Kommentar: 24. November 2015,

Twitter Share-Count-API abgestellt: Na endlich!

Twitter
Twitter Fail-Whale

Das Social Network Twitter hat vor kurzem die Share-Count-API abgestellt: Auf vielen Webseiten wird nun keine Zahl mehr neben dem Twitter-Button mehr angezeigt. Nicht so auf Macnotes, denn wir haben schon vor Jahren den Stecker gezogen. Tatsächlich sollten Facebook, Google Plus und andere Social Networks es Twitter gleichtun.

Andreas Floemer von t3n argumentiert, dass der Tweet-Count, also die Anzeige, wie oft ein Artikel per Twitter weitergesagt wurde, ein Qualitäts-Signal für Leser war. Auf Macnotes haben wir diesen Tweet-Button schon lange entfernt und durch einen einfach HTML-Button mit Link ersetzt. Unsere Argumente damals? Weniger Javascript, schnellerer Aufbau der Webseite, sowie mehr Möglichkeiten beim Design.

Twitter-Count kein Qualitätssignal

Anders als Floemer sehen wir im Tweet-Count kein Signal für Qualität. Wer die richtigen Hashtags zur richtigen Uhrzeit auf Twitter setzt(e), der hat ein ganzes Sammelsurium an Bots dazu bewegt, seinen Tweet zu „retweeten“. Dazu kommt, dass große Medienhäuser eine ganze Armada an Twitter-Accounts besitzen, die dafür sorgen, dass ihre Tweets bei sogenannten „Aggregatoren“ wie 10.000 Flies oder Rivva ständig ein gewisses Grundrauschen haben und damit von Besuchern dieser Top-Listen deutlich stärker wahrgenommen werden. Natürlich ist das Manipulation dieser Algorithmen und deswegen ist es ein Leichtes auf den Tweet-Count zu verzichten.

Warum hat Twitter dieses „Feature“ abgeschaltet? Es war nie eine offizielle Funktion. Das Geheule ist also doppelt nicht nachvollziehbar. Twitter hatte keine Dokumentation für die Tweet-Count-API erstellt, weil es diese Funktion offiziell nie gab. Es haben nur findige Bastler anhand des Mechanismus von Twitters eigenen Widgets rekonstruiert, wie Twitter die Zahl der Tweets misst und entsprechend selbst Funktionen für Scriptsprachen wie PHP, Python, Ruby und andere angeboten.

Dazu kommt, dass die Funktion, wie es sie gab, alles andere als vollständig war. Sie hat immer nur einen konkreten URL betrachtet. Kommt ein Nutzer beispielsweise über einen RSS-Reader auf eine Webseite, gibt es Gewisse Parameter mit Fragezeichen und „utm…“ im URL, die genau darauf hindeuten. Hat so ein Nutzer dann auf den Tweet-Button gedrückt, hat er auf der eigentlichen Webseite nicht dafür gesorgt, dass der Zähler sich erhöhte. Denn das war nicht vorgesehen. So schlau war diese Funktion nie.

Gründe für Abschaltung

Twitter hat aber noch mehr Gründe aufgeführt, warum man nun den Stecker gezogen hat. Es hat vor allem technische Gründe. Beim Wechsel auf ein neues Datenbanksystem stand man vor dem Problem, die Funktion neu zu programmieren, oder sie abzuschalten. Auf Nachfrage bei mehreren größeren Partnern, die den Tweet-Count nutzten, sei das Interesse gering gewesen und deshalb der Aufwand für die Neuentwicklung zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt.

Darüber hinaus gibt es interne Statistiken, die Nutzer, versteckt von der Öffentlichkeit, bei Twitter selbst einsehen können und aber auch andere Anbieter, u. a. GNIP, die Statistiken gegen Bezahlung anbieten. Nun ist ein Schelm, wer Böses denkt, weil GNIP zu Twitter gehört. Dies ist jedoch nur eine Vermutung seitens der Entwicklergemeinde und würde nur zu gerne als Argument von den Kritikern angenommen.

Facebook und Co. müssen folgen

Meiner Meinung nach wurde „endlich“ ein falsches Signal abgeschaltet und sorgt nun für weniger Verwirrung im Internet. Dazu kommt, dass es ab sofort einen Grund weniger gibt, Twitter vollzuspammen. Denn mit Bots kann man keine Reichweite mehr steigern bei Aggregatoren wie 10.000 Flies oder Rivva.

Facebook, Google+ und Co. sollten denselben Schritt unternehmen wie Twitter und ihre Zählwerke abschalten. Sie sind dazu angetan, manipuliert zu werden und haben durchaus auch negative Auswirkungen. Außenstehende werden durch manipulierte Zahlen vor allem fehlgeleitet darin, dass dort, wo es vermeintlich „voll“ ausschaut, auch viel los ist. Eine andere Position in dieser Frage nimmt Stefan Evertz bei MonitoringMatcher ein, der die negativen Auswirkungen für Webmaster und Werbetreibende bespricht.

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