Kommentar: 23. November 2013,

Amazon Coins: Der späte Zug für die eigene Bilanz?

Amazon Coins
Amazon Coins

Amazon führt nun auch in Deutschland die Amazon Coins ein. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Währung, die beim Kauf von Apps und Inhalten für Amazons Kindle Fire Produkte genutzt werden können. Es gibt zwei Gedanken, die ich zur Einführung der Amazon Coins gerne vorbringen möchte.

Zu spät auf den Zug aufgesprungen?

Der erste ist derjenige vom sprichwörtlichen Zug, auf den Amazon aufspringt. Der Online-Händler tut dies sehr spät. Denn irgendwelche Quasi-Währungen wie Microsoft Points oder Rabatt-Punkte bei entsprechenden Systemen wie Payback gab es schon Jahre. Letztere sind allerdings weniger interessant, weil sie nur mittelbar gegen Geld getauscht werden. Die Kunden kaufen etwas, erhalten dafür einen Bonus und können diesen bei zukünftigen Käufen wieder einlösen.

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Bei den Amazon Coins ist es eher wie bei den WiiWare-Points im eShop… oder den Microsoft Points auf Xbox Live. Doch diese Aussage trifft nicht zu. Denn bei Nintendo und Microsoft kaufen Nutzer keine Punkte mehr, sondern nur noch echtes Geld. Im eShop für Wii U und 3DS, aber auch auf dem Xbox Live Marktplatz wird nur noch gegen Bares gehandelt. Microsoft hat 2013 die bestehenden MS-Points seiner Kunden in harte Währung zurückgerechnet. Beide Firmen haben gemerkt, dass sich die Idee von einer virtuellen Währung, wie sie sie im Sinn hatten, nicht auszahlt. Warum also springt Amazon dann jetzt auf den Zug auf, den andere große Mitbewerber schon längst wieder verlassen haben?

Die eigene Bilanz

Das bringt mich zu meinem zweiten Gedanken: Amazon ist in der Wahrnehmung der Bevölkerung eine der größten Marken und Firmen weltweit. Tatsächlich verfügt der seit 1997 börsennotierte Anbieter über ein großes Volumen, doch die Geschäftsberichte seit der Gründung 1994 haben in den ersten Jahren des Bestehens immer rote Zahlen ausgewiesen. Von mir analysierte Geschäftsberichte gehen bis auf das Jahr 1996 zurück. Demzufolge schrieb der Konzern bis 2002 rote Zahlen.

Und heute? Trotz 17,09 Milliarden US-Dollar Umsatz im 3. Fiskalquartal 2013 erzielte das Unternehmen 41 Millionen US-Dollar Verlust. Für das 4te Quartal gab Amazon eine eigene Prognose heraus, die ebenfalls Verluste ausweist. Gewinne fielen meist sehr niedrig aus. 7 Millionen US-Dollar konnte das Unternehmen beispielsweise im Q2 2012 erwirtschaften. Wer sich die Tabelle mit den Quartalsergebnissen der Jahre 1996 bis 2013 ansieht, die ich erstellt habe, und das zugehörige Diagramm, der stellt einen enormen Umsatzanstieg fest, aber kaum Gewinn nach Steuern.

Eine virtuelle Währung wie die Amazon Coins, die in den USA bereits vor einem halben Jahr eingeführt wurden, kommt dem Anbieter da sehr gelegen. Denn mit ihr kann man echte Währung dem Umsatz hinzufügen, muss aber auf der anderen Seite keine mehr an den Kunden zurückgeben, jedenfalls nicht unmittelbar. Angenommen Kunde X wünscht eine Rückbuchung, erhält er zunächst einmal nur Amazon Coins, nicht aber bares Geld. Amazon muss dann keinen Fehlbetrag ausweisen. Erst wenn Kunden darauf pochen, das Geld ausbezahlt zu kriegen, muss Amazon es wieder in Umaluf bringen. Auf diese Weise entsteht eine Differenz zwischen Umsatz durch gekaufte Coins und tatsächlich zurückgezahltem Geld. Für Amazon könnte dies den Effekt haben, die eigene Bilanz positiver zu gestalten.

Aktuell erhalten Besitzer eines Kindle-Fire-Produkts zum Start 500 Amazon Coins gratis. Diese haben einen Wert von 4,80 Euro. Nicht auszumalen, wenn mehrere Millionen Kindle-Fire-Besitzer aber lieber die bare Münze haben wollten.

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