Kommentar: 6. Juni 2015,

Nähkästchen #10: Londons Huren, Umleitungen und Malware

Macnotes
Macnotes unter neuer Führung

Die Überschrift soll keine Leser anlocken, sondern ist wortwörtlich zu verstehen, es geht wirklich um Londons Huren. Dass ich seit der Übernahme von Macnotes im Juni 2014 damit beschäftigt bin, zehntausende Artikel zu überarbeiten, ist für Stammleser von Macnotes kein Geheimnis mehr. Doch wie hängt diese Arbeit nun mit dem Rotlicht-Milieu Londons zusammen?

Tatsächlich ist enorm viel Handarbeit notwendig, um eine Website zu pflegen. Manche Dinge lassen sich automatisieren, andere „leider“ nicht. Solch ein Problemfeld sind „Links“. Wer vor 10 Jahren einen Link auf eine Webseite im Internet gesetzt hat, kann heute nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass dieser noch funktioniert. Gibt es die Webseite nicht mehr und ist die Domain nicht registriert, ist es relativ einfach.

Dienst am Leser

Diesen Fall könnte man sogar per Script automatisiert bearbeiten. Wird ein Link gefunden, der tot ist, bzw. ins Leere geht, dann kann man ihn entfernen lassen. Doch halt. Schon an dieser Stelle wäre es schade, wenn man die zusammenhängenden Informationen verlöre. Zum Glück gibt es das Internet-Archiv Archive.org. Bei der Überarbeitung der alten Macnotes-Artikel gehe ich wie folgt vor:

  1. Alten Link kopieren und im Browser prüfen.
  2. Je nach Ergebnis Link entfernen, neuen Link suchen oder Archive.org konsultieren.
  3. Aktualisierten Link einfügen, falls vorhanden.

Einige Webseiten von damals gibt es heute noch. Sie haben aber ihre Linkstruktur geändert. Manche Webmaster haben jedoch vergessen, entsprechende Weiterleitungen einzurichten. Also landet man auf einer 404-Seite. Das heißt nicht, dass die Inhalte von damals nicht mehr vorhanden sind. Wenn ich in endlicher Zeit über eine Suchmaschine den Inhalt finde, nutze ich ihn. In anderen Fällen sind manche Inhalte aber hinter einer Paywall verschwunden, dann muss man sich etwas überlegen.

Wenn es aber die Webseite gar nicht mehr gibt, weil die Domain längst tot ist, dann konsultiere ich das Internet-Archiv und suche dort nach einer Kopie aus dieser Zeit. Das klappt zu mehr als 50 Prozent. Dann füge ich entsprechend den neuen Link ein.

In beiden Fällen ist dies meines Erachtens ein wichtiger Dienst am Leser. Denn was nützt es, wenn er auf Macnotes historische Details findet, aber keine Belege dafür hat.

Londons Huren und Malware

Doch bis hierhin habe ich ein weiteres Problem noch nicht angesprochen. Denn es gibt noch einen weiteren Fall. Die Domain von damals gibt es heute noch, sie hat nur einen neuen Besitzer. Es ist vielleicht noch lustig, wenn früher jemand eine CAD-Software hergestellt hat und unter der Marke heute Geländewagen verkauft werden. Dann hilft mir das Internet-Archiv eventuell, den Zusammenhang zu damals wiederherzustellen. Denn den Leser würde es irritieren, wenn er auf den Link klickt, der ihn zum Autohaus leitet.

Doch es gibt noch einen anderen Fall – nämlich dubiose Internet-Geschäfte-Macher, die auslaufende oder tote Domains nur deshalb kaufen, weil sie von der Bekanntheit oder Verbreitung von Links zu dieser Domain profitieren wollen. Ich bin bei meiner Aufarbeitung bei Macnotes heute in einem Artikel aus dem Dezember 2006 über eine Alternative zu Apples .Mac-Service gestoßen. Natürlich gibt es .Mac heute nicht mehr und also hat die Webseite von damals außer dokumentarischem Zweck kaum mehr Sinn. Wer will es dem Betreiber übelnehmen, dass er sie dann nicht mehr haben möchte, wenn sie ihn nur Geld kostet, das er aber nicht hat.
Doch wurden früher unter „NotMacChallenge“ (dot) „Com“ Spenden gesammelt – quasi wie ein Kopfgeld für den Entwickler, der eine Alternative zu .Mac programmiert, findet man dort heute eine Webseite, die den Leser darüber informiert, welche Geschenke man den Edel-Huren Londons kaufen sollte, um sie zufriedenzustellen.

Dass wir als Macnotes dann auf so eine inhaltsfremde Webseite verlinken – dieses Schicksal teilen wir mit allen anderen Webseiten dort draußen. Je größer eine Webseite wird, desto unmöglicher wird dieser Verwaltungsaufwand. In 30.000 Artikeln haben wir deutlich mehr Links gesetzt. Die alle zu überprüfen, noch dazu immer wieder für die Zukunft, das ist unmöglich, leider.

Das Internet hat ein Problem

Leider deshalb, weil der Geschenk-Ratgeber höchstens Stirnrunzeln hervorruft, wenn man aber mal auf einem Erotik-Portal landet, fühlen manche Leute sich hingegen vor den Kopf gestoßen und assoziieren dieses negative Gefühl mit Macnotes, obwohl wir dafür „eigentlich“ nichts können.
Doch bei meiner Arbeit an Macnotes bin ich noch auf ganz andere Exemplare gestoßen, in denen asoziale Internet-Heinis Domains aufgekauft haben und sobald man den Link von früher anklickt wird man mitunter auf eine Cookie-Weltreise geschickt, nur um am Ende auf Zalando zu landen, oder dergleichen. Eine Weiterleitung folgt der nächsten, jedes Mal bekommt man ein Affiliate-Cookie gesetzt, damit man, wenn man zufällig doch irgendwann in dem Shop einkauft, dem dubiosen neuen Domain-Besitzer eine Provision beschert.
Noch abartiger wird es dann, wenn Webseiten von früher heute zu Malware führen. Zum Glück gibt es Browser, die einen davor warnen. Doch noch einmal: Dieses negative Erlebnis wird mit Macnotes assoziiert, obwohl wir daran „eigentlich“ keine Schuld haben.

Das Internet, so stelle ich heute nicht zum ersten Mal fest, weil ich schon an verschiedenen Orten über dieses Thema referiert habe, hat genau damit ein besonders maliziöses intrinsisches Problem. Welche Alternative gibt es dazu? Gar keine Links mehr setzen? Links nur noch über eine vertrauenswürdige dritte Instanz wie das Internet-Archiv setzen? Das geht auch nur, wenn die Webseite X Y das zulässt, und den Archive-Robot die Seite kopieren lässt.



Nähkästchen #10: Londons Huren, Umleitungen und Malware
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