Empire: 7. January 2018,

15 GB Datenvolumen: Deutschland im EU-Vergleich noch immer abgeschlagen

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Der monatliche Abrechnungszeitraum ist noch lange nicht vorbei, schon erhalten Smartphone-Nutzer die gefürchtete Meldung: Das Datenvolumen ist aufgebraucht. Nun muss entweder teuer nachgebucht oder mit lästigen Einschränkungen vorlieb genommen werden.  Das knappe Datenvolumen in deutschen Mobilfunkverträgen ist ein bekanntes Ärgernis. Wenn es um mobile Datenvolumina geht, liegt Deutschland noch immer weit hinter anderen EU-Ländern. Obwohl sich die Datenmengen, welche es hierzulande für einen Festpreis zu kaufen gibt, in den vergangenen Jahren deutlich erhöht haben, ist unbegrenztes Surfen in Deutschland noch immer Mangelware. In einigen anderen europäischen Staaten bekommen Smartphone-Nutzer deutlich mehr Datenvolumen für ihr Geld.

Studie zeigt: In den Nachbarländern gibt es deutlich bessere Angebote

Im September 2016 veröffentlichte die Webseite „Digital Fuel Monitor“ eine Studie, welche für Deutschland eher schlechte Ergebnisse zeigt. Verglichen wurde, wie viel Datenvolumen Kunden für maximal 30 Euro in den verschiedenen EU-Staaten erhalten. Berücksichtigt wurden ausschließlich Tarife im schnellen LTE-Netz und mit zusätzlich mindestens 1000 Freiminuten und –SMS.

Laut „Digital Fuel Monitor“ erhalten Kunden in Deutschland sechs Gigabyte Daten für 26,49 Euro. Vor wenigen Jahren waren die Preise hierfür deutlich höher, trotzdem erreicht Deutschland im EU-Vergleich nur einen schlechten 18. Platz. – Da können die deutschen Mobilfunkkunden nur neidisch auf Nachbarländer wie Dänemark, Polen, Lettland, Litauen, Finnland und Irland blicken: Hier erhalten Smartphone-Nutzer für deutlich unter 30 Euro unbeschränkte Flatrates! Dänemark bietet mit 15,47 Euro das günstigste Angebot für unbegrenztes Surfen.

Zum Vergleich: Hier zahlen Sie für unbegrenztes Datenvolumen der Deutschen Telekom schlappe 199,95 Euro, welches im Übrigen auch das einzige deutsche Angebot mit unbegrenzter Flatrate ist. In anderen deutschen Nachbarländern gibt es zwar keine Flatrates, jedoch deutlich mehr Datenvolumen zum kleinen Preis. Für 19,99 Euro erhalten Kunden in Frankreich satte 50 Gigabyte, für rund 30 Euro bekommen Smartphone-Nutzer in Estland 60 Gigabyte, in Großbritannien wenigstens 30 Gigabyte. Auch in Schweden und Österreich gibt es für unter 30 Euro mehr als 20 Gigabyte, wofür wir in Deutschland mindestens 80 Euro zahlen müssten.

Auch wenn Deutschland eher einen schlechten Platz im EU-Vergleich hat – es geht noch schlimmer: Portugal ist mit 500 Megabyte für 27,90 Euro auf dem letzten Platz. Malta, Bulgarien, Griechenland und Ungarn sind in der Vergleichsliste überhaupt nicht zu finden, da es für unter 30 Euro keinen Datenvertrag gibt.

Warum ist das Datenvolumen in Deutschland so teuer?

Fast 50 Millionen Smartphone-Nutzer sind entweder direkte Kunden der drei großen Anbieter oder Kunden der sogenannten Mobilfunkanbieter, welche Kooperationsverträge mit der Marktmacht haben. Diese besteht aus den Anbietern Telefónica, Vodafone und Deutsche Telekom, welche sich den Betrieb der Netze aufteilen. Da die drei Anbieter den Markt zu etwa gleich großen Teilen bestimmen, gibt es weniger Konkurrenzdruck, welcher ein Dumping der Preise veranlassen würde. Experten sehen hier die Hauptursache für das teure Datenvolumen in Deutschland.

Die Anbieter sehen dies anders und erklären, dass die Preise „abhängig von der Landesgröße und topografischen Gegebenheiten“ seien. Zudem hätten deutsche Netzbetreiber besonders viel für die Mobilfunkfrequenzen, wie UMTS, bezahlen müssen. Torsten Gerpott, Telekommunikationsexperte an der Universität Duisburg-Essen, lässt die Erklärung des Telekom-Sprechers nicht gelten: “Diese Besiedlungsunterschiede können sicherlich nicht als Ausrede für die hohen Preise in Deutschland dienen. Und die Ausgaben für die UMTS-Frequenzen sind längst abgeschrieben”. Gerpott sieht in den Aussagen des Mobilfunkriesen lediglich den Versuch, zu vernebeln, wie lukrativ das Geschäft für die Mobilfunkanbieter ist.

