News & Rumors: 30. September 2013,

GTA 5

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Es war wohl das am meisten erwartete und gehypte Spiel der letzten Jahre. Zum Ende dieser Konsolengeneration wollte Rockstar nochmal einen Knaller raushauen, das beste Spiel seiner Firmengeschichte, ein neuer Teil der kontroversen und berüchtigten Grand Theft Auto-Reihe. Um die 265 Millionen Dollar kosteten Entwicklung und Marketing – so viel wie noch bei keinem anderen Spiel. Drei Tage nach Release hatte GTA V schon eine Milliarde Dollar Umsatz generiert – so viel wie noch kein anderes Spiel. Ist es denn nun der heilige Gral der Videospiele geworden?

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 Zurück nach San Andreas

Nachdem Liberty City nach GTA IV wohl endgültig ausgelutscht und auch nie so wirklich beliebt war bei den Fans, kehren wir in GTA V nach Los Santos zurück, das im fiktiven Bundesstaat San Andreas liegt. Und GTA San Andreas gilt für viele Fans als der beste Teil der Serie, also war es nur logisch für Rockstar, wieder an diesen Schauplatz zurückzukehren. Im Gegensatz zu GTA San Andreas kann man zwar als Stadt “nur” Los Santos besuchen, dafür ist die ländliche Umgebung “Blaine County” aber weitreichend und vielseitig. Insgesamt ist die Spielwelt ca. dreimal so groß wie in GTA IV. Das Meer, das die Landmasse umgibt, ist da noch gar nicht mitgezählt.

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Flotter Dreier

Zum ersten Mal in der Geschichte von GTA gibt es drei Hauptcharaktere, nämlich Franklin Clinton, Michael De Santa und Trevor Philips. Der 25-jährige Franklin ist der neue “CJ”, ist also der Afroamerikaner des Trios. Er kommt aus dem armen Süden der Stadt und ist mit Gang-Kriminalität groß geworden, will aber eigentlich raus aus dem Ghetto und ein besseres Leben führen. Zu Spielbeginn arbeitet er noch für einen zwielichtigen armenischen Autohändler. Er kümmert sich außerdem um einen Rottweiler namens Chop, der eigentlich seinem Kumpel Lamar gehört.
Michael ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und gerade in seiner Midlife-Crisis. Früher war er erfolgreicher Bankräuber, ließ sich aber dann mit seiner Familie in einer Villa in Los Santos nieder. Weil er mit seinem Leben nichts mehr anzufangen weiß und zu Wutausbrüchen neigt, geht er oft zu einem Psychiater. Michael und Trevor kennen sich noch von früheren gemeinsamen Überfällen und denken aber, dass der jeweils Andere tot sei – bis zu ihrem Wiedersehen.
Trevor, der Dritte im Bunde, hätte den Psychiater eigentlich am dringendsten nötig. Er wurde als Kind von seinem Vater misshandelt und ist seitdem psychisch labil, äußerst gewaltbereit und unberechenbar. Trevor hatte sich zuvor als Kampfpilot beim Militär versucht, wurde jedoch kurz vor Ende seiner Ausbildung wegen seinen psychischen Problemen entlassen. Das einzige, das ihm je Spaß machte, war das Fliegen – somit ist er der beste Pilot von den Dreien. Er wohnt weit außerhalb von Los Santos im Städtchen Sandy Shores in einer heruntergekommenen Wohnwagensiedlung. Mehr wollen wir aber von der Story nicht verraten.

 Und was können die?

Rockstar hat leichte RPG-Elemente ins Spiel gebracht, indem jeder der Protagonisten eine Reihe an Attributen hat. Darunter sind Ausdauer, Schießen, Fahren, Fliegen, Stärke und Lungenkapazität. Jeder hat, abhängig von seiner Hintergrundgeschichte, von vornherein bestimmte Stärken und Schwächen. Franklin kann gut Fahren, Michael gut schießen und Trevor gut fliegen. Alle Attribute können aber erhöht werden, indem der entsprechende Charakter die entsprechende Fähigkeit übt. Fährt man z. B. mit Trevor lange genug, ohne irgendwo anzustoßen, erhöht sich der Fahren-Balken. Rennt man viel, erhöht sich der Ausdauer-Balken. Einen großen Einfluss aufs Gameplay konnten wir aber nicht feststellen, da selbst der schlechteste Fahrer noch gut zu steuern war.
Zusätzlich hat jeder Charakter eine Spezialfähigkeit, dessen Dauer von dem gelben Balken links unten abhängt. Franklin kann beim Fahren einen Zeitlupeneffekt aktivieren, um bei hoher Geschwindigkeit besser lenken zu können. Michael hat eine “Bullet-Time”, mit der er in Zeitlupe schießen kann. Und Trevor kann in einen Blutrausch verfallen, bei dem sich der Bildschirm gelb verfärbt und er mehr Schaden mit Waffen zufügt sowie weniger Schaden einsteckt.

