MACNOTES

Veröffentlicht am  20.01.13, 23:41 Uhr von  Stefan Keller

Warum Fallout: New Vegas besser ist als Fallout 3 und Bethesda das für Fallout 4 berücksichtigen sollte?

Fallout: New Vegas Fallout: New Vegas

Fallout 3 und Fallout: New Vegas sind nicht unbedingt neue Spiele, dafür aber sehr gute, über die man gerade angesichts der ersten Fallout-4-Informationen diskutieren möchte. Dies möchte ich an dieser Stelle einmal tun – und dabei ein wenig Salz in die Wunden der neueren Fallout-Fans gießen…

Vor Kurzem hat Erik Dellums, die englische Stimme von Three Dog aus dem Galaxy News Radio in Fallout 3, via Twitter angedeutet, dass sein Charakter “möglicherweise” demnächst zurückkehrt. Ich möchte dies als Aufhänger missbrauchen, um ein wenig über Fallout 3 und New Vegas zu sinnieren.

Die These: New Vegas ist besser als Fallout 3

Um mich gleich zu Beginn unbeliebt zu machen: Fallout: New Vegas ist das bessere Spiel der beiden – Punkt. Das möchte ich ausdrücklich inhaltlich verstanden haben, denn ich bin (noch) nicht so verblendet, um zu sehen, dass FNV sogar noch mehr Bugs in sich trägt als Bethesdas erster Versuch, das Erfolgsrollenspiel von Interplay wieder zu beleben. Gefühlt ist mein Kurier deutlich öfter in Bergen stecken geblieben als mein “Lone Wanderer” in Fallout 3. Ebenfalls habe ich im Mojave Ödland die Xbox öfter neu starten müssen als im Ödland der Hauptstadt. Aber solange sich derlei Dinge in Grenzen halten, interessiert mich die Story mehr.

Fallout-Konzept vs. Bethesda

Chris Taylor, einer der Fallout-Väter bei Interplay, hat das “Fallout Vision Statement” als Konzeptbeschreibung für das Spiel verfasst. Darin heißt es beispielsweise:

2. There is often no right solution. Like it or not, the player will not be able to make everyone live happily ever after. (…)
4. The players actions affect the world.

Chris Taylor

Nehmen wir an, dass solche Punkte Fallout “ausmachen” – warum kann ich ohne wirkliche Konsequenz in Fallout 3 entscheiden, was mit Megaton geschieht? Jage ich die Bombe hoch, bekomme ich ein Apartment im Tenpenny Tower und die Megaton-Ghule jagen mich. Entschärfe ich sie, darf ich im verlassenen Haus in Megaton einziehen und Mr. Burkes Leute wollen mich tot sehen. In jedem Fall bekomme ich einen Mr. Gutsy und kann mir dieselben Dinge für meine Wohnung kaufen. Von solchen Pseudo-Entscheidungen ist Fallout 3 voll – und meinem Eindruck nach ist das eine Bethesda-Krankheit: Entweder hat die Entscheidung keine wirkliche Konsequenz, oder es gibt keine. Denn The Elder Scrolls V: Skyrim sah ähnlich aus. Oder warum muss ich mich mit Alduin anlegen? Es ist doch ein Rollenspiel!

Fallout 3 als Enklave im Fallout-Universum

Wer bereits die ersten beiden Teile von Fallout gespielt hat – selbst wenn diese mittlerweile über 10 Jahre alt sind -, wird feststellen, dass Fallout 3 neben Name, Setting, Brotherhood of Steel, Enklave und dem SPECIAL-System nicht viel von den klassischen Teilen geerbt hat. Supermutanten mussten natürlich dabei sein und ohne Ghule ist das radioaktive Setting ebenfalls nicht komplett, aber ansonsten gibt es so gut wie keine Anspielungen auf vergangene Teile. Etwas, womit Fallout 2 ganz besonders punkten konnte. Insgesamt fühlt sich Fallout 3 so an als würde es am anderen Ende der Welt spielen, als hätte es die beiden isometrischen Vorgänger nicht gegeben.

