Veröffentlicht am 22.10.12, 16:41 Uhr von at
Aktuell ist ein neues Paket aus Mac-Apps unter dem Namen MacHeist 4 im Angebot, und zwar noch einige Tage. Persönlich wollte ich nicht sofort zugreifen, sondern eine Nacht drüber schlafen. Dann habe ich in der Zwischenzeit ein wenig auf der Festplatte aufgeräumt und mir den Spaß gemacht ein MacHeist-Bundle aus dem April 2009 auf seine Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen. Darüber habe ich einige enttäuschende Entdeckungen machen müssen.
So viel vorweg: Wer ein MacHeist-Bundle kauft, der tut immer auch etwas Gutes. 25% der Einnahmen werden für wohltätige Zwecke gespendet. Wenn man diesen Faktor in die Rechnung mit einbezieht, dann ergibt sich eine relativ ordentliche Rechnung. Der Beitrag soll vor allem zeigen, dass nicht immer alles Gold ist, was glänzt und dass es nicht schadet, wenn man beim Kauf genauer hinsieht.
Der Kunde lässt sich ja gerne blenden. Es gibt Marketing-Abteilungen die “Psychologie” zur Anwendung bringen, um den Kunden zu überzeugen. Das möchte man beim MacHeist-Bundle niemandem unterstellen, doch was einem direkt ins Auge fällt ist der Unterschied des Preises, der zwischen den Angaben auf der MacHeist-Webseite und der Realität aufklafft.
Doch darüber hinaus gibt es eine Menge Fragezeichen. Was sind das eigentlich für Apps, die einem da verkauft werden? Sind die Apps ihr Geld immer auch Wert? Es gibt eine Reihe von Tools, etliche davon auch mit irgendwelchen Awards gekennzeichnet, wenn man die Herstellerseiten ansurft. Doch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass vor allem Redaktionen von Mac-Zeitschriften (in den USA) und deren Webseiten-Mitarbeiter sich relativ schnell beeindrucken lassen. Meiner Meinung nach müsste die ganze “Macosphäre” eine Korrektur des Maßstabs vornehmen. Nicht alle Programme verdienen sofort einen Award…
Eine E-Mail in meinem Postfach vom 3. April 2009 führt mich zu einem Link mit einer Seite voller Downloadadressen. Sicher, im Jahr 2009 waren viele von den Apps, die dort angeboten wurden, toll… Oder doch nicht?
Nicht alle Hersteller haben wirklich “frische Ware” im Angebot, sondern manche waren einfach so frech und wollten noch die “Lager räumen”. Schade nur, dass es virtuell keine solchen gibt und man sich durchaus etwas veräppelt vorkommen kann. Im MacHeist-3-Bundle aus dem Jahr 2009 wurde beispielsweise der Programmier-Editor Espresso angeboten. Im Paket von damals enthalten war eine Lizenz für die Version 1.0. “Aktuell” ist die Version 2.0.4.
Ich habe allerdings noch weitere Apps von damals “untersucht”. Manche gibt es unter dem Namen schon gar nicht mehr. Ein RSS-Reader namens Times heißt heute ganz anders: Pulp. Ein Upgrade ist nicht möglich, auch weil die App “nur noch” über denn Mac App Store angeboten wird – Features der “neuen” Version, die es scheinbar auch schon seit ein paar Jahren gibt, können so nicht benutzt werden. Nutzer müssen sich, wenn überhaupt, die neue Version noch einmal kaufen.
Ein großes Ärgernis aus dem MacHeist-Bundle-3 ist BoinxTV, das unter Mountain Lion nicht mehr funktioniert, jedenfalls nicht zufriedenstellend und häufiger abstürzt als man damit eine “Session” aufzeichnen kann. Die App war damals ein Kaufkriterium für mich und sicherlich auch für viele andere; die Antwort der Support-Mitarbeiter heute lautet: Wir raten allen Anwendern, nicht auf Mountain Lion zu aktualisieren. Das ist allerdings eine unzufriedenstellende Antwort, für eine App, die man im App Store für 399 US-Dollar kaufen kann. Im Jahr 2009 gab es eine auf 199 USD reduzierte Version, die im MacHeist-Bundle integriert war, diese gibt es heute nicht mehr zu kaufen.
Der Support hat mich eine ganze Weile gut unterstützt, deshalb kann man über ihn grundsätzlich nichts Negatives sagen. Die Entwickler haben in ihrem Blog zur Einführung von Apples neuem Desktop-OS darauf hingewiesen, dass man im frühen Herbst dieses Jahres eine funktionsfähige Version der Software anbieten wolle.
In der Zwischenzeit gab es nur ein Statement mit einer Konkretisierung im Forum von Boinx, man arbeite hart an einem Update und es soll “später in diesem Jahr” veröffentlicht werden. Die Frage muss sich aufdrängen, warum eine 400 USD teure Anwendung die zweite Geige spielt. Denn von iStopMotion und FotoMagico sind bereits neue Versionen erschienen.
“Note: Per-application recording is not yet available on MacOS X 10.7 aka ‘Lion’. We’re working on it!”
