Kommentar: 28. Juli 2014,

Kommentar: Wie die Spieleindustrie helfen kann, Strom zu sparen

Nvidia Shield Tablet
Nvidia Shield Tablet

Ben Gilbert von Engadget hat Nvidias Shield Tablet kurz ausprobieren dürfen und hängt sich bei seiner Beurteilung des Android-Tablets an kulturellen Gepflogenheiten auf. Doch sein Einwand ist nicht nur total unnötig, sondern bietet Raum für die Reflektion darüber, dass die Spieleindustrie mithelfen kann, Strom zu sparen.

Wer es noch nicht wusste: Ein Tablet verbraucht deutlich weniger Strom als ein handelsüblicher Computer dies tut, um dieselben Aufgaben auszuführen. Wer gelernt hat E-Mails auf dem Tablet zu beantworten, oder seine Kommunikation statt in Skype auf dem PC auch über Skype am iPhone oder iPad führen kann, der sollte das allein deswegen tun, weil er damit seine Stromrechnung entlastet. Je mehr Aufgaben die mobilen Begleiter adäquat oder besser ausführen als normale Desktop-Computer, umso häufiger sollten wir auf sie zurückgreifen.

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Tablets sparen Strom

Wenn man es denn tut oder tun müsste, weil der Akku nicht so lange gehalten hat, würde das tägliche Aufladen von Smartphones oder Tablets aufs Jahr gerechnet ungefähr 2 bis 6 Euro mehr auf der eigenen Stromrechnung ausmachen. Ein Desktop-Computer hängt während seines Betriebs jedoch ständig an der Steckdose und braucht zudem noch einen Monitor, und Peripherie wie Maus oder Tastatur, damit man ihn benutzen kann. Ein aktueller Office-PC mit 250-Watt-Netzteil verbraucht „alleine“ bereits 40 Cent oder mehr in nur 6 Stunden. Das hängt auch ein wenig vom Preis für die Kilowattstunde ab, den man zahlt.

Am Tablet spielen?

Kommen wir noch einmal zurück zu Ben Gilbert. Im Werbevideo zu Nvidias Shield Tablet wird eine Situation skizziert, in der ein Gamer im Coffeeshop um die Ecke sein Tablet auspackt, um loszudaddeln. Gilbert stört sich an der Vorstellung, dass dort jemand an einem Tisch steht, ein Tablet vor sich hat und dazu das Shield-Gamepad in der Hand. Sein Kommentar: „If you’re one of those people, stop it.“

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Das zeigt nur, dass Gilbert alt wird. Denn Ende der 80er konnte sich niemand vorstellen, dass Teenager mit Kopfhörern im Ohr und ihrem Game Boy in der Hand, in öffentlichen Verkehrsmitteln Tetris spielen würden. Genauso eine kulturelle Aversion gab es lange Zeit gegenüber Handygesprächen in der Öffentlichkeit. Wozu wurden die Dinger gebaut? Ach ja, zum Telefonieren unterwegs. Natürlich braucht es immer seine Zeit, bis sich die Gesellschaft daran gewöhnt. Googles Glass erfährt ebenfalls sehr viel Gegenwind. In „harmlosen“ Fällen wurden Träger der AR-Brille schon aus Kinos rausgeworfen. Doch manche landeten sogar schon im Gefängnis.

Am Tablet spielen!

Wenn man diese Geschmacksdebatte also mal Geschmacksdebatte sein lässt, was bleibt dann übrig? Das Nvidia Shield Tablet ist ein Vertreter seiner Zunft mit einer enorm hohen Leistungsfähigkeit für Videospiele bei gleichzeitig enorm niedrigen Verbrauchsdaten – wie auch auf Geräten mit Apples A7 CPU, versteht sich Tegras K1, dessen GPU 192 Grafikkerne hat, mit der „Unreal Engine 4„. Bis zu 4 Gamepads können mit dem Tablet verbunden werden, und man kann es in einem speziellen Konsolenmodus an einen Fernseher anschließen und das Bild darauf ausgeben.

Hochgezüchtete Spiele-PCs kommen lange nicht mit 250-Watt-Netzteilen aus Office-PCs aus, und natürlich gibt es mit der PlayStation 4 und der Xbox One Konsolen, die noch ein bisschen leistungsfähiger sind, aber eben nur „ein bisschen“ und deren Stromverbrauch liegt ebenfalls jenseits von Gut und Böse. Trotzdem gibt es Situationen, in denen auf diesen Stromfressern StarCraft 2 oder Counter-Strike gespielt wird, obwohl das eigene Gerät damit locker unterfordert ist. Was also tun?

Die Branche muss anfangen, Tablets als ernsthafte Spieleplattformen zu akzeptieren. Dabei helfen könnte den Entwicklern der Preis. Doch diese Debatte gab es bereits. Wer Premium-Spiele mit riesigem Entwickler-Budget möchte, der kann entsprechende Preise bezahlen. Das wird freilich mit 1-Euro-Apps nicht funktionieren. Aber niemand verbietet der Spieleindustrie ihre Strategie zu verändern. Dass man Premium-Spiele auf mobilen Plattformen anbieten kann, dafür gibt es etliche Beispiele wie Uncharted: Golden Abyss auf der PS Vita. Valve hat zudem speziell für Nvidia angepasste Android-Versionen von Half-Life 2 oder Portal herausgegeben, die grafisch optimiert wurden.

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 2 Kommentar(e) bisher

  •  Dr.Daddel (28. Juli 2014)

    ….und weil ein Tablet wenig Strom verbraucht, spiel ich im Coffee-Shop?

  •  Alexander Trust (28. Juli 2014)

    Da, oder wo auch immer. Das Beispiel ist nur zum Abstrahieren gedacht. Ich habe bei Ben Gilbert einen Kommentar hinterlassen, in dem ich auf Studenten Hinweise, die schon heute in Coffeeshops mit ihren Laptops und Tablets sitzen und an ihren Papern schreiben, und auf Leute, die mit ihren Laptops und Tablets in Zügen und Flugzeugen sitzen und arbeiten (und spielen). Wieso also ist jetzt das Gamepad noch das Problem? Ein Paper schreiben und wenn keiner hinsieht Minesweeper daddeln ist okay, aber echte Games zu zocken ein Problem? Der Unterschied zwischen jetzt und dem Werbevideo ist einzig das Gamepad – da kann man auch die Kirche im Dorf lassen.


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