Kommentar: 8. Dezember 2015,

Firefox OS sagt Lebewohl, endlich

Firefox OS
Firefox OS

Firefox OS gibt es nicht mehr. Mozilla hat einen Strich unter das Projekt gemacht. Folglich werden Smartphones mit Firefox OS zu Sammlerstücken und der Anbieter gerät aber zusehends unter Druck.

Eigentlich kennt man Mozilla als „echte Alternative“. Mozilla stand früher für Firefox und war die Speerspitze der Webentwicklung. Man zeigte, wie HTML wirklich funktionierte, und errang gegenüber Microsofts Internet Explorer enorme Popularität. Dann irgendwann kam Thunderbird und wurde zu einer beliebten Alternative für E-Mail und Kalender, ehe Mozilla die Handbremse anzog, weil man „andere Ideen“ hatte… und dann irgendwann hat man vor lauter Ideen den Überblick verloren und sich in dutzende Projekte verrannt. Dabei wurden die Kernfelder vernachlässigt und Freunde des Browsers mutierten zu Kritikern desselben.

Firefox OS gefloppt

Firefox OS für Smartphones (und Tablets) sollte als Web-Betriebssystem auf eine neue Zeitrechnung einschwören. Die ist seit heute zu Ende. Denn Mozilla hat den Stecker gezogen, ganz offiziell. Auf dem „Mozlando“-Event für Entwickler verkündete man, dass man stolz sei auf die Errungenschaften, die Firefox OS der Web-Plattform hinzugefügt habe. Man werde weiter experimentieren, aber… Alles, was danach geäußert wird, ist der Rede nicht wert, weil es als Entschuldigung oder Rechtfertigung für eine Allmachtsphantasie gelten kann.

Allmachtsphantasie von Web-Apps

Natürlich hatte Mozilla Pech. Nicht etwa, weil es auf das falsche Pferd gesetzt hat, sondern weil es nach jedem Strohhalm gegriffen hatte, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Smartphones mit Firefox OS waren günstig aber gleichzeitig auch billig. Sie boten nichts und vor allem viel weniger, was man mit herkömmlichen Smartphones nicht ebenfalls hätte realisieren können.

Dies ist das Ergebnis der Strategie, auf Firefox OS nur Web-Apps einzusetzen. Dass nicht die Idee schlecht ist, sondern die Umsetzung schlecht war, zeigt das Beispiel von Google mit Chrome OS. Geräte mit dem Betriebssystem wurden zuletzt in den USA in vielen Schulen und Universitäten gekauft, öfter als iPads oder MacBooks. Warum? Weil die Geräte günstig sind, aber eben nicht billig. Man kann mit ihnen was anfangen (wenn man Internet hat). Mit Firefox OS Smartphones konnte man selbst mit Internet nichts anfangen. Wenn man gewollt hätte, hätte man sich bei Googles Chrome OS ein paar Anleihen nehmen können, wie man es dennoch ans Laufen bringt. Doch man wollte nicht.

Dazu hat man sich maßlos überschätzt. Denn während Firefox damals durch seine Marktmacht genügend Aufmerksamkeit erzeugt hat, geben heute andere Spieler den Ton an, allen voran Google mit Android und Chrome und Apple mit iOS. Dass Firefox OS selbst in aufstrebenden Märkten wie Indien floppte, ist ein Beleg dafür, wie wenig die Initiatoren bei Mozilla sich dessen bewusst waren. Man hat gehofft, Einfluss nehmen zu können, doch der eigene Einflussbereich war viel zu klein, um etwas zu bewegen.

Den Markt falsch interpretiert

Dass dann vorgelegte Angebot war nicht kompatibel mit dem Markt und so können die Verbraucher nur hoffen, dass jetzt endlich wieder mehr Zeit bleibt für die Entwicklung der Kernprodukte von Mozilla, damit wir irgendwann wieder mit Freude auf den Firefox blicken können und Mozilla als die Firma sehen, die Webstandards schuf.
Doch im Schatten dieser Ankündigung gedeihen bereits Auswüchse, die zeigen, dass Mozilla noch nicht wieder zu Verstand gekommen ist. Denn das jüngste Produkt aus dem eigenen Hause ist ein Content-Blocker für iOS. Als gäbe es nicht schon genug davon und als wäre dort nicht schon ein großes Geschäft um AdBlocker herum entstanden, muss nun eine Firma, die sich früher mal das freie Web auf die Fahnen schrieb, heute mithelfen, dasselbe einzuschränken?



Firefox OS sagt Lebewohl, endlich
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 6 Kommentar(e) bisher

  •  Gan9bit (9. Dezember 2015)

    Mein lieber. Ein wenig von oben herab nicht war? Auch wenn es teilweise stimmt , was du schreibst, ist deine Schreibweise aber sehr „ich bin der geilste“.

    Sieht man sehr am letzten Absatz, dass du nicht unbedingt Ahnung hast von Allem. Ja sie haben einen Kontentblocker geschrieben. Das ist nicht viel Aufwand. Und nützt sogar ihrem Kerngeschäft. Denn dieser Blocker greift auf die gleichen Daten zu wie die Firefoxfunktion im Inkognitomodus. Das heißt alles was trackt wird geblockt. Was daran jetzt gegen das freie Internet sein soll, so wie dein Kommentar erahnen lässt verstehe ich nicht. Genau DAS sollte mehr passieren. Damit das ewige getracke endlich mehr eingeschränkt wird.

