Empire: 21. August 2018,

Der Glasfaserausbau in Deutschland – Stand, Ziele, Fortschritt

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Ob im privaten oder gewerblichen Bereich, funktionierende wie leistungsfähige Datenverbindungen gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Ob Fernsehen, Telefonieren oder sonstiger Datenverkehr, die gesamte Infrastruktur ist in zunehmendem Maße auf schnelle Datenverbindungen angewiesen. Diesen Anforderungen gerecht wird aus aktueller Sicht langfristig nur die Glasfasertechnik. Mit weit höheren Übertragungsraten, als altbekannte Kupferleitungen, ist sie in der Lage, mit der rasanten Entwicklungen der Informationstechnologie Schritt zu halten. Allerdings ist Deutschland von einer flächendeckenden Versorgung mit Glasfaserleitungen weit entfernt und auch der von der Politik häufig zugesicherte Auf- und Ausbau des Glasfasernetzes stockt erheblich. Dabei sind insbesondere Unternehmen auf schnelle Datenanbindungen angewiesen.  So läuft der Glasfaserausbau in Deutschland:

Die Ziele des Glasfaserausbaus

Das Ziel eines flächendeckenden Glasfaserausbaus ist simpel. Auf Grund der hohen Leistungsfähigkeit der Glasfaserleitungen werden diese als Mittel der Wahl allgemein anerkannt, um mit heute und zukünftig nötigen Datenströmen Schritt zu halten. Die Anbindung an dieses leistungsfähige Netzwerk soll auch in Bereichen ermöglicht werden, in denen eben nicht durch Ballungsräume oder hoch industrialisierte Zonen ohnehin eine ausgebaute Infrastruktur vorhanden ist. Im Gegenteil. Auch in derzeit nicht erschlossenen Bereichen sollen Privatpersonen wie Betriebe die Möglichkeit erhalten, mit den Anforderungen der Zukunft Schritt halten zu können. Der Glasfaserausbau kann somit mitunter als essentieller Bestandteil der Förderung des Ländlichen Raums angesehen werden.

Die Verantwortlichen für die Umsetzung der Ziele

Die Verantwortung zum Ausbau vorhandener Glasfaser-Infrastruktur und zur Schaffung neuer Netze liegt bei den Versorgern. Als Marktführer und in weiten Teilen Deutschlands sogar alleiniger Netzbetreiber obliegt diese Aufgabe daher der Deutschen Telekom AG. Da der Aufbau aber nicht die gewünschten Fortschritte zeigt, ergreifen aber mehr und mehr lokale bzw. regionale Anbieter die Initiative und bauen eigene Netzinfrastrukturen auf. Wo die Marktanbieter dagegen kein oder nur geringes Interesse an einem Netzausbau zeigen, greifen mehr und mehr die Kommunen selbst in die Tasche und errichten die für ein Glasfasernetzwerk erforderliche Infrastruktur.

So weit ist der Glasfaserausbau in Deutschland fortgeschritten

In Sachen Glasfaserausbau lag Deutschland im Jahr 2016 im EU-Vergleich auf Platz 26. Damit ist die Verfügbarkeit einer Glasfaseranbindung selbst in den EU-Mitgliedsstaaten Polen und Serbien höher. In absoluten Zahlen lässt sich feststellen, dass Mitte 2017 lediglich 2,1 Millionen Haushalte in Deutschland eine direkte Glasfaseranbindung bis in das Gebäude hinein besitzen. Dies entspricht einer Abdeckung von gerade einmal 6,6 Prozent.  Die OECD kam 2017 auf durchschnittlich 23,3 % an Glasfaseranschlüssen in ihren Mitgliedsländern.
Verschlimmernd kommt hinzu, dass das Ausbautempo seit 2015 deutlich zurückgefahren wurde. Die Telekom begründet den schleppenden Ausbau mit einer geringen Nachfrage in vielen ländlichen Gebieten. Dass die Zahl der Interessenten hier deutlich geringer ausfällt, sollte jedoch rein auf Grund der geringeren Bevölkerungsdichte nachvollziehbar erscheinen. So lässt sich unter Berücksichtigung dieser Tatsachen festhalten, dass der Glasfaserausbau in Deutschland offenkundig stark von den wirtschaftlichen Interessen der zuständigen Unternehmen abhängig ist und bei mangelnden Gewinnaussichten nicht oder nur verzögert erfolgt.

Fazit – das Ziel steht, der Weg dagegen ist noch weit

Deutschland benötigt für seine Zukunftsfähigkeit eine umfassende Versorgung mit Glasfaseranbindungen. Hierin sind sich Politik, Nutzer und Netzbetreiber einig. Die Umsetzung dieses Ausbaus dagegen läuft zunehmend schleppend, so dass eine auch nur annähernd akzeptable Abdeckung wohl kurz- und mittelfristig nicht erreicht werden kann. Da der Ausbau stark von den Netzbetreibern abhängt, stellt sich die Frage, ob hier nicht ein weit stärkeres Eingreifen der Politik erforderlich wäre. Einzelne Kommunen wählen bereits heute diesen Weg und setzen durch einen eigenständigen Netzausbau Zeichen, denen die gesamtdeutsche Politik bis heute aber nicht folgt.



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