: 17. März 2011,

Grenzen des Geschmacks – der Launch-Trailer zu Yakuza 4 aus Tokio

Es gibt Dinge, über die lässt sich streiten. Geschmack ist ein Standardbeispiel, Pietät ebenso. Aber alles hat Grenzen. Und so verwunderte es unsere Redaktion doch sehr, dass ausgerechnet am Dienstag, als die Nuklearkatastrophe in Fukushima noch in vollem Gange war – was sie immer noch ist – eine Pressemitteilung von Sega bei uns aufschlug, den den Launch-Trailer zu Yakuza 4 bewarb.

Wir ahnten bereits beim bloßen Hinweis auf das Video Böses. Und tatsächlich klingen bereits die ersten Sekunden des Trailers wie blanker Hohn:

„Alltag in Tokio. Das schwere Stampfen einer überbevölkerten Metropole, die vor zu viel Arbeit stöhnt, und wo die Menschen in Bedeutungslosigkeit versinken.“
Sony

Liebe PR-Abteilung von Sega, erlaubt mir eine einfache Frage:

Habt ihr denn jeden Funken Anstand und Respekt verloren?!?

Nein, wir sind weit entfernt von Betroffenheitsjournalismus. Geheuchelte Empathie liegt uns für gewöhnlich fern. Aber DAS, dieses Machwerk, übersteigt wirkliche alle Grenzen des guten Geschmacks! Ja, wir wissen alle: dieses Video wurde lange vor der Katastrophe in Japan produziert. Natürlich konnte zu diesem Zeitpunkt niemand wissen, was noch auf Tokio und die nördliche Region zukommen würde. Aber, verdammt nochmal, ein Minimum an Ethik und Respekt gegenüber jenen, die derzeit in Tokio im Bunker sitzen, nicht wissen, welche Gefahr auf sie zukommen wird und ob ihr Leben nicht gerade eine radikale Wende erfahren musste, das wäre doch wohl möglich gewesen?! Ein einfaches „Aufgrund der katastrophalen Verhältnisse verschieben wir aus Respekt den Launch“ war wieder nicht möglich? Im Fokus stand wieder einmal mehr nur der schnelle Profit. Und am besten noch ein wenig SEO, wo doch Tokio gerade so häufig gegooglet wird.

Verzeiht bitte, liebe Leser. Wir werden das Video an dieser Stelle NICHT präsentieren. Und wir sind uns bewusst, dass viele von euch anderer Meinung als wir sein werden. Wir sehen es aber so, deshalb hat diese Form der PR auch für uns Konsequenzen, zumal uns Sega Deutschland auf Anfragen keine Auskunft erteilen wollte, ob es nicht möglich gewesen wäre, den Launch von Yakuza 4 aus Anstand zu verschieben. Keine Frage: Yakuza 4 ist ein vielversprechender Titel. Das wäre er aber auch noch in ein paar Wochen gewesen, wenn die Menschen in Japan vielleicht wieder ein wenig Stabilität in ihrem Leben haben und nicht mehr in Todesangst im Bunker sitzen. Statt also Yakuza 4 zu kaufen, werden wir das Geld lieber dem Japanischen Roten Kreuz für Hilfsmaßnahmen spenden.



Grenzen des Geschmacks – der Launch-Trailer zu Yakuza 4 aus Tokio
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Zuletzt kommentiert








 2 Kommentar(e) bisher

  •  omgz (19. März 2011)

    bitte mal ein bißchen objektiv bleiben herr redakteur, was kann bitte sega für das ganze dilemma, heißt das jetzt das niemand mehr seine waren verkaufen darf, sollen sie nun 5 jahre warten und das spiel rausbringen bis jeder fukushima vergessen hat?
    ich finds gut das weiter gemacht wird, denn von spielen aus nippon würd ich nur ungern verzichten.
    also ich kauf das game, auch wenn sie mich hiermit als unmenschen hinstellen und ja, ich habe schon gespendet, geht seid gestern sogar aufm psn network.

  •  Timo (19. März 2011)

    Wie gesagt, natürlich gibt es hier auch unterschiedliche Ansichten – ist auch völlig okay.
    Und ich stelle dich gewiss nicht als Unmenschen hin ;)


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