 Ständiger Begleiter

Man hat wieder ein Ingame-Handy, diesmal ein Smartphone, mit dem man bequem viele wichtige Dinge erledigen kann. Es kann vor allem zum Speichern von Spielständen verwendet werden, es ist also keine lange Fahrerei mehr zu einem Safehouse nötig. Ihr könnt immer noch ein Taxi rufen, das euch an jede Stelle der Map bringt, vorausgesetzt, sie liegt an einer Straße. Mit der Handykamera können Fotos gemacht werden, sogar “Selfies” bzw. Selbstportraits. Mit dem Browser könnt ihr ins “Internet”, wo viele echte Seiten parodiert werden und die Fantasiefirmen ihre Online-Präsenzen haben . Dort könnt ihr aber auch Fahrzeuge, Boote und Flugzeuge kaufen oder gar mit Aktien handeln.

 Teamwork

Zwischen Missionen kann man fast jederzeit den Charakter wechseln, wobei die Kamera stilvoll vom bisherigen Charakter bis über die Wolken wegzoomt und beim gewünschten Charakter wieder heranzoomt. Die Charaktere, die gerade nicht gespielt werden, führen in der Zeit ihre Leben weiter. Wenn man also wieder die Kontrolle übernimmt, findet man sie in verschiedenen, zufälligen Situationen und Orten wieder. Zum Beispiel ist Franklin gerade im Auto unterwegs, Michael wacht Zuhause aus einem Albtraum auf oder Trevor liegt wieder mal betrunken in einer Seitenstraße.
Ein weiteres neues Feature ist das Wechseln der Spielfigur innerhalb von Missionen. Es gibt also einige Missionen, in denen zwei oder alle drei Protagonisten jeweils eine Aufgabe haben und zusammenarbeiten müssen. Zum Beispiel ist Franklin der Fahrer, Trevor der Helikopterpilot und Michael der Scharfschütze. In manchen Missionen kann man frei zwischen ihnen durchwechseln und die Aufgabe übernehmen, die einem am meisten Spaß macht. In den meisten Missionen dieser Art gibt das Spiel aber weitestgehend Anweisungen, welchen Charakter man gerade steuern soll bzw. welcher gerade am wichtigsten ist, damit die gescripteten Ereignisse weitergehen können. Die freie Charakterwahl ist also oft eher vorgegaukelt. Das Wechseln zwischen Charakteren in Missionen macht aber dennoch viel Spaß, gerade weil damit eine für GTA untypische Dynamik hineingebracht wird und das Ergebnis meist spektakulär ist. Man fühlt sich dabei wie in einem Film, der das Geschehen abwechselnd aus den Perspektiven der drei Hauptrollen zeigt.

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Viel zu tun

Die Missionen an sich sind wirklich abwechslungsreich gestaltet. Dadurch, dass jeder Charakter seinen eigenen Handlungsstrang hat, der sich ab und zu mit dem der anderen Charaktere kreuzt, kommt nie Langeweile auf. Missionen sind auf der Map mit farbigen Buchstaben gekennzeichnet, wobei die Farbe aussagt, für welche Figur sie bestimmt ist. Bei gemeinsamen Missionen ist es egal, wer zum Missionsbeginn fährt. Fragezeichen auf der Map stehen für charakterspezifische Nebenmissionen, dessen Story sich neben der Hauptstory durch das ganze Spiel zieht. Diese sind besonders durchgeknallt, zum Beispiel muss man als Franklin einem Paparazzo helfen, schwierige Fotos von Promis zu schießen, wobei jedes Mittel recht ist. Mit Michael trifft man auf einen Befürworter der Marihuana-Legalisierung und soll sein spezielles Gras testen, was ungeahnte Wirkungen nach sich zieht. Und Trevor trifft auf zwei britische Senioren, die zum Stalken von Schauspielern nach Los Santos gekommen sind und soll persönliche Gegenstände von diesen klauen.

