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Veröffentlicht am  5.02.13, 15:31 Uhr von  Stefan Keller

Bericht: Apple hat größere Probleme als seine Quartalszahlen

Apple Apple-Logo

Hört man sich in Börsen- und Analystenkreisen um, ist Apple bereits am Ende und die letzten Quartalszahlen belegen das – trotz Rekordergebnis – angeblich. Dabei hat Apple ganz andere Probleme, über die in der Presse aber nicht viel geschrieben wird. Adam Engst von TidBITS tut es dennoch.

Ein langer Bericht in englischer Sprache, verfasst von Adam C. Engst bei TidBITS, beschreibt, was in den Medien eher selten steht und woran Apple tatsächlich krankt. Dabei ist etwa die erste Hälfte des Textes eher die Vorgeschichte, warum Engst überhaupt über das Thema schreibt. In diversen Interviews wurde er gefragt, ob er es genauso sieht, dass Apple seinen Höhenflug hinter sich hat, die Quartalszahlen sprechen ja schließlich für sich.

Quartalszahlen überbewertet

Diesen Punkt teilt Engst nicht. Stattdessen hat er erklärt, woran Apple tatsächlich leidet. So neigt man in Cupertino beispielsweise dazu, unfertige Software zu veröffentlichen. Beispielsweise habe iOS 6 viel zu viele Fehler, die den Datenverbrauch via UMTS in die Höhe treiben und die Batterie schneller als nötig leert. Derlei Probleme seien mit iOS 6 erstmalig aufgetreten. Erst vier Monate nach Veröffentlichung wurden sie in Form von iOS 6.1 behoben, heißt es.

Software immer instabiler

Außerdem stehe Mac OS X 10.6 Snow Leopard für das stabilste Apple-Betriebssystem. Die ‘Verbesserungen’ in Lion und der jährliche Veröffentlichungszyklus habe dem System nicht gut getan. Wie er aus Apple-Kreisen erfahren haben will, haben einige langjährige Entwickler von OS X dem Unternehmen den Rücken gekehrt, weil sie das Gefühl hatten, unfertige Software veröffentlichen zu müssen.

“App Store-Gate”

Weiterhin bekleckere sich Apple beim App Store nicht mit Ruhm. Dass Apple aus teils skurrilen Gründen Anwendungen für die Veröffentlichung ablehnt, ist nichts Neues. Ein Programmierer, der aber nicht genannt werden wollte, konnte eine Anekdote erzählen, als Apple notwendige Dateien aus dem Programmpaket gelöscht hat. Die App lief daraufhin natürlich nicht mehr und der Ärger der Anwender blieb am Entwickler hängen.

Weiterhin sei es mit dem App Store nicht möglich, die Steuernummer des Unternehmens zu ändern. Wenn ein Programmierer seinen Job wechselt, muss er sich einen neuen Account einrichten und die App erneut hochladen. Problematisch wird das nicht nur, weil auf diese Weise Anwender keine Updates mehr erhalten und die Bewertungen flöten gehen, sondern auch, weil Anwender bei kostenpflichtigen Apps selbige erneut kaufen müssen.

Ein letzter Punkt sind bezahlte Upgrades, die Apple nicht zulässt. Ein Entwickler, der ein App-Update verkaufen möchte, muss die App als neue App einreichen. Aus Programmierer-Sicht ist das eine schlechte Situation: Irgendwann ist die Nachfrage an der eigenen App gesättigt und es fließt kein neues Geld mehr nach.

Engst kommentiert die gesamte Situation damit, dass Apple während seiner letzten, äußerst erfolgreichen Jahre den Blick auf solche “Real-World-Problems” verloren hat. Man versuche eher eine hohe Hardware-Qualität zu erreichen als sich um die Software zu kümmern. Dies soll nicht bedeuten, dass Apple in der nächsten Zeit pleite gehen wird, erst recht nicht gemessen an den Quartalszahlen, aber langfristig könnten solche Probleme durchaus negativ für das Unternehmen sein, ist seine abschließende Meinung.