  •  Alexander Trust (9. Dezember 2015)

    @Gan9bit: Nun, das ist okay. Kommentare und Meinungen sind nicht dazu da, von allen gutgeheißen zu werden. Ich freue mich über Diskussionen, schließlich hat sich Mozilla ja auch etwas dabei gedacht. Nur am Ende braucht es so ein zusätzliches Produkt nicht, finde ich. Jedenfalls dann nicht, wenn es anderswo im Argen liegt. Ich war früher begeisterter Firefox-Nutzer, aber das kann ich heute nicht mehr sein. Weil bei Thunderbird die Entwicklung stehen geblieben ist, kann ich die Software leider auch nicht empfehlen und das habe ich früher gerne gemacht. Bei jedem größeren Update des Firefox probiere ich die Software aber neu aus – man weiß ja nie. Nur letztlich geht es mich auch nichts an, was die bei Mozilla machen, ist ja ihr Ding. Aber ich denke, dass das miteinander zu tun hat. Also die Strategie in den letzten Jahren und der Niedergang von Firefox.

  •  FxOS user (10. Dezember 2015)

    Hallo,

    ich habe mich vor einem Jahr bei meinem ersten und bisher einzigen Smartphone gezielt für Firefox OS entschieden, da ich keine Google- oder Microsoft-Wanze (und eine solche ist das spätestens seit Windows 10) haben möchte und auch nicht gewillt bin für ein Gerät das ich zum Telefonieren, Surfen und selten noch für andere Dinge wie Photos, GPS,… nutze hunderte von Euro auszugeben. Das würde ich auch nicht für einen Rechner für ähnliche Einsatzzwecke. Zudem kann ich mir bei den Alternativen IOS und Blackberry OS auch nicht sicher sein, in wie weit es sich dabei um Wanzen handelt, da es sich um geschlossene Systeme handelt. Letzteres steht zudem ebenfalls vor dem absehbaren Aus, denn Blackberry hat angekündigt dieses in knapp einem Jahr einzustellen, wenn sich an ihrer Marktlage nicht drastisch was ändert. Was bleibt nun also noch: Diverse Android Derivate (z.B. CyanogenMod), die auch nicht unbedingt besser sind und teilweise andere Probleme mit sich ziehen und Betriebssysteme mit noch weniger Verbreitung wie Ubuntu for phones (braucht rechenstarke und damit teure Smartphones, ich fürchte zudem, dass da der selbe Mist wie im Unity-Desktop drin ist). Diesen anderen OS fehlen zudem erst recht wichtige Apps. Somit bleibt mir nur zu hoffen, dass FxOS irgendwie weiterentwickelt und von neuer Hardware unterstützt wird oder irgendwer anderes ein ähnlich offenes und auf Datenschutz ausgerichtetes OS entwickelt, dass einen ähnliche Status erreicht (was nahezu ausgeschlossen ist).

    Folge: Aktuell sieht es so aus, dass wenn mein Alcatel one Touch Fire E mal kaputt sein sollte, dass ich nur noch eine Option habe: Ein einfaches nicht Internet-fähiges Handy! Und das sehe ich schon als sehr bedenklich an und würde eine Weiterführung seitens Mozilla durchaus rechtfertigen – selbst dann wenn nur noch sehr langsam weiterentwickelt würde und fast nur noch Sicherheitslücken geschlossen würden!

    Nebenbei:
    1. Ich bin mit dem Gerät voll und ganz zufrieden und kann so manche Kritik an FxOS nicht teilen.

    2. Ich finde es erschreckend, wie gleichgültig vielen die völlige Überwachung des Alltags – sei es seitens Unternehmen wie Google, Facebook, Microsoft, Apple, oder sei es seitens Behörden wie BND, NSA,… – ist und dass die meisten dies unter dem Motto sie können daran eh nichts ändern hinnehmen! Aber das ist eine ganz andere Sache.

  •  Alexander Trust (10. Dezember 2015)

    @FxOS user: Wie sagt die Open-Source-Community so schön? Es ist Open Source, so gehe hin und entwickle selbst das Betriebssystem weiter. Denn das ist das Totschlagargument. Wohlwissend, dass eigentlich 99% der Leute dort draußen das gar nicht können, weil sie nicht das Know-how besitzen.

    Ich habe auch nicht FxOS an sich kritisiert, nur die Tatsache, dass Mozilla dafür ganz rudimentäre, wichtige Projekte wie ihren Browser, der früher mal Webstandards gesetzt hat, aus den Augen verloren hat.

    Ich habe außerdem gehört, dass FxOS sehr gut mit Webseiten kann. Du kannst also per Browser mit einem Webmailer deine E-Mails abrufen und beantworten. Die Apps für FxOS sind ja nur angepasste Webseiten.

  •  FoxOS User (11. Januar 2016)

    Der Artikel ist fehlerhaft. Die Entwicklung von FirefoxOS wurde _nicht_ eingestellt, einzig der Fokus von Smartphones auf Embedded und IoT verlagert.

  •  Alexander Trust (11. Januar 2016)

    @FoxOS User: Das ist so nicht ganz korrekt. Mozilla hat selbst zugegeben, dass es die Sachlage falsch oder unzureichend kommuniziert hat. Außerdem muss man nun abwarten, wie es wirklich weitergeht. Mit Smartphones ließ sich kein Geld verdienen und selbst wenn ein Teil von FirefoxOS weiterlebt, dann gibt es ernsthafte Zweifel daran, ob dies nachhaltig geschieht. Denn Mozilla hat das Vertrauen in dieser Beziehung verloren. Man war in den letzten Jahren an zu vielen Baustellen tätig, von denen die wenigsten jemals fertig wurden.


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