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Veröffentlicht am  25.08.11, 15:02 Uhr von  Alexander Trust

RTL Explosiv zur GamesCom 2011 wird Shitstorm nicht los

Gamescom Gamescom-Besucherstrom, Foto: Frederic Schneider

RTL Exklusiv zeigte einen Beitrag über Gamer und die GamesCom 2011 und wird nun den Shitstorm nicht los.

Die GamesCom 2011 in Köln hatte einen neuen Besucherrekord zu vermelden, die Organisatoren aber gezeigt, dass man noch nicht gut aufgestellt ist, weil man am Messe-Samstag sogar die Tageskasse schließen musste. Dazu gesellt sich ein RTL-Skandal, wegen eines Beitrags in der RTL-Sendung Explosiv.

Stereotype

Gamer stinken, sind ungepfelgt, haben keine Freundin und… der Kölner Privatsender RTL, vor allem aber der Redakteur, Tim Kickbusch, der den Beitrag verantwortet, in dem die vorgenannten Aussagen getroffen wurden, musste einsehen, dass seine Art der Darstellung einer Bevölkerungsgruppe auf wenig Gegenliebe gestoßen ist. In der letzten Woche war GamesCom, und Köln und die Koelnmesse luden Gamer ein, dabei zu sein, bei einem Groß-Event.

Die Stereotype, mit denen im Fernsehbeitrag hausiert wurde, haben die Gamer auf die Palme gebracht. Mittlerweile hat sich sowohl der Redakteur Tim Kickbusch, als auch RTL dafür entschuldigt. Ob diese Entschuldigung auf fruchtbaren Boden fällt, bleibt abzuwarten, da die mediale Schelte, vor allem im Internet – “dem Medium” der Gamer schlechthin, besonders umfangreich ausfällt.

Wenn hingegen das Echo im Netz auf fruchtbaren Boden fallen sollte, dann könnte das Thema wieder zurück an das eigentliche Medium gehen, wenn nämlich andere Fernsehsender den Faden aufnehmen und über RTLs Art und Weise Menschengruppen in eine Schublade zu stecken berichten. Dies ist in der jüngeren Vergangenheit schon einige Male geschehen, unter anderem als sogar die Tagesschau über den Verkauf des Blogs von Robert Basic berichtete.

Programmbeschwerde

Derzeit steht bereits fest, dass wegen mehr als über 7000 Beschwerden, bei den Medienanstalten eine Überprüfung eingeleitet wird. Über die Internetseite www.programmbeschwerde.de ist dabei wohl das Gros der Beschwerden eingegangen. Das Branchenmagazin Werben & Verkaufen berichtete darüber und erkundigte sich bei den zuständigen Medienbehörden. In dem Magazin werden “die Gamer”, die es wohl schlechterdings so gar nicht gibt, als sehr organisiert dargestellt.

Es ist aber in der Tat beachtenswert, dass man genügend Personen zusammenkriegt, die an dieser Stelle eine Überprüfung veranlassen können – ich schreibe das bewusst, weil es im Web auch sehr regelmäßig Beiträge von “Feministinnen” gibt, die sich über “sexistische” Werbung echauffieren, so zum Beispiel letzen Sommer als Sky für Fußball warb und mit Stereotypen von Frauen spielte. Nur oftmals kommen dort dann nicht so viele Personen zusammen, dass es zu einer Überprüfung käme.

GamesCom spielt runter

Die Messe selbst versucht über Facebook dem “Shitstorm”, von dem W&V schreibt, gegenzusteuern oder zumindest deeskalierend zu wirken. Die Verantwortlichen schreiben, dass ein Großteil der Berichterstattung über die GamesCom 2011 positiv ausgefallen sei und der Redakteur des Explosiv-Beitrags sich bereits entschuldigt habe. Das hat Tim Kickbusch ebenfalls über das Social Network getan. Denn dort auf seinem Profil ist es wohl zu hitzigen Diskussionen gekommen, bei denen auch er offenbar nicht ganz ruhig geblieben ist, die man aber wohl jetzt nicht mehr nachvollziehen kann. Auch dafür entschuldigt er sich.

Es werden aber Forderungen laut, dass eine Entschuldigung im Internet nicht ausreicht. Es ist durchaus so, dass Medien zu einer Richtigstellung im eigenen Medium veranlasst werden können. Manchmal wird das sogar von Gerichten angeordnet, wenn Promis sich falsch wiedergegeben fühlten oder Unwahrheiten behauptet wurden. Eventuell wird RTL hier aber selbst in seiner Sendung aktiv.

