News & Rumors: 19. Dezember 2014,

Tim Cook enttäuscht von BBC-Doku über Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern

Tim Cook
Tim Cook, Foto: Apple.

Jeff Williams hat sich in einem Brief an Mitarbeiter Apples in Großbritannien gewandt und darin auch Tim Cook zitiert, der äußerst angegriffen sei von den Vorwürfen über schlechte Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern in China und Indonesien, die eine neuerliche BBC-Dokumentation gezeigt hatte.

Die neuen Vorwürfe einer Dokumentation der britischen BBC über Arbeitsbedingungen bei Pegatron stoßen Apple übel auf, weil die Undercover-Journalisten von einem unerfüllten Versprechen berichten und Apples Anstrengungen außer Acht lassen. Deshalb hat sich nun der Senior Vice President für den Einzelhandel, Jeff Williams, in einem Brief an die Mitarbeiter in Großbritannien gewandt. Dieses Anschreiben liegt dem britischen Telegraph vor.

Arbeitszeiten über gesetzlichem Limit

Eigentlich sind per Gesetz in China nur Arbeitswochen von 44 Stunden möglich. Doch gesetzliche Ausnahmen erlauben Überstunden von 36 Stunden pro Monat. Dass Arbeitgeber diese Regeln ausreizen oder sogar über Gebühr strapazieren verwundert nicht. Laut BBC sollen die Arbeiter in der Fabrik von Pegatron jedoch 12 Stunden täglich schuften und teils vor Müdigkeit am Fließband einschlafen. Die Arbeitszeit von entsprechend 60 Stunden wöchentlich liegt deutlich über der gesetzlich vorgeschriebenen Grenze. Doch in diesem Punkt hat Apple über die Jahre nachgebessert und protokolliert sogar die Arbeitszeiten von einer Million Mitarbeitern in China, die darüber hinaus öffentlich gemacht werden. In diesem Jahr sollen die Zulieferer Apples zu 93% im Rahmen des 60 Stunden Limits gehandelt haben.

„Several years ago, the vast majority of workers in our supply chain worked in excess of 60 hours, and 70+ hour workweeks were typical. After years of slow progress and industry excuses, Apple decided to attack the problem by tracking the weekly hours of over one million workers, driving corrective actions with our suppliers and publishing the results on our website monthly – something no other company had ever done. It takes substantial effort, and we have to weed out false reporting, but it’s working. This year, our suppliers have achieved an average of 93% compliance with our 60-hour limit. We can still do better.

And we will.“
Jeff Williams

Ungereimtheiten bei Einstellungstest

Eigentlich gibt es beim Einstellungstest gewisse Vorgaben zu erfüllen, um die Arbeit im Werk antreten zu können. Die BBC-Journalisten dokumentierten in ihrem Film jedoch Fälle, in denen Instruktoren den Job-Anwärtern die Antworten auf Fragen einflüsterten. Damit wird der Prozess ausgehebelt und jeder als geeignet gestempelt.

Darüber hinaus wurde einem der verdeckt ermittelnden Journalisten sein Ausweis für einige Zeit abgenommen, was gegen geltende Gesetze verstößt, da alle Personen sich in China zu jeder Zeit ausweisen können müssen. Und noch immer scheinen die Unterbringungsbedingungen nicht optimal zu sein. In einem Zimmer auf dem Gelände von Pegatron wurden 12 Personen untergebracht, während Apple selbst den Betrieben ein Maximum von acht Personen vorschreibt.

Laut Williams sei Apple in der Vergangenheit gegen Arbeitshändler vorgegangen, die die Ausweise von Mitarbeitern konfisziert und sie um ihren Lohn betrogen haben. Bis heute hätte man den Arbeitern so geholfen $20 Millionen von den Arbeitsvermittlern zurückzuholen. Auch würde man den Mitarbeitern in den Firmen ein Bildungsangebot zur Verfügung stellen, bei dem sie Kurse auf Hochschulniveau abschließen könnten. 750.000 Mitarbeiter hätten von diesem Angebot bereits Gebrauch gemacht.

„Our auditors were the first to identify and crack down on a ring of unscrupulous labor brokers who were holding workers‘ passports and forcing them to pay exorbitant fees. To date, we have helped workers recoup $20 million in excessive payments like these.
We’ve gone far beyond auditing and corrective actions by creating educational programs for workers in the same facilities where they make our products. More than 750,000 people have taken advantage of these college-level courses and enrichment programs, and the feedback we get from students is inspiring“.
Jeff Williams

Zinn-Mienen in Indonesien

Die BBC-Doku hat neben den Bedingungen in China auch das Fördern von Zinn in Minen in Indonesien thematisiert. Dort wird teils zu menschenunmöglichen Bedingungen gearbeitet. Jeff Williams stellt gegenüber den Mitarbeitern Apples klar, dass dieses Problem nicht ohne Weiteres gelöst werden kann, da der Markt für den Rohstoff nicht reguliert wird und man in diesem Bereich sehr viel mit Korruption konfrontiert würde. Apple habe sich dieselben Gebiete angesehen, die in der BBC-Doku zu sehen waren und sei ebenfalls schockiert.

