News & Rumors: 4. März 2011,

Brigade E5 – Test: Hässlicher Oldtimer für Windows PC

Der deutsche Publisher Peter Games veröffentlicht im Rahmen der Classics Edition das Strategiespiel Brigade E5 – New Jagged Union. Wie es der Untertitel bereits andeutet Versteht sich E5 als inoffizieller Nachfolger des Rundenstrategie-Klassikers Jagged Alliance 2. Das Problem: E5 ist inzwischen sechs Jahre alt und war bereits damals technisch seiner Zeit hinterher. Willkommen auf der Resterampe! Mehr dazu im Review.

Brigade E5 stammt
vom russischen Entwickler 1C Company, der hierzulande vor allem durch seine
preiswerten Fließbandproduktionen bekannt ist. Das Spiel erschien erstmals 2005
in Russland und ein Jahr später in Deutschland. Technisch war E5 schon bei
Erstveröffentlichung alles andere als auf der Höhe der Zeit. Die Grafik lässt sich
gerademal als zweckmäßig bezeichnen. Das Optionsmenü verspricht, zumindest in
der Classics-Veröffentlichung, hochauflösende Texturen. Im Spiel ist davon
jedoch Nichts zu sehen. Die Figuren sind detailarm und spärlich animiert. Die
Umgebung wirkt mangels Details sehr steril und leblos. Dazu kommen hässliche
und grobpixelige Bildschirmanzeigen und Menüs. Der Sound schlägt sich nicht
besser. Nur wenige Umgebungsgeräusche, und sich ständig wiederholende Musik
prägen das Bild in den Einsätzen. Gespräche sind zudem nur selten vertont. Damit
tut das Spiel schon einmal optisch und akustisch Alles, um potenzielle Spieler
zu verschrecken.

Mach mal Pause

Brigade E5 läuft
normalerweise in Echtzeit ab. Erst wenn wir einen feindlichen Sektor betreten
oder Feinde in dem Sektor auftauchen, in dem wir uns gerade befinden, schaltet
das Spiel in den sogenannten Smart Pause Modus um. Anders als in
Rundenstrategiespielen üblich, geben beide Parteien gleichzeitig ihre Befehle.
Erst bei direktem Feindkontakt pausiert das Spiel automatisch. Allerdings lässt
sich per Leertaste der Pausenmodus jeder Zeit beenden oder auch selbst
auslösen. Wenn das Spiel pausiert, geben wir unseren Spielfiguren die
gewünschten Befehle. Wir nehmen Gegner aufs Korn, werfen Granaten, laden nach,
sammeln Gegenstände ein, Laufen, legen uns hin, stehen wieder auf und so fort.
Danach läuft dann alles wieder in Echtzeit ab, bis wir oder das Spiel wieder in
den Pausenmodus wechseln.  All das ist
nicht neu und wurde von zahlreichen anderen Titeln ebenfalls praktiziert. Und
in vielen Fällen wesentlich besser.

Brigade E5 Review

Die frei dreh-, schwenk- und zoombare Kamera soll in der
3D-Umgebung für Übersicht sorgen. Das Gegenteil ist der Fall. Das störrische
Biest ist entweder zu nah dran, zu weit weg oder der Neigungswinkel stimmt
nicht. Permanent ist man am Rotieren und verbringt die meiste Zeit des
Pausenmodus mit dem Ausrichten der Kamera. Wobei sich die Frage stellt, ob man
das grafische Elend unbedingt perfekt im Bild haben will.{BREAK}

Ich wäre gern wer anders

Doch worum geht es eigentlich? Nun, wir sind ein Söldner und
sitzen in irgendeinem Militärgefängnis in der südamerikanischen Bananenrepublik
Palinero fest. Nach tagelanger Folter macht man uns ein Angebot, das sich nur
schwer ausschlagen lässt. Entweder wir genießen noch eine ganze Weile die
Vorzüge unserer neuen Unterkunft oder wir treten in den Dienst der herrschenden
Militärs. Na da fällt die Wahl ja leicht. Schließlich werden unsere Dienste als
erfahrener Söldner dringend benötigt, denn es herrscht Bürgerkrieg.