Kickbusch voreingenommen

Doch schon im Vorfeld, am 18. August (der Beitrag wurde am 19. gesendet), hatte Kickbusch zum Beispiel über seine Facebook-Pinnwand gesagt:

Das ist natürlich keine gute Basis, um einen Beitrag unvoreingenommen zu erstellen. Fakt ist, dass Körpergerüche entstehen. Es war sehr warm in Köln und auch auf dem Messegelände. Nur den Schweiß eines anderen nicht “riechen” zu können, ist ein durchaus individuelles Empfinden, das auf biologischer Ebene begründet ist. Es ist nicht nur eine Floskel, wenn man sagt, man könne jemanden nicht riechen. Vor allem bei der Partnersuche spielen Gerüche eine nicht unwesentliche Rolle. Kickbusch würde wohl, wenn er Single ist, zumindest unter einem Teil der GamesCom-Besucher keine Freundin für sich finden. Auf Onlinewelten wurde Kickbusch mit Worten von seiner Facebook-Pinnwand zitiert, die keine Einsicht bei ihm zeigen. Dort soll es geheißen haben, dass ihn die Kommentare der Gamer nicht stören würden und er vielmehr glaubt, dass zu viel Computerspielen schlechten Einfluss auf die Rechtschreibung hat.

Köln ist einfach korrekt

Interessant bei der Art der Berichterstattung finde ich, dass gerade RTL als “Kölner” Sender damit der Stadt und der Messe eine Art Bärendienst erweist. Die Aussage des Exklusiv-Beitrags könnte ja auch in der Form interpretiert werden, dass man der Meinung ist, Köln möchte keine “stinkenden, ungewaschenen und ungepflegten” Gamer, die sich verkleidet durch die Straßen der Stadt bewegen – oder am Ende doch nur auf dem Messegelende?

Cosplay, Karneval und Nintendo

Die Diskussion um das Verkleiden verdient einen extra Absatz. Nicht nur, weil es heutzutage einen Trend aus Asien, das Cosplay, gibt. Viel wichtiger ist doch, dass zumindest einige der Gamer sogar explizit von der Spieleindustrie dazu aufgefordert wurde, verkleidet auf die Messe zu kommen. Nintendo beispielsweise hatte im Vorfeld versprochen, dass Gamer, die in einem Zelda-Outfit nach Köln kämen, am ersten Messetag dafür besondere Geschenke erhalten würden. Und was möchte man SciFi-Fans erzählen, die seit 1939 jährlich auf der Worldcon verkleidet auftauchen?

Ganz und gar aus den Augen verloren hatte Tim Kickbusch bei seiner Darstellung aber wohl den Kölner Karneval, an dem – ja wer eigentlich feiert den? – eine Vielzahl von Personengruppen aus unterschiedlichen Schichten der Bevölkerung. Die Großkopferten von denen, also die besonders Reichen oder diejenigen mit viel Vitamin B werden an Karneval sogar zu Prinzen auserkoren. Man spricht nicht umsonst vom Kölner Klüngel. Doch Tim Kickbusch hat sicherlich die Bilder von stinkenden, saufenden, kotzenden Menschen vergessen, die zu eben dieser Zeit im Jahr in der Stadt unterwegs sind.

Meinungen und Shitstorm

Im Web gibt es bislang ein gehöriges Echo. Zu nennen wären diverse Beiträge aus der Blogosphäre aber auch Gaming-Medien. Wenn man W&V Glauben schenkt, dann hat der Beitrag vom Videopunk, der dem Fernsehen nachsagt es würde aussterben, als einer der ersten auf das Thema Bezug genommen. Auf der Internetseite von Game One fiel in einem umfangreichen Kommentar nicht nur der Hinweis, dass RTL die Videobeiträge des Exklusiv-Clips auf YouTube sperren lässt, sondern wurde ebenfalls klar zum Ausdruck gebracht, dass es vor Ort viele “normale” Menschen gegeben hätte.

Der obige Beitrag ist stellvertretend für einige Videos, die nun als “Anonymous” RTL den Krieg und die Operation RTL als gestartet wissen wollen. Da es auf YouTube einige dieser Videos gibt – natürlich kann man keine Urheber ausmachen – muss man zumindest in Frage stellen, wie “organisiert” zumindest “diese” Aktion ist, oder ob es sich nicht eventuell nur um Trittbrettfahrer handelt. Da wir selbst leider niemanden aus dem anonymen Kern von Anonymous kennen, der dazu eine Aussage treffen könnte, stellen wir diese Frage einfach in den Raum. Dass sich in dem Metier etwas bewegt zeigen Meldungen darüber, dass RTL bereits erste Hacks erfahren musste. Zumindest innerhalb der RTL-Community-Seiten wurde, wie mit diesem Screenshot belegt ist, ein bisschen Schindluder getrieben, wenngleich RTL das Problem zu dieser Stunde bereits wieder behoben hat.

Dicke Hose (ein Insider) äußert in seinem Blog die Meinung, dass RTL mit dem Exklusiv-Beitrag vor allem auch sich selbst einen Bärendienst erwiesen hat, weil man eine nicht unwichtige Zielgruppe, die für Werbekunden enorm wichtig ist, derart vor den Kopf stößt.

Zum Abschluss dieses Beitrags gibt es von mir dann noch den Hinweis auf ein “kurzes” aber knackiges Video-Interview der Kollegen von Gamona, das diese mit Laura Da Silva führten. Das ist diejenige Studentin, die als Messe-Hostess auf der GamesCom herumlief, und die RTL in seinem Exklusiv-Beitrag als eine von vielen missbrauchte, um gegen die Gamer Front zu machen. Laura zeigt, dass sie leicht beeinflussbar ist und von vielem keine Ahnung hat. Arme Laura.

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