MACNOTES

Veröffentlicht am  19.07.14, 22:45 Uhr von  Alexander Trust

Kommentar: Über Detoxing, Links und die Implosion im Netz

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In einer Kolumne auf Macnotes hat vor Jahren noch ein gewisser A. Cherif regelmäßig übers Wetter geplaudert, immerhin braucht eine Kolumne ein wiederkehrendes Thema; draußen ist es drückend und schwül. Mir dient dieser Einstieg in meinen Kommentar aber zu einem Sprachbild, das ich nutzen kann, wenn ich die aktuelle Situation um Links im Internet und deren Management kommentieren mag.

Links im Internet zerfallen buchstäblich zu Staub und gerade weil Google und die SEOs dieser Welt sich ein Rennen wie Hase und Igel liefern, entsteht für beide, aber auch für Otto Normal ein sukzessive größer werdenes Problem. Denn Links sind ja eigentlich eine Währung im Netz. Doch deren Missmanagement führt zu einer Inflation ihres Werts.

Macnotes hat seit 1.7. einen neuen Besitzer. Im Zuge der Neuausrichtung von Macnotes wurde die Seite mit einigen anderen Seiten, u. a. aus meinem eigenen Portfolio zusammengelegt. Was bei der Arbeit mit “altem” Content aus den Jahren 1999, 2004 oder 2006 (als Macnotes gegründet wurde), auffällt, ist wie unübersichtlich das Internet wegen der vielen Links geworden ist.

Implosionsgefahr?

Meine Prognose lautet: Das Netz implodiert, weil niemand mehr die Links nachhalten kann. Es ist eine Sisyphusarbeit geworden, und das, obwohl alle Welt doch von Big Data quatscht. Nur Link-Management ist leider nicht so einfach und automatisiert nachzuvollziehen.

Macnotes selbst hatte zum Zeitpunkt der Übernahme bereits mehr als 14.000 Texte. Durch die Zusammenlegung mit u. a. iPhone-Notes, Sajonara, IchSpiele und anderen mehr, sind es nun weit mehr als 30.000. Darin finden sich Links zu Inhalten, die lange nicht mehr vorhanden sind. Was passiert dann? Und warum ist das ein Problem fürs Internet? Nun, das Internet besteht eben nicht nur aus Macnotes, sondern aus vielen anderen Seiten, auf denen es nur genauso ausschaut(e).

Wir selbst arbeiten daran, alle Inhalte zu konservieren, die sich lohnen aufzuheben. Sind manche Inhalte zu kurz, oder etwa Medien nicht mehr verfügbar und kann man Links nicht mehr rekonstruieren, etwa mit Hilfe von Archive.org, die zum Verständnis eindeutig notwendig sind, dann löschen wir die Beiträge von früher und leiten euch stattdessen auf einen Hinweis zur Qualitätssicherung weiter.

Wenn Besucher auf einen Link von damals klicken (und damals kann bei mancher Halbwertszeit von Internetangeboten sogar 2011 heißen), dann zeigt ihnen ihr Browser bestenfalls tatsächlich die Seite noch unter einem neuen URL, weil der Betreiber eine Weiterleitung eingerichtet hat. Das ist aber in den wenigsten Situationen der Fall.

404, 301 und Darkhats

Schön wäre es, wenn der Status Quo zumindest eine Fehlerseite (404) wäre, dort wo eigentlich ein interessanter Inhalt hätte sein sollen. Das ist er aber leider nicht. In manchen Fällen bekommen Besucher Domainparking-Angebot von SEDO und Co. zu sehen, weil ein Domainhändler X, Y sich die Topleveldomain Z gekauft hat, unter der 2006 eigentlich noch ein kleiner Software-Entwickler sein Dashboard-Widget angeboten hat, oder es einen Tech-Blog zu lesen gab, der dann irgendwann, unbemerkt die Segel gestrichen hat. Doch das ist die Perspektive des Nutzers. Die Perspektive des Webseitenbetreibers ist eine andere: Denn Google mag keine Verweise auf 404-Links und qualitativ minderwertige Inhalte. SEDO-geparkte Domains gehören dazu, denn auf diesen gibt es nur Werbung und sonst nichts. Technisch kann man überprüfen, ob ein Link an seinem Ziel ankommt. Man weiß aber nicht in jedem Fall, ob der dort gezeigte Inhalt auch wirklich der ist, den man guten Gewissens vor Jahren verlinkt hat. Deswegen gehört zum Link-Management sehr viel Handarbeit.

Ganz bitter böse ist allerdings, wenn “unlautere” Personen (Darkhats) sich einstmals bekanntere Domains unter den Nagel reißen und damit Schabernack treiben. So ist es mir schon mehrfach vorgekommen, dass man bei Klicks auf Links in ein Karussell von Werbeweiterleitungen gerät. Der eigene Browser öffnet eine Weiterleitung nach der anderen, und hat schließlich ein halbes Dutzend Werbeeinblendungen für jemanden erzeugt, der auf diese Weise versucht sich eine goldene Nase zu verdienen. Es leuchtet ein, dass Google so etwas erst recht nicht mag. Wer als Webseitenbetreiber nicht aus eigenem Interesse alle seine Links kontrolliert, der muss sich nicht wundern, wenn die eigene Webseite irgendwann mal keinen Pfifferling mehr wert ist.

Ausgehende Links sind ein Problem

Zurück zur Implosion: Die Zahl der Dokumente und die Zahl der Links, die man damit einhergehend kontrollieren müsste, steigt, je länger man so eine Webseite betreibt. Wer möchte es jemandem zumuten, das Alles aufwändig nachzuhalten? Und was wäre die Alternative? Eine technische Lösung, die eventuell mehr verschlimmbessert als sie hilft? Oder macht man nicht unter Umständen besser Tabula Rasa und entfernt direkt alle ausgehenden Links?

Detoxing, vom Spielzeug zum Wahn

Das klingt drastisch, doch Google und die SEOs dieser Welt könnten einen dazu antreiben. Denn deren neustes Spielzeug ist Link-Detoxing, also eine Entgiftung, die sie sich selbst eingebrockt haben. Das endet jedoch in einer hanebüchenen Situation.

Diese Woche wurde unsere Redaktion angeschrieben von einer Agentur, die wollte, dass wir einen Link ihres Kunden doch bitte entfernen mögen. Tatsächlich handelt es sich um ein Jobboard, bei dem vor Jahren (2006) mal eine Stellenanzeige darauf hinwies, dass Apple Mitarbeiter für die Eröffnung eines neuen Apple Stores in Großbritannien suchte. Wir haben als Online-Nachrichten-Angebot darauf verlinkt, so wie viele andere Webseiten auch. 2014 meldet sich dann also ein Mitarbeiter einer SEO-Agentur, der das wieder rückgängig gemacht haben möchte. Der Fehler indes liegt auf der Seite seines Klienten. Denn dieser hat die Stellenanzeige nicht konserviert, und stattdessen auf eine Rubrik-Seite von sich weitergeleitet. Entsprechend sieht es so aus, als hätte dort jemand mit Money Keywords hantiert. Das war aber zu keiner Zeit der Fall.

Wenn wir mit dem Bearbeiten aller 30.000 Dokumente fertig sind, lassen wir es euch wissen.

Wenn die Dinge aber so weiter gehen, wie bisher, dann wird es eher früher als später nicht mehr möglich sein, Links vernünftig zu warten und Google wird gute nicht mehr von bösen Links unterscheiden können, weil kaum jemand sich überhaupt darum schert, und dann… ja dann nimmt die Inflation ihren Lauf und werden Links nichts mehr wert sein.

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