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Veröffentlicht am  17.01.14, 21:10 Uhr von  

Kooperation von Watchever und ZDF gut für GEZ-Gebühr?

Watchever Watchever - iPad-Screenshot

Kürzlich erhielten wir eine Pressemeldung über die Kooperation des Video-on-Demand-Service Watchever und ZDF Enterprises über Inhalte, die auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt werden. Wir wollten von Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Frank Fischer, wissen, ob und inwieweit sich dies auf die GEZ-Gebührenzahler auswirkt.

Watchever meldet die Zusammenarbeit mit ZDF Enterprises. Auf der Video-on-Demand-Plattform werden fortan auch Produktionen gezeigt, die sonst im ZDF oder anhängigen Spartensendern gezeigt werden. Der Vertrag ist zunächst auf zwei Jahre befristet.

Für Erwachsene

Zum Beginn der Kooperation werden Formate ausgestrahlt wie die Erzählung einer Berufsfamilie im Polizeimilieu, KDD Kriminaldauerdienst, oder der dänisch-schwedisch-deutsche Mehrteiler-Krimi “Die Brücke – Transit in den Tod”. Zu sehen ist außerdem der Historien-Film “Krupp – Eine deutsche Familie”.

Kinder- und Jugendprogramm

Der Pressemeldung ist außerdem zu entnehmen, dass das Angebot regelmäßig aktualisiert werden soll und auch Teenager-Serien wie “H2O – Plötzlich Meerjungfrau”, “Dance Academy” (Staffel 1-3) und “Mako – Einfach Meerjungfrau” im Programm von Watchever zu sehen sein werden. Für die Kleinsten sollen zum Beispiel “Peter Pan – Neue Abenteuer”, “Dschungelbuch” oder “Wendy” gezeigt werden.

Lobhudelei?

Bei ZDF Enterprises freut man sich über die Zusammenarbeit. Dr. Alexander Coridass, Geschäftsführer Strategie und Unternehmensentwicklung beim Unternehmen, nennt Watchever einen “innovativen Patner”.

Zweimal zahlen?

Viele der Senderinhalte, heißt es in der Pressemeldung weiter, könnten auch im Offline-Modus geguckt werden. Doch bei der Euphorie, die in der Meldung versucht wird zu verkaufen, wird außer Acht gelassen, dass quasi alle Kunden in Deutschland bereits für die GEZ zahlen und somit doppelt zur Kasse gebeten werden? Dieser Verdacht liegt zumindest nahe.

Gebühren langfristig senken?

Wir fragten deshalb nach bei Frank Fischer, seines Zeichens Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, der früher zum Beispiel selbst als Unternehmensjurist bei einer Firma der RTL-Gruppe tätig war. Seine Antwort erstaunt, gibt er immerhin an, dass langfristig solche Kooperationen sogar zur Senkung der GEZ-Gebühr beitragen könnten.

“Aus meiner Sicht ist das Zustandekommen solcher Verträge gut, wenn nicht sogar begrüßenswert. Die Einnahmen, die die öffentlich-rechtlichen Sender über solche Kooperationen erzielen, können sogar dazu führen, dass die Rundfunkbeiträge auf lange Sicht gesenkt werden. Alle drei Jahre überprüft die KEF (Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs) nämlich den Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und empfiehlt gegebenenfalls eine Anpassung des Rundfunkbeitrags. Erzielt der öffentlich-rechtliche Sender zusätzliche Erlöse, senkt sich sein Finanzbedarf.

Fragwürdiger ist in der Praxis eher die Tatsache, dass die Produzenten wenig bis gar nicht von den Vorteilen solcher Kooperationen profitieren können. Die Vergütungen, die von den Sendern für Fernsehsendungen an die Produzenten gezahlt werden, sind entschieden zu niedrig. An der Verwertung der Programme über die Fernsehausstrahlung hinaus sollten die Produzenten angemessen vergütet werden.”