Vorarbeit zahlt sich aus

Höhepunkte der Story sind die großen Raubüberfälle, die im Vorfeld erst genau geplant und vorbereitet werden müssen. Es gibt meist zwei Möglichkeiten, wie ein Coup angegangen werden kann, üblicherweise entweder clever und subtil oder offensichtlich und mit viel Waffengewalt. Auch müssen immer Komplizen für die verschiedenen Aufgaben angeheuert werden. Über beide Dinge entscheidet der Spieler. Das sorgt für einen hohen Wiederspielwert, da die Überfälle je nach Entscheidung völlig anders ablaufen. Jede Mission und Nebenmission kann man praktischerweise in einem Replay-Menü jederzeit nochmal spielen.
In vergangenen GTAs gab es immer einen großen Frustfaktor, und zwar das Fehlen von Checkpoints in Missionen. Endlich gibt es nun zahlreiche Checkpoints innerhalb von Missionen, man muss also nicht mehr langwierige oder schwere Abschnitte immer und immer wieder spielen, nur weil man später gestorben oder die Mission fehlgeschlagen ist. Wenn man dann einen Checkpoint lädt, hat man übrigens immer volles Leben. Schlägt eine Mission sehr oft fehl, bekommt man sogar die Option, die Mission zu überspringen. Man merkt, dass Rockstar GTA V allgemein zugänglicher (einfacher?) machen wollte.

Sightseeing in Los Santos

Los Santos ist wohl die schönste Stadt aller GTAs. Von der Größe her ähnlich groß wie Liberty City, findet man hier alles, was man von einer L.A.-Parodie erwartet. Die Vinewood Hills (Hollywood Hills) samt den berühmten Buchstaben und den Luxusvillen der Schauspieler und Musiker, den Vinewood Walk of Fame mit den Sternen auf dem Boden, den Vinewood Boulevard mit den großen Premierenkinos wie dem Oriental Theater (TLC Chinese Theater), die Strandpromenade Vespucci Beach (Venice Beach), Downtown mit seinen Wolkenkratzern, das Ghetto South Los Santos (South Los Angeles), Rockford Hills (Beverly Hills), die Los Santos Customs-Autowerkstätten (West Coast Customs), den Hafen, den Flughafen usw. Es macht einfach Spaß, durch die Stadt zu fahren, vor allem bei Sonnenuntergang und bei Nacht. Neu bei GTA V ist, dass die komplette Spielwelt von Anfang an offen ist. Verschwunden ist das frühere Prinzip der “Inseln”, die nach und nach erst zur Erkundung freigeschaltet werden. Gut so.

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Immer wieder trifft man auf zufällige Geschehnisse, die mit einem blauen Punkt auf dem Radar gekennzeichnet sind. Manchmal wurde ein Passant ausgeraubt und ihr sollt den Dieb schnappen, um das Geld zurückzubekommen und könnt es dann entweder behalten oder brav zurückgeben. Oder jemand hat sich verlaufen und will, dass ihr ihn nach Hause bringt. Eine interessante Situation war: eine Frau am Straßenrand schreit um Hilfe und will, dass ihr ihr hinter ein Haus folgt, wo angeblich jemand Hilfe braucht. Dort angekommen stellt sich heraus, dass das Ganze eine Falle war und ihr werdet von drei Gangstern bedroht, die an euer Geld wollen. Natürlich werden diese sofort ausgeschaltet. Die Frau fleht euch danach an, sie am Leben zu lassen, denn sie wurde von den Gangstern zu ihrem Schauspiel gezwungen. Lasst ihr sie am Leben? Eure Entscheidung.

