Real Tennis: Tennis-Game gratis aber mit Werbung für iPhone zu haben

Alexander Trust, den 19. Dezember 2011
Real Tennis
Real Tennis

Im Rahmen der Aktion 4 Free Games ist unter anderem Real Tennis in der letzten Woche aktualisiert worden. Das Spiel wird fortan als Gratis-App vertrieben. Gamer müssen auf dem iPhone und iPod touch aber mit Werbung leben.

Gameloft hat den ersten kostenfreien Titel seiner Aktion 4 Free Games für das iPhone in den App Store gebracht. Mit Real Tennis können Spieler ab sofort virtuelle Tennis-Matches austragen. Acht verschiedene Charaktere können in 7 Stadien und auf 3 verschiedene Untergründen (Sand, Hartplatz, Rasen) eingesetzt werden. Über ein lokales WiFi-Netzwerk können Freunde im Mehrspielermodus herausgefordert werden. Im Karriere-Modus können Spieler die Karriere eines Tennis-Profis nacherleben. Zu den verschiedenen Schlägen, die im Spiel ausgeführt werden können – unter anderem Lob, Stoppball, Schmetterball – kann zum Beispiel der Aufschlag durch Neigung des iPhones ausgeführt werden.

Gameloft naiv

Ich bin zwar von Gameloft schon mal nach Paris eingeladen worden, um dort neue Spieleproduktionen in Augenschein zu nehmen, doch das heißt ja nicht, dass man die Vorgehensweise der Firma nicht kritisch betrachten darf. Denn wer diese Entscheidung getroffen hat, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Real Tennis, das sicherlich zehn- wenn nicht hunderttausende iPhone-Besitzer über die Jahre gegen „Geld“ gekauft haben, gibt es nun gratis. Nicht wirklich komplett geschenkt, denn immerhin muss man sich nun Werbeeinblendungen ansehen. Gameloft schreibt im Text zur letzten Aktualisierung, dass Besitzer der App, die diese bezahlt haben, das Update nicht runterladen sollen, weil sie sonst ihre werbefreie Version mit derjenigen mit Werbung ersetzen. Dieser Hinweis taugt nur nicht in jedem Fall, die Kunden aufzuklären. Was ist mit solchen, die einfach auf „alle Apps updaten“ klicken und sich gar nicht so sehr en détail für die Neuerungen interessieren? Dann gibt es noch diejenigen, die sich auch sonst den Text nicht durchlesen, weil sie vielleicht keine Lust oder Zeit haben. Die sind sicherlich selbst Schuld, nur ist das von den Franzosen auch nicht die feine englische Art.

Immerhin wird iTunes nun bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag anzeigen, dass es für eine App ein Update gibt. Diesen Hinweis, diese (1) am Icon der App kann man nicht einfach so abstellen. Es kommt aber noch toller. Denn Gameloft hat mit Sicherheit, wie ich vorhin anmerkte, die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Was ist, wenn Apple in einer zukünftigen iOS-Version irgendwelche API-Befehle abschaltet oder neue Funktionen hinzufügt, die das alte System durcheinander würfeln? Das ist regelmäßig der Fall und eben nicht die Ausnahme. Was ist dann mit denjenigen, die Real Tennis seit 2009 gekauft haben, vielleicht sogar für mehrere Euro? Nun, die dürfen dann die App nicht mehr spielen, wenn sie bei ihnen nicht funktioniert, ODER geben sich damit zufrieden, dass sie Geld dafür gezahlt haben, um Werbung angezeigt zu bekommen?!

„Gratis“-Idee geht nach hinten los

Je länger ich darüber nachdenke, glaube ich fest, dass Gameloft bei dieser Aktion nur an den Marketing-Effekt gedacht hat und nun muss man abwarten, wie groß der Unmut der geprellten Kunden sein wird. Vielleicht ist es am Ende nur ein Sturm im Wasserglas, und die Leute finden sich damit ab. Doch wirklich sinnvoll war diese Aktion nun wirklich nicht. Es hätte doch Gameloft nichts daran gehindert, eine zweite Real-Tennis-App im App Store zu veröffentlichen, eine die frei von Werbung ist. Das hätte die Kunden der ehemaligen Bezahl-App nicht verprellt. Das gleiche Schicksal ereilte übrigens bislang auch schon den Brain Trainer 2 und Hero of Sparta 2. Eine App steht noch aus, die dann neue ehemaliger Käufer produziert, die „not amused“ sind, über dieses Vorgehen. Die neuerlichen 1-Stern-Wertungen von zahlenden Kunden verwundern mich nicht. Wenn Gameloft jemanden hätte im Vorfeld über die Konsequenzen dieser Aktion nachdenken lassen, wären sie sicherlich zum gleichen Ergebnis gelangt. Schade. Nicht Apps 4 Free, sondern Apps zum Teufel.


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