„Tens of thousands of artisanal miners are selling tin through many middlemen to the smelters who supply to component suppliers who sell to the world. The government is not addressing the issue, and there is widespread corruption in the undeveloped supply chain. Our team visited the same parts of Indonesia visited by the BBC, and of course we are appalled by what’s going on there.“
Jeff Williams

Seinen Zinn nicht aus Indonesien zu beziehen würde laut Williams Apple zwar aus der Schusslinie bringen, den Arbeitern in Indonesien aber nicht helfen. Deshalb will Apple mithelfen, die Bedingungen in Indonesien zu verbessern, wo es kann.

„Apple has two choices: We could make sure all of our suppliers buy tin from smelters outside of Indonesia, which would probably be the easiest thing for us to do and would certainly shield us from criticism. But it would be the lazy and cowardly path, because it would do nothing to improve the situation for Indonesian workers or the environment since Apple consumes a tiny fraction of the tin mined there. We chose the second path, which is to stay engaged and try to drive a collective solution.
We spearheaded the creation of an Indonesian Tin Working Group with other technology companies. Apple is pushing to find and implement a system that holds smelters accountable so we can influence artisanal mining in Indonesia. It could be an approach such as „bagging and tagging“ legally mined material, which has been successful over time in the Democratic Republic of the Congo. We are looking to drive similar results in Indonesia, which is the right thing to do.“
Jeff Williams

„Apple tut am meisten“

Tim Cook zeigte sich enttäuscht von dem Bericht, vor allem von der impliziten Aussage der Dokumentation, die Apple vorwirft, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nicht zu verbessern. Tatsächlich hat Apple in den vergangenen Jahren jedoch proaktiv gehandelt und regelmäßige Kontrollen durch unabhängige Aktivisten zugelassen, deren Berichte öffentlich einsehbar sind und sogar den Fortschritt bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen dokumentieren.

Außerdem hat Apple die Zahl der Mitarbeiter in China erhöht und ist deshalb ständig vor Ort. Laut Williams seien 1400 Mitarbeiter Apples vor Ort und würden Foxconn und Pegatron ständig an Vorgaben erinnern Missstände melden.

„Panorama also made claims about our commitment to working conditions in our factories. We know of no other company doing as much as Apple does to ensure fair and safe working conditions, to discover and investigate problems, to fix and follow through when issues arise, and to provide transparency into the operations of our suppliers.

I want you to know that more than 1400 of your Apple coworkers are stationed in China to manage our manufacturing operations. They are in the factories constantly – talented engineers and managers who are also compassionate people, trained to speak up when they see safety risks or mistreatment. We also have a team of experts dedicated solely to driving compliance with our Supplier Code of Conduct across our vast supply chain.

In 2014 alone, our Supplier Responsibility team completed 630 comprehensive, in-person audits deep into our supply chain. These audits include face-to-face interviews with workers, away from their managers, in their native language. Sometimes critics point to the discovery of problems as evidence that the process isn’t working. The reality is that we find violations in every audit we have ever performed, no matter how sophisticated the company we’re auditing. We find problems, we drive improvement, and then we raise the bar.

Panorama’s report implied that Apple isn’t improving working conditions.“
Jeff Williams

In dem Anschreiben an die Mitarbeiter in Großbritannien wird außerdem auf Apples Webseite hingewiesen, in der die Arbeitsbedingungen und der Umgang mit Mitarbeitern in Zulieferer-Betrieben präsentiert wird.

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 2 Kommentar(e) bisher

  •  Principe Azzurro (19. Dezember 2014)

    Kein einziger Zulieferer in Asien oder im Fernen Osten arbeitet exklusiv für Apple. Also ist das wieder einmal ein „hit-piece“ der BBC gegen Apple: genauso gut könnten sie eine Reportage über Samsung, LG oder andere Firmen machen. Und auch über deren Zinn-Schürfung an genau den selben Stellen.

    Tun sie aber nicht.

    „This is another of Apple’s rule being broken“ ist einer der zentralen und an verschiedenen Stellen wiederholten Sätze des Reporters. Vielleicht auch der ehrlichste Satz, der er sagt korrekt aus, hier werden die Apple-Regeln von den Zuliefer-Firmen gebrochen.

    Es geht mir gar nicht darum, Apple zu verteidigen, das tun die schon selber. Aber die BBC hat mittlerweile eine beeindruckende „Tradition“ von Apple-Bashing etabliert. Die Strategie dahinter: wenn wir Apple schlagen, haben wir mehr Clicks, mehr Zulauf auf der Webseite, mehr Aufmerksamkeit. Man könnte sagen, wie ein Freund von mir in London mir heute schrieb: „The BBC is pissed that the UK is basically kicked out of the new world.“

    Fazit: alles ist relativ. Keine Frage, dass Apple die Zulieferer besser und vor allem immer wieder kontrollieren muss. Aber auch keine Frage, dass diese Reportage einer klaren, seit längerer Zeit bei der BBC sichtbaren editorialen „anti-Apple-Linie“ folgt.

  •  Peter Meier (20. Dezember 2014)

    60 Stunden obwohl nur 44 erlaubt sind? Sorry, das geht gar nicht. Die speziellen Erlaubnisgründe für Überstunden liegen nicht vor, schon gar nicht dauerhaft.
    Dabei sind Apple Produkte nicht mal billig, das neisze steckt sich der Konzern ein, er könnte den Arbeitern locker das doppelte zahlen.


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