Nur Kulisse

Weiterhin gibt es in der Stadt und außerhalb Immobilien wie Bars, Nachtclubs, Kinos, oder einen Schrottplatz, die ihr kaufen könnt. Diese werfen dann wöchentlich Gewinn ab und die Manager der Immobilien bitten euch manchmal um Hilfe bei gewissen Problemen. Bei manchen Gebäuden wie dem Flughangar kommt aber kein automatischer Gewinn rein, sondern man muss mit dem Flugzeug Pakete abwerfen und wird dann direkt dafür bezahlt. Schade ist, dass ihr fast keine der Immobilien betreten könnt, da diese nur Kulisse sind. Es gibt außerdem keinen einzigen begehbaren Nachtclub in der Stadt. Gerade nach dem sehr guten GTA IV-DLC The Ballad of Gay Tony, in dem man zumindest innerhalb von Missionen diverse Nachtclubs besuchen und drinnen tanzen und flirten konnte, hatten wir in GTA V richtige Nachtclubs erwartet. Wir haben sogar ein “Bahama Mamas West” in Los Santos gefunden, ein Ableger des grandiosen Clubs aus Liberty City. Aber er ist leider nur Kulisse. Gerade im so künstlichen und reichen Los Santos hätten Clubs super hineingepasst. Begehbare Burger Shots oder Cluckin’ Bells sucht man auch vergebens.
Es gibt aber immerhin einen Stripclub, dessen Tänzerinnen bestimmt per Motion-Capturing von professionellen echten Tänzerinnen ins Spiel übertragen wurden. Denn so gute (Strip-) Animationen haben wir in einem Videospiel noch nicht gesehen. Hier geht’s auch kompromissloser zu als noch in GTA IV, man kann nämlich Privatvorführungen mit Stripperinnen im abgetrennten Bereich buchen (auch mit zwei Frauen gleichzeitig) und bekommt dann eine Show zu sehen, bei der die Damen nur noch Strings anhaben.

Ab aufs Land!

Fährt man aus Los Santos raus, führt ein schön langer, breiter Highway in den ländlichen Norden, Blaine County genannt, bis zum nördlichen Ende der Map. Von dort führt die Straße weiter an der Küste entlang und an der anderen Seite wieder zurück nach Los Santos. Auf diesem  Highway kann man endlich mal Gas geben, ohne von stehendem Verkehr blockiert zu werden. Selbst mit einem schnellen Sportwagen fährt man je nach Ziel für mehrere Minuten und hat das Gefühl, eine wirklich lange Strecke zurückzulegen. Die Landschaft außerhalb der Stadt gestaltet sich ebenfalls abwechlungsreich, mit felsigen Waldgebieten, Flüssen, einer Wüste, einem See und einem Berg, den man entweder über Wanderwege erklimmen oder per Seilbahn hinauffahren kann.

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Was gibt’s Neues?

Fahrzeuge gibt es in GTA V mehr als je zuvor. Die Steuerung der Autos und Motorräder ist direkter als in GTA IV, für uns steuerten sich die Fahrzeuge deutlich einfacher bzw. realistischer. Andere Spieler scheinen die Steuerung nicht so gut zu finden, das ist wohl Geschmackssache. Das Schadensmodell der Fahrzeuge wurde jedoch stark zurückgefahren, da entstehen nur noch ein paar Dellen hier und da, die Fenster splittern und die Motorhaube fliegt eventuell ab. Warum ist uns ein Rätsel, gerade das detaillierte Schadensmodell war schließlich eins der Hauptfeatures von GTA IV und es macht keinen Sinn, das nicht ins neuere Spiel zu übernehmen. Es sei denn, die Schadensberechnung hätte die Performance zu sehr heruntergedrückt. GTA V läuft sowieso nur mit Ach und Krach flüssig auf den alten Konsolen.
Beim Fliegen von Helikoptern wurden Turbulenzen eingebaut, wodurch das Fluggerät nie ganz ruhig gehalten werden kann, es wackelt selbst beim höchsten Flug-Skill ständig leicht hin und her. Den Sinn des Ganzen können wir nicht verstehen, wo doch das Manövrieren von Hubschraubern sowieso nie einfach war.
Es gibt natürlich mehr Waffen als früher und jede Schusswaffe lässt sich nochmal mit Zubehör wie Schalldämpfern und größeren Magazinen ausstatten. Neu dabei sind u. a. Tränengasgranaten und ein Benzinkanister, mit dem man z. B. eine “Zündschnur” aus Benzin gießen kann, um aus der Entfernung Fahrzeuge in die Luft zu jagen. Schutzwesten gibt es in mehreren Stärken, diese sind aber nicht mehr so überlebenswichtig wie noch in GTA IV. Es gibt jetzt nämlich ein ordentliches Deckungssystem, das leicht von der Hand geht.

