News & Rumors: 30. November 2015,

iPad im Aufwind?

Apple Pencil
Apple Pencil mit Procreate

Entgegen anders lautender Analysen von IDC scheint das iPad in diesem Quartal den Trend umkehren zu können und wieder Marktanteile hinzugewinnen zu können. Dies stützt sich auf Berichte des Einzelhandels.

Sascha Pallenberg nimmt aktuell negative Berichte über iPad-Verkaufszahlen zum Anlass, um dem Tablet eine düstere Zukunft in Aussicht zu stellen. Allerdings gibt es sehr viele, sich widerstreitende Analysen und Prognosen. Ganz aktuell kann Apple für dieses Quartal auf steigende Marktanteile in den USA hoffen, die sich mit handfesten Zahlen belegen lassen. Denn der zweitgrößte US-Discounter im Einzelhandel (nach Walmart), Target, meldet „extrem gute“ Verkaufszahlen am Black Friday.

Target verkauft über 80.000 iPads am Black Friday

Ein iPad jede Sekunde hat Target am Black Friday eigenen Angaben zufolge verkauft, berichtet Forbes. Apples Tablets waren beliebter als Fernseher. Das wären an diesem Tag bei Target allein rund 86.000 iPads. Der Discounter besitzt nicht nur Ladengeschäfte, sondern hat die iPads auch über seinen Online-Shop verkauft. In den Ladengeschäften hätte sich zudem die Apple Watch sehr gut verkauft und Beats Kopfhörer finden sich ebenfalls unter den Top 10.

Wie kommt es dann aber zu Schlagzeilen wie „Apple iPad Marktanteil bricht zusammen“? Pallenberg stützt sich nur auf den ersten Blick auf Informationen des IDC Tablet Tracker. In Wirklichkeit vertraut er einem Bericht von Nasdaq.com, den er als Quelle angibt, der jedoch ursprünglich von Motley Fool stammt und nur dort zweitveröffentlicht wurde.
Motley Fool ist eine Investment-Firma, die vor allem durch Abos ihre Reichtümer versucht zu steigern. Dabei werden, wie bei Kaffeefahrten, lange Reden in Form von Videos auf der eigenen Webseite geschaltet, die „streng geheime“ Aktien-Tipps versprechen, mit denen man „reich“ werden kann. Diese Videos dauern so lange, dass der Zuschauer darin mit Informationen berieselt werden kann, und Plausibilitäten irgendwann als vermeintliche Wahrheiten anerkennt, nur um am Ende doch nichts verraten zu haben. An den eigentlichen Aktien-Tipp kommt man nur, wenn man ein bezahltes Abo abschließen sollte. Dies wirkt wie eine unseriöse Geschäftspraktik und entsprechend sollte man Informationen, die durch Motley Fool verbreitet werden, unbedingt einem strengen Blick unterziehen.

Marktanteile gesunken

Richtig ist, dass die Verkaufszahlen des iPads seit der Einführung des Geräts im Jahr 2010 zurückgingen, und zwar nicht im gleichen Maß, wie der Tablet-Markt geschrumpft ist. Pallenberg bringt immer wieder das Surface Pro in Stellung und betont, wie gut dieses Tablet sei. In der Öffentlichkeit wird das Surface Pro als Konkurrenz zum iPad Pro wahrgenommen, wenngleich Apple betont, dass dies nicht der Fall ist.

Bei Fachleuten kam das Surface Pro (nicht die anfänglichen Versuche von Windows-RT-Tablets mit eingeschränkter Funktionalität) gut an. Wir haben eine ältere Generation mit Windows 8.1 in mehreren Berichten auf ihre Funktionalität hin getestet, in unterschiedlichen Kontexten, wie zum Spielen, im Uni-Einsatz und mehr. Dass das Surface Pro ordentlich funktioniert und als Laptop-Ersatz taugt, täuscht nicht darüber hinweg, dass es noch nicht zu viele Käufer gefunden hat.
Mit der Einführung des Apple Pencil ist zudem eines der Argumente für ein Surface Pro weggefallen, die wirklich gut umgesetzte Stylus-Integration. Denn die Stifterkennung funktionierte bei dem Microsoft-Gerät wirklich gut, das Anfertigen von handschriftlichen Notizen funktionierte mit dem Microsoft-eigenen Stift deutlich besser als alle iPad-Stylus – ich selbst habe allein 5 unterschiedliche Modelle von Wacom und beispielsweise Adonit getestet. Die letzten zwei Wochen konnte ich jedoch im Selbsttest feststellen, dass der Apple Pencil um Längen besser ist als alle vorher verfügbaren Stylus für das iPad.

iPad Pro der Wendepunkt?

In den letzten Wochen gab es gleich mehrere Analysen, die die Verkaufszahlen des iPad Pro in diesem Quartal in den Blick nahmen. Während KGI Securities von bis zu 2,6 Millionen Geräten sprach, ging die andere Analyse deutlich verhaltener von höchstens anderthalb Millionen Stück aus.
Localytics wertete überdies Webstatistiken aus dem eigenen Netzwerk aus und kam auf 0,3% Nutzung durch das iPad Pro innerhalb der ersten Verkaufswoche. Entsprechend müsste Apple 0,5 Millionen iPad Pro in der ersten Woche verkauft haben, was jedoch nicht zu verifizieren ist.
In „allen Fällen“ könnte das iPad Pro bis Jahresende in wenigen Monaten auf mehr verkaufte Stückzahlen zurückblicken als Microsofts gesamte Surface-Palette seit ihrer Einführung. Warum wird also die Microsoft-Konkurrenz so positiv gesehen?
Im Oktober hatte KGI Securities bereits prognostiziert, dass das iPad Pro den Fall der iPad-Verkäufe stoppen könnte. Nimmt man eine weitere Analyse von RBC Capital hinzu, dann wird das iPad Pro im Q4 2015 bereits zwei Drittel mehr Umsatzvolumen für Apple einspielen als das gesamte Surface-Line-up für Microsoft in dessen viertem Fiskalquartal erzielen konnte.

Merkwürdigerweise wurde genau auf Motley Fool ein Beitrag veröffentlicht, der der Skepsis gegen das iPad Pro widerspricht, und vor allem den Enterprise-Markt in den Blick nimmt, der Produkte nicht kurzentschlossen, sondern von langer Hand geplant kauft. Dasselbe Motley Fool also, dass in einem weiteren Artikel die Zukunft des iPads schwarzmalt?

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 1 Kommentar(e) bisher

  •  Jupp (1. Dezember 2015)

    Das Surface ist klein, schwer und teuer. Den größten Nachteil sehe ich allerdings im Bedienkonzept – Windows ist m.E. nur bedingt für die Touchbedienung geeignet. Hinzu kommt, dass die meisten Applikationen ebenfalls unzureichend für eine Tabletnutzung designt sind.
    Apple kann in diesen Bereichen einfach das bessere Gesamtkonzept vorweisen. Ein weiterer Aspekt ist die IT-Sicherheit. Wieviel Schadsoftware existiert für Windows?


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