Kommentar: 16. November 2015,

Apple 2015 medienfreundlicher, trotzdem verschlossen

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Eddy Cue auf der Dropbox-Konferenz, Tim Cook in diversen TV- und Zeitungs-Interviews, Jony Ive in britischen und internationalen Medien – selbst Angela Ahrendts hat in der jüngeren Vergangenheit Interviews gegeben. Apple-Verantwortliche haben alleine in den letzten anderthalb Monaten mehr mit Medien kommuniziert, als Steve Jobs in all den Jahren zuvor. Apple zeigt sich im Jahr 2015 offener, ist aber an einer entscheidenden Stelle weiterhin verschlossen. Vor Jahren mussten viel mehr Medienvertreter und vor allem Blogger mit Klagen Apples rechnen – so etwas gibt es heute nicht mehr.

Apple hat Informationsfreiheit gefährdet

Als 2010 ein Journalist von „Gizmodo“ einen iPhone-Prototyp zum Kauf angeboten bekam und dann auf seiner Plattform thematisierte, wollte Steve Jobs das Technik-Blog aus dem Gawker-Verlag verklagen, sowie den zugehörigen Journalisten. Letztlich ging es 2011 glimpflich aus und vor allem die „Anbieter“ des Prototyps mussten sich vor Gericht verantworten.

Noch ein Stück weiter in die Vergangenheit zurück, zeigte sich Apple deutlich aggressiver: Weil „Think Secret“ seit der ersten Hälfte der 2000er viele Meldungen zu Apples kommenden Produkten veröffentlichte, und Kontakte zu Apple-Insidern unterhielt, wurde das US-Tech-Blog und dessen Betreiber Nick Ciarelli von Apple verklagt. Das Ende vom Lied? Ende Dezember 2007 wurde „Think Secret“ geschlossen, als Ergebnis einer außergerichtlichen Einigung mit Apple. Das Magazin musste seine Quellen nicht preisgeben und gleichzeitig hatte Steve Jobs dafür gesorgt, eine wichtige Gerüchte-Quelle zum Erliegen zu bringen.

Apple zahmer

Situationen wie diese sind heute undenkbar. Niemand wird verklagt, weil er vermeintliche „Geschäftsgeheimnisse“ Apples preisgibt, höchstens die Konkurrenz, die Produkte nachahmt, und selbst in diesem Fall ist Apple deutlich zahmer geworden. Dutzende Analysten, Marktforscher und Journalisten erzählen regelmäßig Informationen über Apples neue Produkte, ohne dass sie eine Klage Apples fürchten müssten.
Die Produkt-Präsentationen bieten deshalb fast nichts Neues mehr. Von Apple wird heute allerhöchstens „sanktioniert“, wie zuletzt im Fall von Journalisten aus dem Springer-Verlag, die öffentlich kritisierten, dass man ihnen die Testgeräte wegnehmen wollte, nachdem sie naiv über „Bendgate“ berichteten, den Anspruch der Quote geopfert hatten. Passiert ist? Nichts. Die Redakteure hätten sich freuen können, ein bisschen unabhängiger geworden zu sein. Das Gegenteil war der Fall. Medien, die es bedauern, wenn man ihnen Unabhängigkeit aufzwingt, sind mir suspekt und die Mitarbeiter erst Recht. Selbstgekaufte iPhones kann man gut und gerne als totalen Mist rezensieren, wenn man der Meinung sei, sie wären es, und halbwegs begründet, ohne dafür sanktioniert werden zu können. Denn wo man keine Testmuster bekommen hat, kann man sie nicht „weggenommen“ bekommen.
Die ehrlichste Berichterstattung ist noch die unabhängige. Dies musste dieselbe Springer-Presse in jüngster Zeit erleben, als im Zuge des DFB-Skandals viele ihrer Sportjournalisten nur eingeschränkt objektiv berichten konnten, weil sie mit den Verantwortlichen per Du waren. Diesen Hemmschuh haben sie sich selbst angezogen.

Apple weiterhin verschlossen

Eines hat sich bei Apple aber damals wie heute nicht geändert. Unangenehme Dinge werden nur dann thematisiert, wenn sie mehr nutzen als schaden, also wenn der Marketing-Effekt ein positiver wäre, so geschehen beispielsweise im Fall von kolportierter iCloud-Hacks, bei denen Nacktfotos von Prominenten öffentlich wurden. Dass Apple dabei kaum Schuld traf, weil vor allem Social Engineering und einfache Passwörter auf Seiten der Promis dazu führten, half sicher beim Lösen der Zunge.
Auf Fragen, wie zuletzt derjenigen nach dem Smart Keyboard des iPad Pro, oder solchen nach einer Möglichkeit zur Nutzung für iPod nanos oder iPod shuffles zusammen mit Apple Music bekamen internationale Pressevertreter hingegen keine Antwort. Diese und ähnliche Antworten wurden und werden uns früher wie heute verwehrt.

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