Ra Frank Fischer

Ein wenig Skepsis bleibt am Ende aber doch. Was haltet Ihr von derlei Kooperation? Findet ihr es ungerecht doppelt zahlen zu müssen?

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 11 Kommentar(e) bisher

  •  Tobi sagte am 17. Januar 2014:

    Ihr wisst schon, dass es keine GEZ-Gebühr mehr gibt?

    Antworten 
    •  at sagte am 18. Januar 2014:

      Du möchtest, dass wir das Ganze euphemistisch “Rundfunkbeitrag” nennen? Vielleicht bist du lediglich einem Marketingtrick aufgesessen. Denn der Rundfunkbeitrag ist dasselbe in Grün, und zwar ungefähr Hexcode #016972. Nur dass mehr Verwaltungsangestellte benötigt werden als vorher, obwohl durch die pauschale Abgabepflicht für Haushalte deutlich weniger bürokratischer Arbeitsaufwand entsteht.

      Antworten 
      •  Bund der empfohlenen Rundfunkgebührenzahler sagte am 18. Januar 2014:

        Ganz meine Meinung. Dass die Rundfunkgebühren nicht mehr aktiv eingezogen werden, ändert an der Sache herzlich wenig, es bleibt die GEZ ;-)
        “Die Einnahmen, die die öffentlich-rechtlichen Sender über solche Kooperationen erzielen, können sogar dazu führen, dass die Rundfunkbeiträge auf lange Sicht gesenkt werden“. Da bin ich ja mal gespannt und voller Vorfreude, um wieviel Cent der Betrag in den nächsten Jahren, irgendwann, mal gesenkt werden würden könnte.

        “Alle drei Jahre [wird] nämlich [der] Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks [überprüft] und [die KEF] empfiehlt gegebenenfalls eine Anpassung des Rundfunkbeitrags.“ Ein typischer Pressetext. Was soll ich mit einer Empfehlung anfangen? Was haben die denn in der Vergangenheit gebracht? Ich empfehle mich.

        Antworten 
        •  Stowasser sagte am 19. Januar 2014:

          @Bund der empfohlenen Rundfunkgeb

          was die KEF gebracht hat?

          Ich erinnere mich z.B. an einige Pressemeldungen aus 2011 und die Aussage eines WDR-Mitarbeiters in diesem Bereich, den ich privat kenne: Für 2012 wurde eine Gebührenerhöhung beantragt um die benötigten ca. 500 Mio EUR für Lizenz- bzw. Übertragungskosten für Fußball und Olympiade finanzieren zu können. Wenn die KEF das nicht abgeschmettert hätte, würden wir heute alle etwas mehr bezahlen.

          Und auch sonst haben einige hier wohl nichts mitbekommen: “GEZ-Gebühr” haben zwar viele gesagt, alle haben’s verstanden, aber gegeben hat’s die nie. Das hat man spätestens dann bemerkt, wenn man mal einen Streit mit denen vors Gericht getragen hat, dann war nämlich plötzlich die zuständige Landesrundfunkanstalt der Gegner und nicht die GEZ, die hatte nämlich keine Rechtsfähigkeit. Die gibt’s jetzt auch nicht mehr in dieser Form, und aktiv die Beiträge einzuziehen wird jetzt vom Beitragsservice erledigt.

          Antworten 
  •  Dr. P sagte am 18. Januar 2014:

    Gehts noch? Bereits über GEZ/Rundfunkbeitrag bezahlt, soll man bei Watchever nochmal bezahlen? Ich betrachte eigentlich alles bisher vom ÖR produziertes als Volkseigentum.
    Der ÖR kann ja konsequent ganz zu Watchever umziehen, bzw. eine Vermarktung über ähnliche Anbieter vornehmen. Jeder Interessent kann dann bezahlen für das was er sehen möchte und GEZ/Rundfunkbeitrag/Wohnungssteuer für Nichtinteressenten entfallen. Im Moment sehe ich eine solche Kooperation als Marktverzerrung und Geldmacherei.

