News & Rumors: 29. Dezember 2014,

31C3: Xerox womöglich Grund für Obama-Verschwörungstheorien

31C3
31C3 - David Kriesel, Foto: CCC

Als Rausschmeißer-Veranstaltung hat in der gestrigen Nacht David Kriesel sehr amüsant auf dem 31C3 in Hamburg vorgetragen, was ein modernes Desaster in der Datenverarbeitung darstellt. Xerox-Industrie-Scanner verfügten seit 8 Jahren über einen Bug in der Komprimierung für deren Scan-Funktion. Ein Opfer ist womöglich US-Präsident Barack Obama.

„Traue keinem Scan, den du nicht selbst gefälscht hast“ lautet der Titel der Vortrags, den David Kriesel am Sonntag im Rahmen des 31sten Chaos Communication Congress in Hamburg gehalten hat. Er präsentierte einen persönlich Fall, der im letzten Jahr durch die Medien ging und aber Monate brauchte, bis er ein vermeintlich gutes Ende nahm.

In der Firma von Freunden standen Xerox-Industrie-Kopierer, die beim Scan von Architektur-Zeichnungen falsche Werte ausgaben. Scanner wie diese werden zur Digitalisierung von Dokumenten eingesetzt. In den USA nutzen viele Leute das Verb „to xerox“ anstelle von „scannen/kopieren“, weil die Geräte von so vielen Nutzern verwendet werden. Ein Analogon ist Tempo statt Taschentuch oder „googeln“ anstatt (in einer Suchmaschine) suchen.

Komprimierung manipuliert Xerox-Scans

Tatsächlich hat Kriesel sogar mit hochrangigen Ingenieuren der Firma kommuniziert und wurde mehrfach vom Vizepräsident des Unternehmens angerufen. Doch erst Monate nach dem Bekanntwerden wurde das ganze Ausmaß klar. In allen drei Qualitätseinstellungen gab es Ersetzungen beim Scannen von Dokumenten, die durch einen Bug im Komprimierungsalgorithmus begründbar waren. Um Dateigrößen von Scans zu reduzieren, wird Komprimierung verwendet. Doch wenn der Algorithmus „Gleiche“ eine „Types“ findet, ersetzt er diese Zeichen in Dokumenten mit nur einem „Token“. Der Bug sorgte aber dafür, dass auf einem Original aus einer 6 in einem Scan eine 8 wurde, oder aus einem l ein i, und andere mehr.

Scans fertigt man an, um Dokumente zu digitalisieren und potenziell für die Nachwelt zu archivieren. Nicht nur Architekten sind auf genaue Zahlen angewiesen, und niemand würde sich hinsetzen und gescannte Dokumente Zahl für Zahl oder Buchstabe für Buchstabe kontrollieren. Was nun dabei herausgekommen ist, ist ein Fiasko. Angenommen eine eigentlich rechtmäßige Verurteilung eines Verbrechers wurde auf Grundlage von gescannten und gedruckten Dokumenten angefertigt, ist nicht auszuschließen, dass man diese wegen eines Formfehlers anfechten könnte. Wenn aber in Dokumenten von Statikern oder Militär und Polizei solche Zahlenvertauschungen vorgenommen, „ohne“ dass es jemand gemerkt hat, sind in den vergangenen 8 Jahren sehr viele falsche Annahmen in Umlauf gebracht worden.

Barack Obamas Geburtsurkunde

Ein prominentes Opfer von Xerox-Bugs ist womöglich US-Präsident Barack Obama geworden. Dieser hatte, um Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, einen Scan seiner Geburtsurkunde veröffentlicht. Besonders am Mittelnamen Hussein stören sich einige Amerikaner und akzeptieren ihren Präsidenten deshalb nicht, weil sie annehmen, er sei gar kein Amerikaner. Als diese dann identische Kreuzchen, Buchstaben und andere Zeichen auf dem Scan der Geburtsurkunde fanden, fühlten sie sich bestätigt.

Indizien, die sich in den Folien von Kriesel nachverfolgen lassen, weisen jedoch in die Richtung, dass der Scan mit einem der mehreren Dutzend Xerox-Kopierer gemacht wurde, der von dem Bug betroffen war. Mit Sicherheit kann man das nicht sagen, da Obama nicht bestätigt hat, ob ein Xerox-Gerät genutzt wurde.

Xerox-Geräte aktualisieren

Als dringender Ratschlag von Kriesel gilt, wer jemanden kennt, der jemanden kennt, der ein Xerox-Gerät nutzt, sollte diese auf das mögliche Update hinweisen. Da Xerox nur in seltenen Fällen die Geräte „direkt“ an Kunden verkauft, sondern meist Büro- und IT-Dienstleister die Geräte verkaufen und warten, ist es mehr als wahrscheinlich, dass dort draußen noch zehntausende, wenn nicht hunderttausende Kopierer von Xerox mit dem Bug in freier Wildbahn zu finden sind und weiter fleißig Dokumente manipulieren.

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