Sport statt Mord

Wer mal keine Lust auf Missionen hat, kann sich bei unzähligen Aktivitäten austoben. Base-Jumping, Jagen, Tennis, Golf, Schießübungen, Tauchen (mit oder ohne U-Boot), Radfahren, Jet-Ski und Speedboot Fahren, Riesenrad und Achterbahn Fahren, Yoga, Triathlons, Bergsteigen, Flugzeuge und Helikopter Fliegen, Fallschirmspringen, Fahrzeug-Tuning…oder man setzt sich in den Sightseeing-Bus am Vinewood Boulevard und lässt sich bei einer Tour durch Vinewood die großen Kinos, Hotels und die Villen der Schauspieler zeigen. Natürlich mit viel schwarzem Humor.
Das Wasser um die Landmasse herum sieht grandios aus, es gibt sogar richtige Wellen, die einen beim Bootfahren ein paar Meter auf und ab werfen.

Cops mit Hormonschwankungen

Die Polizei muss noch extra erwähnt werden, denn die ist sensibler denn je. Man muss nur mal einem Passanten eine reinhauen und bekommt dafür zwei Verfolgungs-Sterne. Oder man klaut ein Auto und hat auch gleich zwei Sterne. GTA-typisch muss man ein Polizeiauto nur mit einem Wattebällchen bewerfen, damit die Beamten das Feuer eröffnen. Man kann den Polizeiautos zwar etwas einfacher ausweichen, da diese auf dem Radar nur kegelförmig in die Fahrtrichtung sehen können, aber sobald ihr außerhalb der Stadt die Cops am Hals habt, ist fast schon alles verloren. Da gibt es nämlich fast keinen Verkehr, der die Polizei aufhalten könnte, und es gibt keine Seitenstraßen zwischen Gebäuden, in denen man sich verstecken könnte. Es gibt nur lange, verlassene, gerade Straßen mit vereinzelten Häuschen am Rand. Keine Chance, den Sichtkontakt mal zu unterbrechen oder die Cops durch häufiges Abbiegen abzuhängen, erst recht wenn Hubschrauber involviert sind. Man kann sich zwar in Büschen verstecken, doch vorher muss erst einmal der Sichtkontakt abgebrochen werden, weil man sonst gleich wieder gefunden wird. Nach 20 Minuten Katz-und-Maus-Spiel hat es uns dann gereicht und wir wählten den Suizid als letzten Ausweg. Das sollte eigentlich nicht Sinn der Sache sein.

Sieht gut aus

Ähnliches wurde schon bei The Last Of Us gesagt, aber für GTA V gilt das nochmal doppelt: grafisch und von der Performance reizt es die gegenwärtigen, alten Konsolen voll aus. Der letzte Tropfen Saft wird aus den Maschinen gepresst. Wir wollen gar nicht wissen, wieviele Abstriche Rockstar bei der Entwicklung machen musste, nur um es größtenteils flüssig zum Laufen zu kriegen. Und dafür sieht es dennoch sehr gut aus – besser als GTA IV, das für die gleiche Konsolengeneration erschien. Dynamische Wettereffekte, schöne Spiegelungen, schönes Wasser, schöne Landschaften, detaillierte Fahrzeugmodelle und individuelle Animationen der drei Hauptcharaktere. Die Gesichtsanimationen während der Ingame-Zwischensequenzen reichen zwar nicht an The Last Of Us oder das kommende Beyond: Two Souls heran, sind aber immer noch sehr schön anzusehen. Die Lippenbewegungen sind dabei immer synchron zur gewohnt exzellenten, englischen Vertonung.