New Vegas das bessere Fallout

[amazon title="Fallout: New Vegas" article="B003ISQQRC"]

Vielleicht liegt es daran, dass hinter Obsidian Entertainment, die Fallout: New Vegas entwickelt haben, viele Leute stecken, die bereits Fallout 2 programmiert haben. Im Fallout-Universum ist es eher zu Hause als Fallout 3. Es gibt sehr viele Dinge, die sich an ältere Sachverhalte anschließen, und zwar ohne, dass das Spiel ohne die Kenntnis der Vorgänger unspielbar wird. Wer Fallout 1 bis 3 kennt, versteht hier und da einen Zusammenhang besser und wer es nicht kennt, wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Wie es im Amerika nach dem Atomkrieg ohnehin üblich ist. In Fallout: New Vegas gibt es das Reputationssystem wieder. Neben dem ohnehin nichts-sagenden Karma-System (auch hier ist in Fallout 3 allenfalls die Frage, wer mich erschießen will und ggf. welche NPCs ich rekrutieren kann) kann ich mich bei Fraktionen beliebt oder unbeliebt machen. Wenn mich die Großkhane doof finden, weil ich ständig ihre Mannen um die Ecke bringe, dann kann ich keine ihrer Quests annehmen. Nun haben die Großkhane keinen besonderen Einfluss auf den Story-Verlauf, andere Fraktionen wie die Republik Neu-Kalifornien oder “Ceasar’s Legion” hingegen schon. In Fallout: New Vegas muss man sich wirklich entscheiden, wem man helfen will, und dabei abwägen, wem man damit schadet. Schließlich wollen am Ende alle Fraktionen den Hoover Dam erobern.

In Fallout: New Vegas ist es eher möglich, durch die Wahl der eigenen Sympathien ein anderes Spiel zu erleben als bei Fallout 3. Bei Bethesda habe ich am Ende die Wahl, ob ich den FEV-Virus in das gereinigte Trinkwasser gebe oder nicht. Für das Spiel ist das komplett irrelevant, denn ohne den Broken-Steel-DLC werde ich ohnehin sterben und nur der Abspann ändert sich. (Mit DLC dürfte das ebenfalls irrelevant sein, denn mit hinreichend hohem Medizin-Skill und den angesammelten Stimpaks dürfte es nicht in besonders hohem Maße konsumiert werden.)

Fazit

Ich hoffe, dass sich Bethesda für Fallout 4 eher an Fallout: New Vegas orientiert und/oder Obsidian Entertainment um Rat fragt. Die beiden Spiele haben doch eindrucksvoll gezeigt, ob jemand einen Nachfolger in einer Reihe entwickelt, von dem er die Rechte gekauft hat, oder ob es jemand macht, der schon das Konzept mitentwickelt hat.
Warum viele Kritiker und Fans Fallout 3 statt New Vegas besser finden, kann ich nicht beantworten. Da aber Fallout 3 zehn Jahre nach Fallout 2 veröffentlicht wurde, kennen viele Spieler den klassischen Teil gar nicht mehr. Zudem ist es eine nicht-triviale Aufgabe, das alte Fallout auf modernen Rechnern ans Laufen zu bekommen. Damit ist es vergleichsweise schwer, die Wissenslücke zu füllen – mal abgesehen davon, dass Spieler heutzutage nicht mehr so viel selbst lesen wollen und viele ohne Wegpunkte komplett aufgeschmissen sind.

Disclaimer

Auch wenn ich meine, FNV ist besser als F3, heißt das noch lange nicht, dass Bethesda ein schlechtes Spiel abgeliefert hat. Ohne Bethesda hätten wir Fallout vermutlich komplett begraben können, als Black Isle aus Kostengründen geschlossen wurde. Das Spiel selbst hat mich 70 Stunden lang beim ersten Durchspielen gut bis sehr gut unterhalten. Aber Fallout: New Vegas war in der Lage, dem noch eine gewisse Krone aufzusetzen und sich eher wie ein klassisches Fallout anzufühlen.
Ich bin gerne bereit zuzugeben, dass es Bethesda besser drauf hat, Aha-Momente zu fabrizieren. Das erste Mal aus woraus-auch-immer auszusteigen und das Ödland zu sehen, war in Fallout 3 freilich beeindruckender, vor allem, weil es hieß, aus Vault 101 würde nie jemand herauskommen. Tranquility Lane war vermutlich einer der aller coolsten Spielemomente der letzten Jahre und Little Lamplight war ebenfalls unerwartet. Solche Überraschungen sind Bethesda auch in anderen Spielen wie Skyrim gelungen.

PS: Früher war ohnehin alles besser

…dass das stimmt, zeigt das folgende Video aus Fallout 2. Heutzutage gibt sich kaum ein Spieleentwickler so viel Mühe beim Voice-Acting. Oder kennt jemand einen Charakter, der euch so stilvoll zurechtweist? MO-RON!

