Kommentar: 4. August 2012,

Google und Facebook bedrohen die Demokratie

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Wenn es nach dem Chefredakteur der “Thüringer Allgemeinen”, Paul-Josef Raue, geht, dann sind Google und Facebook Schmarotzer. In einem Interview gab der Chefredakteur nun zu, dass er Angst um die Demokratie habe, die die Internetriesen bedrohen würden.

Während man ihm höchstens in Nuancen seiner Aussagen Recht geben könnte, merkt man ihm an, wo er herkommt. Er redet von “unserer Lust auf Untergang” von der “Tragödie” und der “Katastrophe” und meint dabei die Modelle in der Literatur. Höchstwahrscheinlich hat Raue eine klassische Ausbildung genossen.

Raue gibt an, dass die Demokratie ins Wanken gerät, sobald es keinen seriösen Journalismus mehr gibt. Natürlich drückt er damit implizit auch aus, dass er sich selbst für einen seriösen Journalisten hält. Was aber ist seriöser Journalismus, und meint er damit auch die übrigen seiner Kollegen? Warum sind Google und Facebook auf einmal gefährlich, wenn es Print-Journalisten einfach verschlafen haben, auf die Gegebenheiten des Marktes zu reagieren?

Laut dem Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen haben sich die Rahmenbedingungen verändert, unter denen Zeitungen produziert werden. Er spricht davon, dass es sich um einen Lesermarkt handele. Die Klientel müsste zukünftig mehr für unabhängigen Journalismus bezahlen. Als Begründung gibt Raue an, dass heutzutage auf Anzeigenerlöse kein Verlass mehr sei. Man möchte ihm zurufen, dass die Anzeigenerlöse im Internet genauso volatil sind.

Es ist fraglich ob seriöser Journalismus die Demokratie tatsächlich retten kann. Denn letztlich kommt es darauf an, dass sich die Leute dafür interessieren. Sensationsjournalismus kann sich wahrscheinlich nicht über Interesse beklagen.



Google und Facebook bedrohen die Demokratie
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 2 Kommentar(e) bisher

  •  Peter (7. August 2012)

    Ahh, ich liebe dieses Thema :-)
    Mehr Geld für unabhängigen Journalismus???
    Der Mann hat echt Nerven.

    Welche Zeitung in Deutschland ist denn wirklich unabhängig?
    Die meisten Blätter oder Fernsehsender gehören irgendeiner Partei oder reichen Leuten, die es lieben die Massen nach ihrem Geschmack zu manipulieren.

    Die Angst der Politiker ist folgende:
    Früher konnten nur finanzstarke Lobbyisten die Presse steuern und das Volk dumm halten. Jetzt können auch Leute ohne Geld die öffentliche Meinung beeinflussen – durch Blogs und Facebook usw. Das gefällt natürlich nicht jedem.

    Davor haben sie Angst und bekämpfen Google, die Piratenpartei und alle, die an etablierten Strukturen rütteln könnten.

  •  Peter (7. August 2012)

    Oh, sorry. Es war natürlich ein Chefredakteur und kein Politiker, der da seine Meinung geäußert hat. Aber auch die Leute sind nur die Stellvertreter der Besitzer.

    Und natürlich haben viele Zeitungen Angst unterzugehen aber die Welt ändert sich nunmal. Warum soll ich zum Beispiel eine komplette Zeitung teuer kaufen, wenn mich nur 2-3 Artikel interessieren? Da suche ich doch lieber im Internet nach Informationen und bekomme meist kostenlos bessere als in der Presse.

    Das da jemand sein Geschäftsmodell überdenken muss, das sollte doch langsam klar sein. Anstatt darüber nachzudenken, wie man Leute für das alte Modell zum Zahlen zwingen kann, sollte man sich was neues einfallen lassen.


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