Kommentar: 12. Juni 2015,

Kommentar: Weil im Apple Store Taschen durchsucht wurden

Apple Store
Apple Store in Georgetown - Mitarbeiter mit Tim Cook

Am Mittwoch wurden Gerichtsunterlagen öffentlich, aus denen hervorgeht, dass Apple-Store-Mitarbeiter sich in Form von E-Mails direkt bei Tim Cook beschwert haben sollen, weil sie die Maßgabe erfüllen sollten, die Taschen von Kollegen beim Verlassen des Ladengeschäfts zu durchsuchen. Grotesk ist einerseits eine Sammelklage in diesem Zusammenhang, nichtsdestotrotz diese Thematik ein „weites Feld“.

Mitarbeiter von Apple Stores beschwerten sich offenbar bei Tim Cook höchstpersönlich, dass sie einen Vertrauensbruch darin erkennen, wenn sie die Taschen von Kollegen durchsuchen müssten, die einen Apple Store nach ihrem Dienst verließen. Oft hieß es in der Begründung, „geschätzte Kollegen“ würden auf diese Weise wie Kriminelle behandelt. Dies berichtet die Agentur Reuters.

Diebstahl durch Mitarbeiter verhindern

Laut Mikey Campbell sind diese Taschen-Durchsuchungen bei Mitarbeitern im Einzelhandel in den USA Usus, um Diebstahl durch Mitarbeiter zu verhindern. Allerdings würden Firmen oft versuchen diese Tatsache zu verschleiern, und entweder die Durchsuchung in einem Hinterzimmer durchführen, wo Kunden dies nicht mitbekämen, oder aber man würde Mitarbeiter anweisen, durchsichtige Taschen/Tüten zu nutzen.

Wir haben also ein „hehres Ziel“, bei dem nicht jeder sich wohl fühlt und sich aber trotzdem keiner an die eigene Nase packt – dazu später mehr.

Sammelklage gegen Apple

Publik wurden diese „Informationen“ nun im Rahmen einer Sammelklage, die erstmals 2013 durch Mitarbeiter gegen Apple geführt wurde, weil diese sich beschwerten, dass die Durchsuchungen ihrer Taschen nach Dienstschluss unbezahlter Arbeitszeit entsprächen. Die Durchsuchungen sollen im Schnitt zwischen 10 und 15 Minuten gedauert haben – warum eigentlich? Darüber hinaus rechneten die Kläger weitere 5 Minuten für unbezahlte Arbeitsminuten für Mittagspausen an.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Ich kenne die Kläger nicht, aber ich weiß mit Sicherheit, dass dort draußen nicht alle Menschen nur Gutes im Schilde führen, ganz gleich ob sie Tim Took oder Otto Normal heißen. Ob man diese Taschen-Kontrollen lieber während der Arbeitszeit durchführt oder danach, das wird das Gericht entscheiden.

Dass man ohne diese auskommt ist höchstens dann möglich, wenn man „eine Alternative“ findet, in der ein Verhältnis von Vertrauen beiderseits belohnt wird. Denn man muss nicht in die USA schauen, um festzustellen, wie wenig vertrauenswürdig „Mitarbeiter“ eigentlich „sein können“.
In einem Nähkästchen erwähnte ich bereits, dass einer unserer eigenen Autoren in der Vergangenheit Rezensionsmuster bei Herstellern bestellte, jedoch weder einen Testbericht schrieb, noch dem Unternehmen die Testproben zurückkommen ließ und die damals Verantwortlichen darüber im Unklaren ließ. Wir wissen also aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn Mitarbeiter zur Elster werden.

Darüber hinaus kenne ich einen Regionalleiter eines Großmarkts in Nordrhein-Westfalen. Von diesem weiß ich, dass jedes Quartal nach der turnusmäßigen Inventur ein Fehlbetrag in mindestens fünfstelliger Euro-Höhe entsteht, in „guten“ Quartalen sogar sechsstellig ausfällt. Es ist kein Pappenstiel, wenn Waren im Wert von mehreren Zehntausend Euro geklaut werden. Dass dafür nicht immer nur Kunden des Marktes verantwortlich sind, bedarf keiner Erläuterung. Trotzdem zeigen sich alle echauffiert, wenn Unternehmen versuchen Kontrollmechanismen einzuführen.

Ich stelle deshalb nicht in Frage, dass Mitarbeiter gerne ihre „Arbeitszeit“ bezahlt haben möchten, möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass wir alle nicht so viel besser sind als unser Nachbar, der manchmal sogar Leichen im Keller liegen hat.

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