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 6 Kommentar(e) bisher

  •  Dennis2310 sagte am 21. Januar 2013:

    Grundsätzlich gute Argumente, die ich genauso sehe. New Vegas ist, was den Einfluss meines Handelns auf den weiteren Spielverlauf angeht, ein ganzes Stück besser.
     
    Aber ein sehr wichtiger Faktor kommt mir leider in New Vegas oft zu kurz: Atmosphäre. Da finde ich persönlich Fallout 3 wiederum um Längen besser! Es mag am Ort des Geschehens liegen, New Vegas befindet nun mal in der Wüste. Aber ich finde es unheimlicher und beklemmender, mich in einem dunklen, verfallenen U-Bahn- Netz gegen Guhle und Psychopaten zur Wehr setzen und versteckten Sprengfallen ausweichen zu müssen, als in der Mittagssonne Jagd auf Riesen- Geckos zu machen. Wenn man mal das Todeskrallen- Nest außen vor lässt, habe ich in New Vegas leider selten den Spielspaß von Fallout 3 verspürt.
     
    Was ich in beiden Spielen einfach genial fand war die Idee, dass aus alltäglichen Gegenständen, wie einem Staubsauger oder Schnellkochtopf Waffen gebaut werden konnten. Meine Hoffnung ist, dass dieses Prinzip in Fallout 4 fortgesetzt und vielleicht sogar noch verbessert wird. Es wäre doch ziemlich cool, wenn man sich auch improvisierte Rüstungen oder Gegenstände für den Unterschlupf selber bauen könnte, oder?
     
    Da Fallout 4 den Gerüchten zufolge jedoch wieder in einer urbaneren Umgebung, also in Bosten spielen soll bin ich zuversichtlich, dass sowohl die positiven Aspekte von Fallout 3, als auch New Vegas sich vereinen werden.
     

    Antworten 
  •  stk sagte am 21. Januar 2013:

    @Dennis2310,
    Also gerade die Metros fand ich schrecklich. Das waren so die Berge aus NV in Fallout 3. Man musste durch diese unübersichtliche Schächte durch und da war es dunkel und die Ghule und buaaaaa. Ne, das fand ich nicht so toll. Da lieber Wüste :) Wobei das natürlich eine schicke Atmosphäre geschaffen hat. Die mir zwar nicht gefallen hat, aber dicht war sie.
    Was den Spielspaß mit den Gegnern anging, da bist du in NV wohl nur den Hauptstraßen gefolgt? Ab davon war ständig irgendwas Unangenehmes. Die Geckos waren ein wenig lame, haben aber ob Fallout 2 Tradition *g*

    Das mit den alltäglichen Dingen fand ich auch toll, wobei hier NV punkten kann. Da musste ich nämlich nicht erst für teuer Kronkorken die Bauanleitung kaufen, sondern habe zu jeder Zeit alles bauen können. Da konnte man auch direkter nach den Zutaten suchen.

    Antworten 
  •  Viktor Remmel sagte am 5. Februar 2013:

    Ich muss dir zustimmen Fallout New Vegas ist das bessere Spiel aus guten Grunde :

    Erstens – Man kann anvisieren MIT JEDER WAFFE,

    Zweitens – Deine Begleiter haben besser Geschichten und haben richtige Persönlichkeiten und erlauben dir Bonus Fähigkeiten.

    Drittens - Man kann viel mehr Gegenstände produzieren.

    Aber das Spiel hat es trotzdem nicht geschafft mich so zu bändigen das ich das Spiel durchgespielt habe und das heißt schon was. Das lag nicht daran das ich das Setting nicht gut fand oder das Konzept schlecht war, mir gefiel sogar der Gedanke mit dem Römischen Reich Ceasas legion und den Militärischen RNK .

    Da du sehr auf das Ende eingegangen bist, gehe ich auf das fantastische Anfang von Fallout 3 ein und auf die erste Stunde des Spiels.
    Verglichen mit Fallout New Vegas ist es zu Klobig nicht richtig ins Spiel gesetzt naja ich sag es Jetzt einfach ein Tutorial

    OK bei Fallout 3 ist ja auch nicht besser aber dafür richtig ins Szene gesetzt:

    Spoiler Alarm

    ( du lernst laufen als Baby, du kriegst ein Luftgewehr damit du Schissen lernst und musst ein Test machen damit man weiß worin du gut bist. Einfach gesagt du füllst mehr mit deinem Charakter weil du am Anfang an dabei warst. ).

    Bei Fallout New Vegas bist du irgend ein Jemand der vergessen hat wer er war und nur noch seinen Namen kennt, ach ja und kein Schwein kennt dich anscheinend .

