News & Rumors: 13. December 2011,

IHF Handball Challenge 12 – Im Test: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Kaum zu glauben: Handball ist eine der beliebtesten Mannschaftssportarten in Deutschland. Doch das öffentliche Interesse ist relativ gering, lediglich bei der Heim-WM 2007 war die damalige Nationalmannschaft von Heiner Brand in aller Munde. Nach einigen Handball-Managersimulationen auf dem Markt brachte Publisher dtp entertainment nun ein Spiel des Entwicklers Neutron Games heraus, in dem Jedermann selbst Handball-Profi werden kann. Ob IHF Handball Challenge 12 hält, was es verspricht?

Während bei den Fußballsimulationen zwischen EA mit ihrer
offiziellen FIFA-Reihe und Konami mit dem Franchise Pro Evolution Soccer große
Konkurrenz an der Tagesordnung ist und die Spiele jedes Jahr besser werden,
herrscht beim Handball-Sport noch gähnende Leere. dtp entertainment bringt nun
gemeinsam mit ihrem deutschen, aus Berlin stammenden Entwicklerstudio Neutron
Games ein Computerspiel mit dem Versuch heraus, diese Lücke zu schließen.
Offizielle Lizenzen, Videodrehs mit Handball-Stars, finanziell unterstützt
durch die Bundesregierung sowie Europäische Union – all das klingt schon einmal
nicht schlecht.

Im Test: IHF Handball Challenge 12

Die Bandbreite von „IHF Handball Challenge 12“ ist
entsprechend auch groß. Dem Spieler wird es nicht langweilig, wenn er in die
erste und zweite deutsche Handball-Bundesliga mit Original-Mannschaften und -Spielern
eintreten kann. In zwei verschiedenen Perspektiven, darunter die aus dem
Fernsehen bekannte Seitenansicht, schlüpft der Spieler in die Rolle der
virtuellen Dominik Kleins oder Nikola Karabatics. Mit den Pfeiltasten werden
die Spieler bewegt. Auch das Passspiel, den Wurf oder die
Körpertäuschung gibt es entsprechende Tasten, die sofort eine andere Bedeutung
erhalten, wenn die eigene Mannschaft von der Offensive in die Defensive wechselt.
Das „D“ im Angriffsmodus (auf das Tor werfen) bedeutet im Abwehrmodus den
Gegenspieler zu stoßen – und birgt damit die Gefahr, eine Zwei-Minuten-Strafe
einzuheimsen.

Schwerfällige Steuerung

Sofort ins kalte Wasser geworfen, hat der Spieler selbst bei
auf „leicht“ gestellten Gegnern erst einmal keine Chance. Die Bedienung ist
alles andere als intuitiv. Bei einer schnellen Sportart wie Handball muss jeder
Tastendruck sitzen, um eine reelle Chance selbst gegen zweitklassige Gegner zu
haben. Die Pfeiltasten wirken in der Bedienung manchmal ungenau; ein – vom
Spiel unterstütztes – Gamepad kann hier jedoch Abhilfe schaffen.

Um besser vorbereitet in die Partien zu gehen, bietet „IHF
Handball Challenge 12“ einen umfangreichen Trainingsmodus an. Darin kann
entweder im Gegenspiel mit einem KI-Torwart frei auf das Tor geworfen werden.
Besser sind jedoch die Tutorials, in denen Passspiel, Bewegungsabläufe sowie
Abwürfe gelehrt werden. Auch wird dem Spieler relativ schnell der
Tempogegenstoß beigebracht – das schnelle Umschalten vom defensiven ins
offensive Spielen. Dadurch gewonnene Erfahrungen können auf die eigenen
Fähigkeiten verteilt werden. Leider setzt „IHF Handball Challenge 12“ dafür
zwingend einen Online-Zugang sowie einen kostenfreien Account in der eigenen
Community voraus. Möchte man für die weiteren Trainingsmöglichkeiten wie das 1-gegen-1-Abwehrspiel
oder 2-gegen-2 freigeschaltet werden, ist eine Internetverbindung folglich
unabdingbar – schade!

Im Test: IHF Handball Challenge 12

Dafür bietet der Online-Modus jedoch die Möglichkeit, sich
mit Freunden zu messen oder im virtuellen Shop neue Items einzukaufen. Ein
Zusatzangebot, nicht mehr.

Zurück zum „Offline“-Spiel. Ergänzend zum umfangreichen
Ligaspiel, im Übrigen auch mit Originaldaten der spanischen Liga ASOBAL, gibt
es die Option eines Freundschaftsspieles oder aber – als Höhepunkt – die
Handball-Weltmeisterschaft in Schweden. Mit viel Können gelingt es vielleicht
zumindest virtuell, den scharmanten 11. Platz der deutschen Nationalmannschaft
mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft wett zu machen?

Grafisch gibt sich „IHF Handball Challenge 12“ keine Blöße.
Den Entwicklern ist eine solide Umsetzung gelungen, die verschiedenen Hallen
präsentieren sich in einem guten Licht, in denen man gerne spielen möchte.
Früheren Handball-Managersimulationen ist dies selbst nach damaligem Maßstab eher
schlecht als recht gelungen. Dank Unterstützung der PhysX-Technologie von
nVidia hat das Berliner Entwicklerteam auch physikalisch mit einer
weitestgehend realistischen Umsetzung gute Arbeit geleistet. Die verschiedenen Hintergrundlieder
sind angemessen dezent zu hören, verstärken somit die Atmosphäre wirkungsvoll.
Auf Kommentatoren wurde – Gott sei Dank – verzichtet. Dafür gibt es im Tutorial
vertonte Erklärungen.

Fazit

Als kleiner Handball-Fan war ich sehr gespannt, wie sich das
offizielle Handball-Spiel aus dem Hause dtp entertainment und Neutron Games gibt.
Schon nach kurzer Zeit war klar, dass ich mich zwar näher mit dem Spiel
beschäftigen wollte, aber die Steuerung ziemlich schwer ist. Das schnelle
Umschalten von der Abwehr in den Angriff, oder die zügig aufeinander folgenden
Aktionen im eigenen Strafraum überfordern den Neuling von IHF Handball
Challenge 12
 schnell. Wer einen kurzen Spielspaß mit diesem Spiel sucht, wird
wenig Freude haben. Allen anderen mit viel Zeit, besonders dem „gemeinen“
Handball-Fan, wird „IHF Handball Challenge 12“ jedoch viel Freude bereiten.
Jetzt trainiere ich aber erst einmal weiter, um die Weltmeisterschaft in
Schweden für das deutsche Team zu gewinnen!



IHF Handball Challenge 12 – Im Test: Gut gemeint ist nicht gut gemacht
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