    Antworten 
    •  Stowasser sagte am 19. Januar 2014:

      Geht’s noch? Extra-Service mitnehmen aber niucht extra bezahlen wollen? Es rufen doch so viele nach Pay-TV auch bei den ÖR, und wenn jetzt soetwas ‘obendrauf’ angeboten wird und ‘obendrauf’ Geld kosten soll, wird trotzdem wieder protestiert ?!?!?!? Wer macht schon gern sein Portemonnaie auf, aber umsonst geht halt nicht so einfach. Da stimmt etwas mit Deinem Weltbild nicht.

      Aber warten wir doch die Beitragsentwicklung ab. Da das Beitragsaufkommen offensichtlich deutlich steigt, wird solch eine Ausweitung vielleicht doch beitragsfrei angeboten werden – neben einer Beitragssenkung für jeden Einzelnen.

      Antworten 
  •  Netz TV sagte am 18. Januar 2014:

    Der Gebühren-Topf ist so gross, dass die Watchever- Einnahmen darin weder messbar sein noch zu irgendwelchen Beitrags-Änderungen führen werden. Trotzdem ist die Kooperation eine gute Sache. Die ursprünglich geplante rein oeffentlich-rechtliche Plattform “Germanys Gold” wollte das Bundeskartellamt ja nicht.

    Antworten 
  •  dasDing sagte am 18. Januar 2014:

    watchever wird gekündigt…

    Antworten 
  •  strange sagte am 18. Januar 2014:

    Wenn es nach den ÖRs ginge gäbe es das ganze Programm die ganze Zeit im Netz. Doch leider haben zum einen die Ministerpräsidenten den Sendern Auflagen über die Verweildauer gemacht. Zum anderen ist es beispielsweise bei Ko-Produktionen sehr teuer die Online-Rechte zu für einen langen Zeitraum zu erwerben.

    Davon ab baut die ehemalige GEZ gerade Stellen ab, weil durch den Runfunkbeitrag viel Arbeit bei der Fahndung nach “Schwarzsehern” wegfällt.

    Ich weiß nicht ob ihr es schon gehört habt, aber durch den neuen Gebührenmodus wird der Rundfunkbeitrag in der kommenden Periode wohl auf 17,25€ (-0,69€) sinken und das obwohl der Beitrag seit etwa 6 Jahren nicht mehr angehoben wurde.

    Antworten 
    •  Stowasser sagte am 19. Januar 2014:

      Woher hast Du diese Zahl? Das Beitragsaufkommens steigt zwar deutlich und kräftig, aber es gibt noch einige Unwägbarkeiten, die einen kräftigen Teil davon ‘auffressen’ könnten. Die Beitragssenkung ist dennoch im Gespräch, aber wieviel das sein wird?

      Antworten 
  •  Jens Olsson sagte am 20. Januar 2014:

    “doppelt“ habe ich eine Film- oder Fernsehproduktion noch nie bezahlt – auch nicht “einfach“; mit meiner Gebühr/ meinem Beitrag zahle ich gerade mal “anteilig“ die Produktionskosten, die Verbreitung über die flächendeckende Senderkette, die Instandhaltungskosten der dafür notwendigen Gerätschaften und das Fachpersonal.

    Die Dienstleistung von Watchever besteht doch darin, “auf Abruf“ Inhalte zur Verfügung zu stellen, für deren zur Verfügung-Stellen Watchever sicher nur einen Bruchteil des Betrages bezahlt, den Watchever mir als Kunden abknöpft, oder?

    Wenn dadurch tatsächlich für die ÖR wirksame Einnahmen – neben der Werbung durch das Produkt- entstehen sollten, kann das zur Verminderung der “Gebühr“ führen, oder zu weniger Wiederholungen und mehr neuen Produktionen, – egal in welchem Genre.

    Also könnte der Beitragszahler auch davon profitieren ;-)) Jens

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