Kommentar: 3. December 2013,

Meedia-Autor hält PS4-Gaming-Community für unreif

PlayStation 4
PlayStation 4

In der Meedia Topstory wird von Felix Disselhoff ein Fass aufgemacht, er hält die PS4-Gaming-Community für unreif und berichtet, dass Twitch das “Streaming”-Feature der PlayStation 4 kurzerhand abgeschaltet hat. Das ist falsch. Trotzdem argumentiert D., denn das Thema ist im Netz angesagt und bringt Quote. Schließlich gibt es eine Menge zu lachen und viel “Skandalöses”.

D. beschreibt, dass Sony Computer Entertainment mit der Einführung der PlayStation 4 ein “Streaming”-Feature für Gamer eingeführt hat.

Reißerisch überschreibt er seinen Beitrag mit den Worten “PS4-Nutzer blamieren sich mit Nacktskandal“. Das ist ungefähr so hilfreich und ausgewogen wie RTLs Behauptung aus 2011, alle Gamer würden stinken. Das ist zudem genauso hilfreich wie die Gesinnung einer Bekannten von mir, die Fußball nicht mag und ablehnt, weil ihr zufolge dort Gewalt und Rechtsradikalismus Tür und Tor geöffnet wird. Das ist ebenfalls so nicht richtig.

Streaming =! Playroom

Beim Lesen von D.s eingeschränkter Perspektive bekommt der Leser das Gefühl, dass Sony Computer Entertainment ein Streaming-Feature namens Playroom anbietet. Playroom ist ein Spiel, bzw. eine App. Das Streaming ist davon losgelöst immer und jederzeit aus allen Spielen heraus verwendbar. Dazu muss man lediglich den “Share”-Button auf dem DualShock 4 Controller drücken, und kann darüber z. B. auch Screenshot erstellen oder neben Twitch auch zu Ustream übertragen.

Dass man die User sehen kann, liegt in der Tat daran, dass eine Kamera die Benutzer aufnimmt. Nun konnte sich Felix D. aber den Kommentar nicht verkneifen, dass Spieler vor der Veröffentlichung von Xbox One und PlayStation 4 gerade über die Kamera gestritten hätten.

“Was hatten die Gamer nicht ausgiebig über die Kameras der neuen Konsolen-Generation gestritten.”
Felix D.

Das ist wieder falsch. Gerade der Plural bei “Kameras”. Denn “alle” Gamer haben lediglich darüber gestritten, dass Microsoft die Kinect-Kamera zur Bedingung hatte machen wollen, Spiele spielen zu können und sie immer aktiv sein hätte müssen. Gerade vor dem Horizont des NSA-Skandals wollten sich Nutzer nicht zusätzlich ausspähen lassen müssen. Doch nach großer Kritik ist Microsoft von dieser Position schließlich abgewichen, wie von vielen anderen.

Twitch hat tatsächlich Playroom-Streams vorerst deaktiviert. Trotzdem können Gamer weiter fleißig ihre Inhalte von der PlayStation 4 auf Twitch streamen.

Felix D. ahnungslos

Neben dieser falschen Darstellung schreibt Felix D. zudem über eine “riesige Gamer-Community mit bereits mehreren Millionen verkauften Geräten”. Sony Computer Entertainment hat erst heute bekanntgegeben, dass man 2,1 Millionen Geräte verkauft hat. Scheinbar ist Felix D. mit seinem gefährlichen Halbwissen noch bei der alten Konsolen-Generation verhaftet, denn von der Xbox 360 und der PlayStation 3 wurden jeweils über 80 Millionen Stück verkauft. Aber bei 9 Milliarden Menschen auf der Welt würde ich selbst dafür nicht das Attribut “riesig” verwenden wollen. Selbst wenn SCE sich über 2 Millionen verkaufte Geräte freut, ist man damit doch noch am Anfang. Und D. unterschlägt auch, dass nicht 100% von 2 Millionen Käufern sich die Kamera dazugekauft haben, sondern lieber 100 Euro weniger ausgegeben, und darauf verzichtet. Gaming-Inhalte kann man nämlich auch ohne Kamera streamen.

Reifeprüfung

Dann empfiehlt sich Felix D. aber für seine weitere journalistische Karriere, als er die “Gaming-Community” als momentan noch nicht reif genug einstuft, mit so einem Feature umzugehen. Fakt ist, dass Xbox-One-Nutzer mit der Kinect-Kamera ebenfalls Piratensender mit Skype anstellen können und der Hersteller für 2014 das Streaming auf Twicht angekündigt hat.

Nur die “Skandale”, die einige wenige Nutzer der PS4 mit der Kamera (die sie separat kaufen müssen) angestellt haben, bringen nicht “die Gamer” in Misskredit. Dieselben “Sensationen” gibt es bei Chat-Roulettes auf Mobiltelefonen und Hangouts an Desktop-Computern. Nutzer von Webcams haben auch schon in den 1990ern fürs Fremdschämen gesorgt, aber alle Computer- und Internet-Nutzer über einen Kamm zu scheren – vielleicht gefällt das ja der konservativen Klientel für die Felix D. in der Regel zur Tastatur greift.



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