    Dann gehst du in die Welt von Fallout 3 und weist nicht was du tun sollst welche Richtung du gehst und wo du Landes. Bei New Vegas dagegen gibt es zwei Straßen eine Tödliche und eine Sehr Lange dann marschierst du natürlich die Sehr Lange Straße entlang bis du endlich ( was für eine Überraschung ) in New Vegas gelandet bist oder sollte es NEW NEW Vegas heißen egal …..

    Für mich bleibt Fallout 3 das bessere Spiel es hat mich einfach überzeugt es gab einfach mehr Magic Moments als bei New Vegas und da juckt es mich nicht, dass meine Entscheidungen nicht so große Auswirkungen haben als eine neue Tapete an der Wand.

    Ich konnte noch mehr darin eingehen aber ich habe schon genügend gespoilert

    Und Natürlich kann ich noch meckern das bei Fallout 3 Gegner Typen nach dem Lv Deines Charakters erscheinen oder das bei Fallout New Vegas Tötung Kommandos erscheinen.
    Aber das tu ich naturlich nicht

    Beides dämliche Ideen anscheinen hat jeder Speer Von Ceasas Legon ein Peilsender und Albino Skorpion können Helden über 10000 Meilen riechen ich weiß es nicht.

    Wie ich einen Freund mal gesagt habe:

    JA Fallout New Vegas ist das bessere Spiel aber

    Fallout 3 hat die Seele von Fallout

    und wer das nicht versteht

    der hat das Spiel nie gespielt und sollte es Spielen

    oder er ist in Fallout 3 zu oft gestorben.

    Antworten 
  •  Viktor Remmel sagte am 5. Februar 2013:

    ach und ja es gibt Spielentwickler bei Fallout die sich beim Charakter Design mühe geben https://www.youtube.com/watch?v=0M0-PzUuM0E

    Antworten 
  •  Viktor Remmel sagte am 5. Februar 2013:

    Ich meine Spielentwickler bei Bethesda die sich mühe gegeben haben

    Antworten 
  •  stk sagte am 5. Februar 2013:

    @Viktor Remmel
    Ich danke für deine ausführliche Darlegung. :)

    Aber Fallout 3 hat nicht wirklich die Seele der älteren Spiele. Bethesda hat es zwar gut hinbekommen, das Setting in eine 3D-Welt zu portieren, aber ist m.m.N. zu sehr in seine eigene Nische zurückgefallen.

    Den Anfang fand ich bei beiden Spielen eher lahm. Und das war durchaus vergleichbar. Bei Fallout 3 kam man aus Vault 101 raus und musste nach Megaton, weil man überall woanders umgehend gestorben wäre. Keine guten Waffen und überall Raider. Bei FNV musste man in Goodsprings bleiben, aus genau demselben Grund. Ich fand den Einstieg in beiden Fällen schwierig, weil man nicht wusste, was in nächster Zeit wichtig ist. So habe ich in NV stundenlang nach besiegbaren Gegnern gesucht, um meinen Skill für Explosives etwas zu erhöhen, um Easy Pete davon zu überzeugen, mit Dynamit zu geben für die Pulverbanditen.

    Wenn du dich an den Plot bei NV hältst oder ein klein wenig Entdeckergeist mitbringst, sind es nur die letzten 2 von bestimmt 40 Stunden Spielzeit, die in auf dem Strip verbringst. Also ganz so dramatisch würde ich das nicht sehen. Wenn du natürlich weißt, dass du in Camp McCarran mit dem Zug direkt auf den Strip kommst, dann geht natürlich alles schneller. Genauso kannst du in F3 gleich in Richtung Little Lamplight aufbrechen und damit die ganzen Quests der Hauptstory überspringen.

    Die Tötungskommandos gabs auch schon bei Fallout 3. Wenn du nicht gerade neutrales Karma hast, kamen entweder die Regulators oder die Talon Company und wollten dich um die Ecke bringen.

    Wegen den Magic Moments: Wie gesagt, inszenieren scheint Bethesda besser drauf zu haben, aber inhaltlich gewinnt FNV.

    Und ja, ich habe Fallout 1, 2, 3 und NV gespielt – und da gefällt mir das klassische mehr. Das finde ich in NV eher wieder als in F3.

    Im Text schrieb ich ja auch, dass F3 kein schlechtes Spiel ist, aber es ist so der Tiefgang und DASS meine Entscheidungen echte Auswirkungen haben, was mir an NV so gut gefallen hat.

    Antworten 

Kommentar verfassen

Werbung
© 2006-2013 MACNOTES.DE. Made with insanely great for all things Mac. Apple.de