Weitere mögliche Gründe für die hohen Preise: Die drei Anbieter müssen in Deutschland teure Lizenzen vom Staat kaufen, um auf den verschiedenen Mobilfunk-Frequenzen senden zu können. Netzbetreiber sind dazu verpflichtet, den Ausbau des Mobilfunknetzes aus eigener Tasche zu zahlen. Hinzu kommen noch die Kosten, welche in das Festnetz fließen, das bei den Deutschen nach wie vor recht beliebt ist. Auch der Ausbau und Betrieb von LTE-Netzen ist nicht billig, zumal große Landstriche abgedeckt werden müssen.

Werbekampagne der Telekom sorgt für Shitstorm

Deutsche Mobilfunk-Kunden fühlen sich abgezockt und gehen auf die Barrikaden – Dies bekam im Mai 2017 der deutsche Mobilfunkanbieter Telekom deutlich zu spüren, welcher in einer Werbeanzeige auf Twitter folgende Frage stellte: „Was machst du mit 4GB?“. Was eigentlich als Werbung für ein neues Produkt gedacht war, sorgte im Netz für Hohn und Spott. Ein Twitter-Nutzer antwortete auf die Frage der Deutschen Telekom: „Mich fragen, warum ich nicht wie in Frankreich 100GB für 20€ monatlich haben kann.“ Sein Tweet erntete tausende Likes und Antworten und beendete die Werbekampagne abrupt.

Der Twitter-User brachte das Ärgernis vieler Kunden auf den Punkt. Denn nicht nur das heimische WLAN, auch das Surfen unterwegs ist für Deutsche zur Selbstverständlichkeit geworden. Deutschland braucht mobile Daten und muss sie bisher teuer bezahlen: Sofern nicht anders eingestellt, aktualisieren sich Apps automatisch, das Social-Network ist voll von Videos in hochauflösender Qualität und Musik- oder Videostreaming sind ein gern genutzter Luxus. Leider alles auch Datenfresser, welche mit einem geringen monatlichen Datenvolumen nicht lange möglich sind.

Ist das Datenvolumen einmal aufgebraucht, wird die Geschwindigkeit radikal gedrosselt. Elendig lange Ladezeiten, eingeschränkte Dienste oder der komplette Verzicht auf diese sind die Folge. Die Macht der Gewohnheit lässt viele Kunden in den sauren Apfel beißen: wenigstens etwas mehr Datenvolumen wird für einen hohen Preis nachgeordert.

Zukunftsprognose: Preise für deutsches Datenvolumen werden weiter sinken

Bisher setzen Telekom und Vodafone auf Dienste wie „Stream On“ oder „Vodafone-Pass“, welche unbegrenztes Surfen bei Partnerdiensten ermöglichen. Nutzer können somit bei bestimmten Streaming-Plattformen surfen, ohne dass ihr Datenvolumen verbraucht wird. Kritiker sehen hier jedoch eine Gefahr für das freie Internet und alternative Dienste, welche dadurch weniger genutzt werden.

Da die Preise in den letzten Jahren bereits deutlich gesunken sind, ist davon auszugehen, dass sie auch in den nächsten Jahren weiter fallen werden. Ob wir jemals solch günstige Angebote wie in unseren Nachbarländern erreichen werden, bleibt abzuwarten. Fakt ist, mittlerweile gehen mehr Smartphone-Nutzer mobil ins Internet als über den PC, Tendenz steigend. Diese Tatsache sollten deutsche Anbieter dringend im Auge behalten und ihre Tarife dementsprechend ausrichten, wenn sie nicht in der digitalen Steinzeit verkümmern wollen.

Vergleichsportale erleichtern die Suche nach dem richtigen Tarif

Da fast jeder deutsche Mobilfunkanbieter inzwischen eine Allnet Flat im Portfolio hat, kann man ohne professionellen Vergleich auf der Suche nach einer Flatrate schnell den Überblick verlieren. Deutsche sollten daher auf der Suche nach einer passenden Allnet-Flat inklusive Datenvolumen unbedingt die Preise vergleichen: „Hierzulande sind mobile Datenmengen vergleichsweise teuer.“, so der Tarifexperte von allnetflatvergleich.de. Mit einem Allnet Flat Vergleich finden Sie schnell zum passenden Handytarif.



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