Viel auf die Ohren

Die Radiosender sind nochmal ein Kapitel für sich. GTA ohne Radio? Nicht möglich. Im fünften Teil sind mehr Sender mit mehr Songs als je zuvor vertreten – aber das konnte man ja erwarten. 17 Sender mit 240 Songs für die verschiedensten Geschmäcker sind dabei, selbst ein Country-Sender. Diesmal konnte Rockstar sogar Exklusiv-Deals mit einigen Künstlern aushandeln, sodass bestimmte Songs in GTA V ihre Weltpremiere hatten, bevor sie offiziell erschienen sind. Andere Songs wurden extra nur für das Spiel produziert und erscheinen sonst nicht. Man kann es aber nie allen recht machen, und so könnte man bemängeln, dass es keinen Heavy Metal-Sender mehr gibt. Stattdessen gibt es einen generellen Sender für Rock/Pop-Rock, einen für Punk-Rock und einen für Alternative Rock. Auch wäre es mal Zeit für einen Dubstep-Sender gewesen, gerade weil das Genre in den USA noch relativ neu und gerade “hip” ist, es hätte also zu Los Santos gepasst.
Hip Hop ist auf gleich zwei Sendern vertreten, und erstmals gibt es einen Pop-Sender. Selbst bei Pop beweist Rockstar Feingefühl und hat Songs aus den 80ern, 90ern und der letzten Jahre ausgewählt, die auch der Popmusik abgeneigte Menschen nicht schlecht finden können. Flying Lotus, Produzent von experimenteller, elektronischer Musik hat gleich mal seinen eigenen Sender bekommen. Wir hätten stattdessen lieber ein neues Electro-Choc im Spiel gehabt, aber wie gesagt, Geschmäcker sind verschieden. Etwas enttäuscht waren wir aber, dass nun doch kein Sender mit Kavinsky (Produzent von Electro und French House) als DJ am Start ist, obwohl dieser seinen GTA V-Sender in einer früheren Twitter-Meldung bestätigt hatte. Ob dieser doch noch zusammen mit einem DLC kommt?
Wie schon bei den anderen GTAs haben wir aber durch die Radiosender wieder neue Musik für uns entdecken können, von der wir sonst nie erfahren hätten. Dafür lieben wir GTA. Und wenn in einer gewissen Mission Trevor heulend seine neu gefundene Liebe Patricia (die vorher von Trevor gekidnappt wurde) wieder zu ihrem eigentlichen Ehemann zurückbringen muss und dabei im Radio “If You Leave Me Now” von Chicago läuft, bekommt man sogar mal Mitleid mit Trevor.
Neu für die GTA-Serie ist der von Tangerine Dream, The Alchemist, Oh No, Woody Jackson und DJ Shadow produzierte, mehrstündige Soundtrack mit Electro-Einflüssen, der in den Hauptmissionen zu hören ist, auch in Fahrzeugen. Mit dieser eigens für die Missionen komponierten Musik wird das Film-Feeling nochmal verstärkt und die jeweilige Stimmung unterstützt. Wer trotzdem lieber Radio hören will, kann das in den Fahrzeugen immer noch tun. Wir finden den Soundtrack absolut sinnvoll und passend, da die oft angespannte Stimmung während der Missionen nicht mehr durch einen zufälligen, unpassenden Song im Radio kaputtgemacht werden kann.

Was soll DAS denn?

Zum Schluss ein paar Worte zur iFruit-App. Diese kostenlose App wurde von Rockstar zusammen mit dem Spiel entwickelt und ermöglicht es, auf eurem realen Smartphone Fahrzeuge zu tunen, die Anleitung zum Spiel zu lesen und dem Hund Chop Tricks beizubringen und ihn zu füttern. Per Rockstar Social Club-Account werden eure Aktionen in der App mit der GTA V-Spielwelt synchronisiert und ihr könnt im Spiel dann davon profitieren. Chop kann man sogar nur in der App diverse Tricks beibringen und füttern, im eigentlichen Spiel geht das nicht. Das Problem dabei ist erstens, dass Inhalte im Spiel fehlen, nur um sie in diese App einbauen zu können. Das zweite Problem ist, dass die iFruit-App derzeit ironischerweise nur für iOS verfügbar ist (“iFruit” ist Rockstars Parodie von Apple). Android-User schauen seit Release in die Röhre, von Windows Phone-Usern ganz zu schweigen. Laut Rockstar arbeite man hart an der Android-Version, mehr ist aber zum Zeipunkt dieses Tests nicht bekannt. Der Release von GTA V ist nun bald zwei Wochen her. Wenn man schon eine zum Spiel gehörende, mehr oder weniger notwendige App herausbringen will, sollte diese auch für alle Plattformen bereitstehen, und zwar sofort ab Release. Da hat Rockstar also ziemlichen Mist gebaut.