Zuvor haben wir uns für einen von sechs Charakteren
entschieden, wahlweise weiblich oder männlich, und damit unsere grundlegende
Ausrichtung wie Sanitäter, Scharfschütze oder Sprengstoffexperte festgelegt.
Das Feintuning erfolgt in einem Multiple-Choice-Test. Das gab es schon im
Vorbild Jagged Alliance 2.

Nachdem wir also das verlockende Angebot angenommen haben,
bringt uns ein Transporter zum ersten Einsatz. Unterwegs fährt unser LKW jedoch
über eine Mine und wir stehen völlig allein im ersten Sektor der Spielwelt. Wie
aus der Jagged-Alliance-Reihe
bekannt, ist das Land in Sektoren unterteilt, die es einen nach dem anderen zu
befreien gilt. In einigen davon befinden sich Ansiedelungen – die einzigen
Stellen in Palinero, an denen sich die wichtigen Läden befinden. Nur hier
können wir unsere Ausrüstung reparieren lassen, beziehungsweise neue
Gegenstände erwerben. Ansonsten sammeln wir Waffen, Munition und dergleichen
von getöteten Gegnern ein. Im Laufe der Kampagne gesellen sich weitere Figuren
zu unserer kleinen Söldnertruppe. Derart verstärkt lässt es sich selbst mit
größeren Gruppen locker aufnehmen. Denn auch wenn sich die computergesteuerten
Gegner nicht immer clever verhalten, so treffen sie doch meist präzise und
haben oftmals den ersten Schuss, wenn es zu Gefechten kommt. Mit anderen
Worten: Der Gegner hat das Überraschungsmoment meist auf seiner Seite.{BREAK}

Und noch nicht mal fehlerfrei

Wie eingangs erwähnt, hat sich Peter Games sechs Jahre Zeit
gelassen, um E5 als Classics Edition neu zu veröffentlichen. Die Hintergründe
und vor allem die Beweggründe dafür müssen sich einem nicht unbedingt
erschließen. Dennoch hätte es, ob der langen Zeit, doch durchaus möglich sein
müssen das Spiel fehlerfrei in den Handel zu bringen. Dem ist leider nicht so.
Alle Mängel, die das Spiel bereits bei seinem ersten Deutschlandstart
begleiteten, sind nach wie vor vorhanden. Das geht bei Kleinigkeiten, wie der mangelhaften
Lokalisierung los, geht weiter über Fehler in den Quests und endet bei massiven
Problemen in der Kommunikation mit dem Betriebssystem. Unter Vista stürzte das
Spiel bereits nach wenigen Sekunden ab. Zwar gibt es einen Patch, der streckt
die Zeit bis zum Absturz aber desgleichen nur auf wenige Minuten. Unter XP lief
das Spiel immerhin stabiler. Ist aber auch hier nicht ganz frei von Abstürzen.
Und damit wäre dann wohl dem letzten Interessierten der Spaß an Brigade E5 vergällt.

Auf einen Test des Mehrspielermodus haben wir an dieser
Stelle verzichtet, da Brigade E5 nur
den LAN-Modus unterstützt.

Fazit

Man erkennt das Vorbild auf Anhieb. Und man könnte im ersten
Moment der Verlockung erliegen Brigade E5
(Affiliate) als Jagged Alliance in
3D zu bezeichnen. Aber dem ist nicht so. E5
kann der Referenz nicht mal ansatzweise das Wasser reichen und ist dem
Kultspiel in jedem Belang unterlegen. Selbst grafisch ist es dem inzwischen 12
Jahre alten JA2 unterlegen. Ich bleibe lieber bei der zwar starren, aber
übersichtlichen isometrischer Perspektive, als ständig eine fummelige Kamera zu
justieren, um den besten Blick auf eine 3D-Ansicht zu finden. Für mich als Fan
des Originals, kommt der erste Satz der Verpackungsrückseite einem Frevel
gleich. „Brigade E5 – New Jagged Union ist der inoffizielle Nachfolger der
Kultserie Jagged Alliance.“ Nein, das ist es nicht!



Brigade E5 – Test: Hässlicher Oldtimer für Windows PC
4 (80%) 6 Bewertungen

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