Ambrosia Software
Es gibt noch andere Apps aus dem MacHeist-3-Bundle, die nur noch eingeschränkt funktionieren und das, wie im Fall von WireTap Studio bereits seit 10.7. Diese App ist für Podcaster zum Beispiel sehr interessant, und in Verbindung mit dem erwähnten BoinxTV auch ganz gut verwendbar, da sie diverse Audioquellen auch aus Apps extrahiert und zur Aufnahme zur Verfügung stellt. Auf der Homepage werden Awards für 2007 und 2008 verlinkt, tatsächlich aber scheint der Entwickler in den Ruhestand gegangen zu sein?! Wenn der Hinweis bei der aktuellen Version 1.2.0 lautet, dass die Aufnahme pro App in Lion nicht funktioniere. Dieses Feature wird sich sicherlich nicht in Mountain Lion von selbst wiederhergestellt haben und stammt aus einer Zeit im Sommer 2011.
Natürlich kann man auch positive Beispiele aus dem MacHeist-3-Bundle anführen: Acorn beispielsweise rühmt sich damit Retina-Bilder bearbeiten zu können und auf der Homepage zu PhoneView wird sogar die Kompatibilität zu iOS 6 ausgewiesen.
Halten wir fest: Es gibt diverse Apps aus dem letzten Bundle, die derzeit nicht mehr oder nicht so funktionieren, wie sie sollten. Bei manchen kam zeitig nach dem Auslaufen des Bundles ein Update heraus, das Käufer von MacHeist aber nur gegen Aufpreis kriegen. Die Preise, die im Bundle an den Apps dranstehen, entsprechen nicht immer der Realität. Diese Dinge gab es beim letzten Bundle und im aktuellen MacHeist 4 genauso.
Es würde mich nicht wundern, wenn kurze Zeit nach dem Auslaufen des Softwarepakets die eine oder andere App, oder das eine oder andere Spiel anderswo stark preisreduziert angeboten werden wird, und man recht bald einen Versionssprung bei manchen Tools erlebt, der nicht ohne kostenpflichtiges Upgrade für die Käufer von MacHeist funktioniert.
Letztlich muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, welchen Wert er diesen Tools beimisst und es gibt natürlich Gründe das aktuelle MacHeist-4-Bundle zu kaufen. Ich werde es wohl tun. Schade finde ich, dass gerade, wenn es um Wohltätigkeit geht, nicht mit vollständig offenen Karten gespielt wird und man etwas versucht besser aussehen zu lassen, als es unter dem Strich ist. Das MacHeist-3-Bundle jedenfalls war nicht über 900 US-Dollar wert und das jetzige auch nicht mehr als 589.
Und wie ist deine Meinung? Schreib uns einfach!
Tags: Ambrosia Software, BoinxTV, Cro-Mag Rally, Espresso, MacHeist 3, MacHeist 4, Sam and Max: The Devil's Playhouse, WireTap Studio
4 Kommentar(e) bisher
Die Serial für Acorn aus dem MacHeist 3 Bundle funktioniert nur mit Version 1.x, aktuell ist Version 3…
Man muss das ganze auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Die Frage ist doch nicht: Was ist das Paket tatsächlich wert, sondern sind mir die Summe an Programmen den Preis wert? Ich habe die Seite schon seit Tagen offen, schlage aber nicht zu, da es aus meiner Sicht nur ein Programm gibt, welches kaufenswürdig wäre: Firetask. Alleine das kostet schon 32€. Wenn also mehr als 25.000 Bundles verkauft werden, schlage ich zu. Es sind zwar noch weitere tolle Programme wie Scrivener und MacGourmet Deluxe dabei. Aber diese Programme _brauche_ ich nicht wirklich. Da wären die $29 einfach rausgeschmissenes Geld.
Ob anschließend eine neue Version rauskommt kann mir doch egal sein. Ich habe doch meine und die läuft. Brauch ich denn immer Updates? Ich sehs ja an BudyCal 2.0 derzeit. 1.6 habe ich mir vor einem halben Jahr gekauft, und nun sollte ich wieder dafür zahlen? Nö warum denn? Meine tuts doch noch genauso.
Im übrigen sollte ich keiner beklagen, dass die einzelnen Entwickler bei neuen OS-Versionen immer wieder die Hand aufhalten: so funktioniert das nunmal in der Apple-Ökonomie. Die Leute haben gerne Geld für Software ausgegeben. Und die Entwickler lassen sich die Pflege halt bezahlen. Warum auch nicht? Die Geiz-ist-geil bzw. Kostenlos-Mentalität vieler ist doch der einzige Grund, warum sich aufgeregt wird. Ich schlage für alle diese vor: man muss auch mal Verzicht lernen. Für alle anderen: Wer etwas will, soll auch das notwendige Geld ausgeben. Und jeder der nen Mac hat, hat das nötige Kleingeld.
Ist bei diesem Bundle aber eigentlich schnuppe, denn Evernote – was das beste im Set ist – hält garantiert noch das ein oder andere Jahr ;)
Ich benutze heute z.B. immer noch Espresso 1. Warum auch nicht? Ist eine prima Software und der Support ermöglichte es mir auch nach 2 Jahren noch einmal, das Ding herunterzuladen.
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