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Veröffentlicht am  31.01.14, 2:53 Uhr von  

Ist Motorola für Google ein Minusgeschäft gewesen?

Motorola Motorola-Logo

Der Verkauf von Motorola Mobility samt 2000 Patenten an Lenovo für $2,91 Milliarden lässt uns zunächst vermuten, dass Google ein Minusgeschäft gemacht hat, da man 2012 für die Übernahme von Motorola knapp $13 Milliarden gezahlt hat. Die Wahrheit ist… etwas komplexer.

Der Kollege Carsten Drees (Mobilegeeks) hat eingewendet, dass der Verkauf Motorolas von Google an Lenovo kein Minusgeschäft sei. Seine Rechnung ist aber deutlich zu einfach, um am Ende das Argument zu entkräften, Google habe ein Minusgeschäft gemacht.

Motorola gekauft

Im Mai 2012 übernimmt Google das Unternehmen Motorola. Teil dieses Geschäfts sind die Mobil-Sparte (Motorola Mobility), das Geschäft mit Set-Top-Boxen und ähnlichen (Motorola Home) und abertausende Patente (zum Zeitpunkt des Kaufs hielt Motorola Mobility 14.600 Patente, weitere 6.700 waren eingereicht). Der Kaufpreis belief sich auf $12,4 Millarden US-Dollar, $5,5 Milliarden davon verzeichnete Google als Kosten für Patente und entwickelte Technologien (“$5.5 billion was attributed to patents and developed technology”).

Dass einerseits der Wert von Patenten nur schwer zu bemessen ist, dass andererseits die Bewertung immer zugunsten desjenigen ausfällt, der sie erhebt, und dass “entwickelte Technologien” nicht eindeutig sind, macht es schwer, den tatsächlichen “Wert” der gesamten Patente zu evaluieren und damit zu rechnen.

Was den Wert zumindest einiger Patente deutlich schmälert ist eine Entscheidung der US-Handelskommission Anfang 2013, die Google zur Auflage gemacht hat, der Konkurrenz Zugriff auf basale, durch Patente geschützte Technologien einräumen zu müssen. Auf diese Weise kann Google nicht ohne Weiteres Konkurrenten verklagen, die von diesen Technologien Gebrauch machen, sondern muss sie an diese lizenzieren, ob man möchte oder nicht. Die Lizenzgebühren wirken gegenüber den möglichen Alleinstellungsmerkmalen, hätte man die Patente nicht sub-lizenzieren müssen, wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Motorola Home verkauft

Nur Monate nach dem Kauf, im Dezember 2012, verkauft Google die Set-top-Box-Sparte Motorola Home an die Arris Group (der Kauf wird erst im April 2013 abgeschlossen). Es wird ein Kaufpreis von $2,35 Milliarden ausgemacht, wobei Google $2,2 Milliarden in Barmitteln erhält, und rund $150 Millionen in Form von Aktien, nachdem ursprünglich weniger Barmittel und mehr Aktien veranschlagt waren. Arris kauft einige Patente und lizenziert weitere von Google. Allein 2.000 Patente gibt Google an Arris ab und verliert gleichzeitig aber auch 29% am Gesamtumsatz, den die Home-Sparte innerhalb Motorolas produzierte (vgl. Slashgear).

Motorola Mobility verkauft

Das neue Geschäft mit Lenovo hat einen Wert von $2,91 Milliarden, muss allerdings noch von Kartellbehörden in den USA und China abgesegnet werden. Laut Google erhält Lenovo “mehr als 2.000” Patente. Das bedeutet aber auch, dass Google weiterhin das Gros der Patente besitzt, die man seinerzeit durch die Akquise erwarb.

Verlust durch den Betrieb

Obwohl Google schon im Jahr 1 der Übernahme das Personal bei Motorola deutlich reduzierte, schrieb man damit keine schwarzen Zahlen (vgl. Google Investor Relations). Im Gegenteil. Geht man die Präsentationsfolien der einzelnen Quartale seit der Übernahme durch, hat Motorola im Betrieb Google bislang über $2,3 Milliarden US-Dollar gekostet und wird, bis die Übernahme durch die Institutionen abgesegnet ist, noch mehr Geld kosten.

Kauf von Motorola              $ (12,4)      Patente: 14.600
Verkauf von Motorola Home      $   2,35      Patente: 12.600
Verkauf von Motorola Mobility  $   2,91      Patente: 10.600
Verlust von Motorola Q2-2012   $    (233)
Verlust von Motorola Q3-2012   $    (527)
Verlust von Motorola Q4-2012   $    (353)
Verlust von Motorola Q1-2013   $    (271)
Verlust von Motorola Q2-2013   $    (342)
Verlust von Motorola Q3-2013   $    (248)
Verlust von Motorola Q4-2013   $    (384)
                              ------------
                               $  (12,117)

Durch die steuerliche Abschreibung, mag mancher Verlust geringer ausgefallen sein als hier dargestellt. Darüber hinaus muss man aber ernsthaft diskutieren, ob sich das Geschäft für Google unterm Strich gelohnt hat. Googles eigener Preis für die Patente wurde mit $5,5 Milliarden angegeben. Einige davon wurden verkauft. Selbst wenn man den vollen Preis noch als “Wert” abzieht, bleibt ein dickes Minus.

Wie viel Geld Google durch den Erwerb der Patente bisher verdient hat, kann ich leider im einzelnen nicht nachvollziehen, hätte es aber gerne gemacht, um “meine” Rechnung gegenüber derjenigen des Kollegen Drees noch zu konkretisieren.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 1 Kommentar(e) bisher

  •  D sagte am 31. Januar 2014:

    Wenn man sich die Klage-Schlachten zwischen Samsung und Apple anschaut, hatte der Kauf durchaus Sinn.

    Ebenso, wenn man auch bedenkt, dass Motorola in der Geschichte das Autoradio, das Walkie-Talkie und somit praktisch das Mobilfunkgerät erfunden haben, können sich ungemein große Wege öffnen, die sich erst in der Zukunft zeigen werden. Die Frage noch Plus oder Minus sollte man auch mal langfristig sehen. Wer in den 2 Jahren auf den schnellen Gewinn aus ist, hat auf dem Kapitalmarkt eh verloren. “It takes money, to make money”.

    Ich denke, dass Google durchaus in der Lage ist mit großen Zahlen zu rechnen und sich den bestmöglichen Profit aus diesem Deal zu ziehen. Der Verkauf von Motorola steigert überdies auch die Verbundenheit von Google und anderen Smartphoneherstellern. Dadurch unterbindet Google, dass Hersteller wie z.B. Samsung aufhören eigene Dienste zu entwickeln und stattdessen auf Google Dienste setzen. Denn man hat es gar nicht gerne, wenn jemand Geld zahlt um sein System nutzen zu dürfen und denjenigen gleichzeitig auch als Konkurrent auf dem Markt zu sehen.

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