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 5 Kommentar(e) bisher

  •  Genius sagte am 6. Februar 2013:

    Sehe ich genauso! Entspricht meiner Erfahrungen und vor allem bei Mac-os sieht es traurig aus. Die Software leidet wirklich :( Snow Leopard war einfach das beste. Unter Lion konnte man nicht mal den Magic Maus richtig verwenden, da es zu Verbindungsproblemen kam, daher habe ich auf das iPhone dieses Jahr verzichtet, allerdings ist der ios 6 unter ipad 3 genauso traurig.

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  •  hans sagte am 7. Februar 2013:

    der die das – wieso weshalb warum!?

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  •  Felix Reynolds sagte am 8. Februar 2013:

    Kann ich nur bestätigen. Als 23-jähriger Apple-Kunde (mein erster Rechner, ein Macintosh SE/30 von 1990, steht noch im Regal) habe ich noch nie so einen Pfusch bei Apple erlebt wie Snow Lion und das iTunes 11 Update.
    iTunes konnte ich dank einer inzwischen funktionierenden Time Machine auf 10 zurückdaten (geht nur zusammen mit dem gesamten System!!!), 10.8 muss ich wegen davon abhängiger Programme leider behalten. Nach dem Update von 10.6.8 auf 10.8.1 hatte ich extreme Probleme mit WLAN, das einfach abbrach. Time Machine, die ich zu diesem Zweck zum ersten Mal benutzt habe, hatte nur 5 Ordner gesichert. Dummerweise habe ich nach ein paar Stunden (!) Backup nicht genau überprüft, was drin war und musste bei einem Termin im Macstore schnell entscheiden, ob ich noch eine weitere Woche auf den nächsten “Genius” Termin warten will, oder jetzt den Rechner noch mal vom Profi platt machen lasse. Vorher hatte ich Wochen mit der Hotline zu tun, die alles vermuteten, nur nicht, dass am OS was defekt sein könnte (“Mit Fritzboxen gibt es öfter Probleme”). Später habe ich recherchiert, dass die Probleme seit Lion bekannt sind. Unter 10.6 hatte ich damit gar keine.
    Nachdem ich nachweisen konnte (per gefilmtem Handy und einem alten MicroSoft Laptop, auf denen gleichzeitig über WLAN die Tagesschau lief – beim Mac blieb sie dann stehen), hat mir der Obergenius sogar seine private E-mail gegeben, um mir weiter zu helfen. Nach dem plätten war es nicht mehr nötig. Dafür hatte ich viele Daten, z.B. Fotos von bis zu 5 Jahren verloren. Alles, was ich nicht doppelt gebackupt hatte.
    Mein Wacom Tablett lädt jetzt als eine der letzten Applikationen, so dass ich erst mal 1-2 Minuten (nach flottem Hochfahren von einer SSD) mit extrem langsamer Maus operieren muss, oder halt mit dem Touchpad.
    Mein nächster Rechner wird möglicherweise wieder ein Mac, das OS wohl nicht. Ein Eifon/Pad kommt mir nicht ins Haus, die Konkurrenz reagiert viel schneller auf Probleme und verwendet nicht bei jedem neuen Modell einen neuen Connector. Die Gängelung beim Kauf eines Betriebssystems (iTunes Account) erreicht mittlerweile die Unbequemlichkeit von MicroSofts COA-Aufkleber und regelmäßigen, wohlgemeinten Identitäts-checks. Linux kann inzwischen auch schon mithalten, oder eben gleich FreeBSD. Es ist ein großer Schritt, aber die Zeit, die ich da investiere, kann ich anderswo (z.B. bei Beratung) wieder reinholen.

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    •  Felix Reynolds sagte am 8. Februar 2013:

      Leider bekommt die neue Kundengeneration (jung, hip, maßlos anspruchsvoll aber ahnungslos) nicht mit, wie genial Apple mal war und was das für ein wirrer Haufen geworden ist.

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      •  Felix Reynolds sagte am 8. Februar 2013:

        …und noch was – das ist alles schon mal passiert – als Steve Jobs gegangen wurde, ging es bergab mit Apple.
        Er hat in der Zwischenzeit NEXT und Pixar Studios gegründet, hat neue Rechner und ein OS entwickelt, das Vorbild für OS X wurde, dann durfte er Apple retten. Es ist kein S.J. mehr in Sicht, braucht es auch nicht. Der Ball, den er losgetreten hat, rollt überall weiter. Mal sehen, wie weit.

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