News & Rumors: 30. März 2011,

Real Warfare 1242 – Test: Russland im 13. Jahrhundert als Echtzeitstrategie

Das von Unicorn Games Studio entwickelte historische Echtzeitstrategie Spiel Real Warfare 1242 zeigt Russland von einer weniger bekannten Seite der Geschichte: Der Spieler erhält die Möglichkeit auf einer historischen Kampagne das Land im 13. Jahrhundert zu durchqueren und von ausländischen Invasoren zu befreien. Wie es sich als Befreier der großen Föderation lebt, stellen wir euch in unserem Review vor.

Wer Russland in Verbindung mit dem Wort „Geschichte“ hört,
denkt direkt an das 20. Jahrhundert und den Sozialismus – doch dieses Russland
hat nichts mit dem zu tun, das es in Real
Warfare 1242
zu befreien gilt, außer dass beide Länder größtenteils eine
autokratische Staatsform hatten. Die Aufgabe des Spielers sieht vor, feindliche
und plündernde Invasoren wie die Deutschritter oder Mongolen zurück zu drängen,
und die inner-russischen Konflikte beizulegen, um das Land nach langer Zeit des
Krieges und der Zerwürfnis zu einen. Dafür schlüpft man in die Rolle des
Prinzen Alexander Nevsky und erhält, neben teils spannend angelegten
historischen Schlachten, noch einige Randinfos zu Russlands geschichtlicher
Lage im ausgehenden Hochmittelalter.

Große Schlachten

Wer ein übersichtliches Geplänkel von zwei Bataillonen
Speerkämpfern erwartet, der irrt sich. Denn Real
Warfare 1242
stellt dem Spieler eine Masse von Einheiten zur Verfügung ,
die indes nur in Nuancen Unterschiede aufweisen. Gemäß dem Motto „Viel hilft
viel“ trifft man in so mancher Mission zusammen mit einem KI-Verbündeten auf eine
Horde von über 1500 gegnerischen Truppen, die nicht gerade zimperlich und
linear agieren, sondern auch gerne reagieren und es sich nicht selten nehmen
lassen, Prinz Alexander persönlich nachzusetzen.

Real Warfare 1242 Review

Eine große Stärke des Spiels ist die Übersichtlichkeit des
Menüs und die Anfängerfreundlichkeit, die daraus resultiert. So macht es selbst
bei einer schier unendlichen Übermacht an Gegnern immer noch Spaß den
Wuselfaktor des Spiels zu nutzen und sich kühn mit seinen tapferen Einheiten in
die Schlacht zu stürzen.{BREAK} 

Anonymität als
mittelalterliches Leitmotiv

Grafisch bietet die Schlachten-Simulation nicht so viel, wie
vergleichbare Genre-Konkurrenten der Total-War-Reihe. Erwartet man also die
Möglichkeit, jedem Soldaten ins Gesicht zu sehen, um die Angst in seinen Augen
erkennen zu können, so wird man leider enttäuscht. Und auch Pfeile sind mit
höchsten Grafikqulitäts-Einstellungen eher ein Regenschauer als ein Pfeilhagel,
vor dem man sich fürchten müsste. Die Landschaften hingegen sind schon
inszeniert und vermitteln eine authentische Atmosphäre. So fühlt es sich trotz
sonnigstem Wetter zu Hause in so mancher Mission eher als befände man sich gerade
selbst in Russlands entlegensten Gebieten und muss zusammen mit seiner Armee
durch den Schnee waten, um endlich wieder einen wolkenlosen, blauen Himmel
sehen zu können. 

Leise, aber
harmonisch

Ebenso, wie die verträumte Grafik, trägt auch der ruhige
Sound mit zur Atmosphären-Bildung bei. Statt penetrantem Geklimper oder
sühnenden Choralgesängen, bietet Real
Warfare
eine ganze Palette an atmosphärischen Klängen, wie z. B. verschieden
intensive Windgeräusche und, abhängig vom Gegner, entsprechend kulturell
angehauchte Klänge. So strömen Klänge von mongolisch/asiatischen Trommelgruppen
und Blasinstrumenten auf das Ohr ein, während in einer Schlacht gegen Deutsche
starke Trommler und Hornbläser zum Kampf aufrufen.

Mit Taktik zum Sieg

Taktik gehört zu den Schlüsselelementen für eine siegreiche
Schlacht. Ohne geht’s nicht. Und das wissen auch die Entwickler von Real Warfare, sodass sie die taktischen
Möglichkeiten der Spieler bedacht haben, und leicht bedienbar. Ob
Formationswahl, Haltungswahl, Schießbefehl oder Entfernung zwischen den
einzelnen Soldaten: Alles kann der Spieler bestimmen; und damit es nicht zu
viel ist, gibt es noch den sinnvollen Pause-Modus bzw. falls es zu lange
dauert, bis die Truppen sich neu formiert haben, den Beschleunigungs-Modus.
Auch das komplexe Moralsystem ist nicht zu unterschätzen. Wie immer gilt: Ein
Angriff auf eine ungeschützte Flanke oder gar von hinten kann ausreichen, um
ganze Armeen in die Flucht zu schlagen, da ihre Moral zerstört ist. Und statt
eine gleichbleibende Feuerkraft bei Demoralisierung zu gewähren,  sinkt diese zusammen mit der Moral. Die große
Auswahl an Einheitentypen erschwert dem Hobby-General zumindest zu Beginn des
Spiels die Armeezusammenstellung: Lieber berittene Bogenschützen, oder doch
eher die Infanteristen? Verbessere ich die Waffen, oder stocke ich die Truppen
auf? Diese und mehr Fragen muss sich der angehende Truppenführer stellen, wenn
er erfolgreich sein möchte.

Fazit: Geschichte
erleben

Dies ermöglicht Real
Warfare 1242
in einer guten Art und Weise. Von grundlegenden historischen
Einführungen und Einordnungen bis zu großen Schlachten, die einem jedem General
Einiges an Können abverlangen, bietet Real
Warfare 1242
eine große Diversität, an der jeder Stratege Gefallen finden
mag. Grafik und Sound schaffen eine schöne Atmosphäre, die zum längeren Spielen
und zum Versinken in das Russland des 13. Jahrhunderts einlädt. Auch im Mehrspieler
erhält man die Gelegenheit sich in entweder randomisierten Arealen oder in
realen bzw. aus der Kampagne bekannten Gebieten einem Mitspieler die Stirn zu
bieten. Die verschiedenen Taktikmöglichkeiten und die immer wieder anders
agierenden KI-Gegner versprechen ein längeres Fernbleiben von Langeweile. Wer
also Mittelalter-, Strategie- und Geschichts-Fan ist, der hat mit Real Warfare 1242 einen guten, wenn auch
ein wenig unterlegenen Konkurrenten zur Total War-Reihe gefunden.



Real Warfare 1242 – Test: Russland im 13. Jahrhundert als Echtzeitstrategie
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