer wird definitiv der Kunde sein. Warum also Apple bei diesem Vorgang auch noch unterstützen, ihn gutheißen? Das will mir nicht in den Kopf.
    Meine Meinung: Dass Apple 30% will, ist für diese „Leistung“ sehr viel, aber das muss Apple wissen, und die App-Anbieter, die sich darauf einlassen (schließlich stellt der AppStore eine nicht zu unterschätzende Werbung dar, die sich Apple ruhig honorieren lassen kann). Werbung/Links auf Bezahlmöglichkeiten außerhalb des AppStore zu verbieten, ist alles andere als schön, aber irgendwo noch nachvollziehbar.
    Richtig fies wird es aber, wenn Apple keine niedriegeren Preise für das gleiche Abo außerhalb des AppStores erlaubt. DAS ist die Stelle, die massiver Kritik würdig ist, und sie wird im Artikel leider nicht einmal erwähnt. Ich vermute, dass das auch der Ansatzpunkt möglicher Klagen bzw. eines Einschreitens der Wettbewerbshüter sein wird.
    Ziemlich klar ist, dass zumindest ein Großteil der Anbieter mit ihren jetzigen Preisen kaum in der Lage sein wird, 30% der Einnahmen an Apple abzudrücken.
    Musikabodienste natürlich sowieso nicht, aber auch bei Verlagsabos war bislang kein Dritter beteiligt, der einen Teil der Einnahmen einsteckte (abgesehen von den vergleichsweise marginalen Gebühren etwa für Kreditkartentransaktionen u.ä.).
    Insofern wird den meisten Anbietern nur die Wahl bleiben, entweder dem AppStore ganz den Rücken zu kehren und Abos für iOS-Geräte nur noch im Web anzubieten (das als gleichwertige Alternativoption anzuführen, ist selbstverständlich völlig lächerlich) – oder die Preise zu erhöhen.
    In beiden Fällen ist der Kunde der Gelackmeierte.
    Warum also Apple in diesem reinen Profitstreben auf Kosten der eigenen Kunden auch noch unterstützen?

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