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Fazit

Grand Theft Auto V ist riesig, wahnsinnig, witzig, brutal, sarkastisch, krank und hübsch. Und noch viele andere Dinge, die uns jetzt nicht einfallen. Es übertrifft alle vorherigen Teile der Serie und wird dem Hype in den allermeisten Bereichen gerecht. Es gibt einfach keine coolere Stadt als Los Santos, um sich so richtig auszutoben. Wer lieber allein in der Natur sein will, hat im nördlichen Blaine County unzählige Möglichkeiten dafür. GTA V ist wie die Vorgänger eine Parodie der amerikanischen Konsumgesellschaft, die aber so umfangreich, so genial, manchmal so subtil ist, dass man auch nach 30 Stunden Spielzeit noch neue Anspielungen entdeckt. Manche Anspielungen kapiert man ohne entsprechendes Vorwissen auch gar nicht. Verarscht werden z. B. Hipster, Konsumenten von Bio-Lebensmitteln, Yogalehrer, Psychiater, die Call of Duty-Reihe, schlechte Hollywood-Filme und die amerikanische Denkweise, dass Gewalt gut, Sex aber schlecht ist. Da ja keine echten Markennamen, Personen und Orte erwähnt werden dürfen, macht es Spaß, aus all den Fantasienamen die wirklich gemeinten Namen herauszufinden. Lifeinvader ist Facebook, Bleeter ist Twitter, Krapea ist Ikea, Merryweather ist Blackwater und BAWSAQ ist NASDAQ.
Die Story mit all seinen Filmhommagen sowie die Missionen machen viel Spaß, vor allem die großen Raubüberfälle. Die Nebenmissionen sorgen wiederum für ausgelassene Stimmung und sollten auf jeden Fall alle gemacht werden. In den Medien hört man viel über die kontroverse Foltermission, und dass man diese nicht überspringen könne. Damit hat aber Rockstar wohl genau das erreicht, was sie erreichen wollten, nämlich zu zeigen, dass Folter in einem Videospiel angeblich schlimm ist, reale Folter aber keine Sau interessiert. Folter wird nämlich immer noch auf diese Weise in der Realität praktiziert, gerade von der US-Regierung.
Jeder Fan der Serie kennt das typische GTA-Feeling, wenn man nachts ziellos durch die Stadt fährt und dann genau der passende Song im Radio gespielt wird. Durch die große Tracklist gibt es viele dieser Songs, was einen häufigen Gänsehaut-Effekt bewirkt.
Es könnte noch so viel mehr geschrieben werden, aber dieses Review muss so langsam zum Ende kommen. Kein Videospiel war bisher perfekt, und so ist auch Grand Theft Auto V nicht perfekt. Gründe sind die nicht begehbaren Immobilien, Nachtclubs und Fastfood-Restaurants, die noch einiges mehr zum Gesamtbild hätten beitragen können und einen Rückschritt darstellen. Die Polizei kann in gewissen Situationen mächtig auf die Nerven gehen. Das Schadensmodell der Fahrzeuge ist bescheiden. Und zuletzt das leidige Thema der iFruit-App. Eine zum Spiel gehörende, relativ wichtige App vorerst nur für eine Plattform verfügbar zu machen, darf bei einem Spiel dieser Größe einfach nicht passieren. Und wenn, dann hätte bei einem Android-Marktanteil von ca. 80% klar sein sollen, welche Plattform Priorität hat. Angeblich hatte Rockstar keinen Deal mit Apple, was heißt, dass Rockstar einfach nicht früh genug mit der Entwicklung begonnen hatte.
Den bald erscheinenden Online-Modus von GTA V werden wir dann in einem gesonderten Review bewerten.

[gameinfo title=”Game Info” game_name=”GTA 5 (Grand Theft Auto 5)” developers=”R* North” publishers=”Rockstar Games” platforms=”PS3, Xbox 360″ genres=”Open World” release_date=”17.09.2013″]



GTA 5
4.29 (85.71%) 21 Bewertungen

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 2 Kommentar(e) bisher

  •  Feldu (30. September 2013)

    Ein wirklich guter Test, der mir aus der Seele spricht. Wobei ich bei der Polizei widersprechen muss – hätte man das einfach gestalten wollen, dann hätte man das auch gemacht. Ich denke eine gewisse Schwierigkeit ist hier schon angebracht und auch durchaus realistisch :) .

  •  m4rkm4n (30. September 2013)

    Naja, jeder macht wohl etwas andere Erfahrungen mit den Cops. Zumindest diese “traditionelle” Überempfindlichkeit der Bullenautos hätten sie mal rausnehmen können, dass man net bei der kleinsten Berührung des Autos gleich gesucht wird ;)


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